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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SIEGES EVEN
Menschheitsträume ohne Clichés
Thorsten Dietrich & Marek Schoppa
www.siegeseven.com


Die Süddeutschen Prog-Urgesteine SIEGES EVEN erleben so etwas wie ihren zweiten Frühling. Als die Band nach ihrem Drittwerk "A Sense Of Change" auseinander fiel wurde es einige Jahre etwas still um die Combo. Dafür sorgte man nach der Rückkehr von Gitarrist Markus Steffen und Gesangsneuzugang Arno Menses mit "The Art of Navigating by the Stars" für ein furioses Quasi-Comebackalbum. Nun folgt mit "Paramount" ein würdiger Nachfolger, der die Ausnahmestellung der Band festigen und ein für alle Mal in Stein meißeln wird.
Markus stand uns für ein paar Fragen offen und ehrlich Antwort, um uns einen tieferen Blick in das aktuelle Werk zu geben.

Hallo Markus! Zeitgleich mit "Paramount" werden eure beiden Platten "Uneven" und "Sophisticated" als Remasters wieder veröffentlicht. Wie kam es dazu? Und glaubst Du nicht, dass gerade einige Fans, die erst mit "The Art of Navigating by the Stars" auf euch aufmerksam wurden, etwas überfordert mit dem "Stoff" sein könnten?

Sieges Even

Beide CDs waren nur sehr schwer zu bekommen, und wenn überhaupt, musste man exorbitante Preise bei Ebay dafür bezahlen. Es wurde also Zeit für einen Re-Release. Sicherlich repräsentieren beide Alben einen stilistisch vollkommen anderen Abschnitt der Bandgeschichte, man könnte noch weitergehen und sagen: Eine vollkommen andere Band. Ich würde sagen, dass für Alex, Oliver, Arno und mich das eigentliche Wesen von SIEGES EVEN durch die ersten drei Alben sowie "The Art Of Navigating By The Stars" und "Paramount" umrissen wird. Dennoch sind auch "Uneven" und "Sophisticated" musikalisch sehr interessante und starke Alben. Wenn man offen ist, wird man von dieser Musik sicherlich nicht überfordert.

"Paramount" habt ihr beim "Kohle" aufgenommen. Inwiefern hat ein Studio und der Produzent Einfluss auf euch und das Ergebnis der Scheibe? Ändert sich nur der Sound?

Kohle hatte natürlich einen immensen Einfluss auf das Klangbild der Platte. Nicht allein den Sound, sondern auch das eigentliche Sounddesign mit den Samples, Keys und Syntheinsätzen. Es war für mich eine perfekte Zusammenarbeit, da Kristian von den Ideen und Inputs mit uns auf einer Wellenlänge lag. Gerne wieder.

Erzähl doch bitte etwas über die Idee, Martin Luther King auf "Paramount" zu Wort kommen zu lassen. Hintergrund der Sache?

Das Stück "Mounting Castles in The Blood Red Sky" war ursprünglich als reines Instrumental angelegt. Im Laufe des Songwritingprozesses hat sich so etwas wie ein loses Thema der Platte entwickelt: Menschheitsträume. Die Idee, die Luther King-Rede einzubauen und sozusagen zu vertonen, kam von Oliver. Mich berühren die Worte noch immer, auch wenn ich hier und da das Wort "Cliché" lesen musste. Leider sagt dabei keiner, was das Cliché eigentlich ist: Die Tatsache, dass andere Künstler die Rede vor uns verwendet haben? Ist das Kitsch? Die Tatsache, dass die Rede zum Allgemeingut geworden ist. Für mich stehen die Worte für die wichtigsten Träume der Menschheit: Humanität, Brüderlichkeit. Wenn diese Werte "Cliché" sein sollen, dann nehmen wir die Kritik gerne in Kauf.

Kluge Worte! Welchen Stand hat "Paramount" bei euch persönlich? Bei Musikern heißt es ja immer: "Die neue Platte ist die beste, die wir je gemacht haben". Ich könnte mir vorstellen, dass die Sache bei euch etwas differenzierter aussieht. "Paramount" ist zwar ein extravagantes Stück Musik, aber als konsequente Entwicklung zu "The Art of Navigating by the Stars" würde ich die Scheibe nicht sehen. Dafür war "The Art..." einfach zu perfekt. Oder sehe ich das falsch?

Die neue Platte ist die beste, die wir je gemacht haben! Haha! Spaß beiseite. Wir versuchen mit jeder Platte neue Wege zu gehen, und es wäre fatal und langweilig gewesen, wenn wir versucht hätten, eine zweite "Navigating" zu schreiben. Ich würde unsere bisherigen Veröffentlichungen auch keinem Ranking unterziehen. Jede CD hat für mich - und ich glaube, ich kann hier für alle Bandmitglieder sprechen - einen besonderen Reiz und besondere, intensive Assoziationen, die mit den Stücken, dem Songwriting und dem Recording verbunden sind. Im Gegensatz zu "Navigating" war es unsere Absicht, auf "Paramount" kürzere Stücke zu bringen, die untereinander sehr unterschiedlich sein sollten und Stück zu schreiben, die man vorher von uns nicht erwartet hätte. Das Hauptaugenmerk lag auf den Arrangements und den Melodien. Ich glaube, das ist uns ganz gut geglückt.

Mit den letzten beiden Platten habt ihr jedenfalls eindrucksvoll bewiesen, dass ihr eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Metalszene seid. Es gibt keine Band, mit der man SIEGES EVEN vergleichen könnte. Meinst Du diese Einzigartigkeit kommt euch zu Gute wenn es darum geht neue Fans zu gewinnen? Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Leute im Metal etwas festgefahren nach bekannten Mustern in der Musik suchen, ohne sich auf neue Eindrücke einzulassen. Welche Erfahrungen macht ihr gerade in dieser Hinsicht?

Es ist nicht die Einzigartigkeit, die Dir neue Hörer erschließt, sondern ein gewisses Level an Qualität. Ich glaube nicht, dass es im Genre "Metal" anders ist als in anderen sogenannten "Szenen". Hier wie dort gibt es Leute, die offen für Neues und Andersartiges sind und auch Leute, die weniger offen sind. Ich möchte vielleicht noch weiter gehen: Mir scheinen gerade Hörer - ich pauschalisiere jetzt natürlich - aus dem Progbereich weniger offen sind für Veränderung. Und ehrlich gesagt fühle ich mich auch nicht als Teil einer Szene und Gemeinschaft. Meine Güte, es gibt so viel gute Musik auf der Welt, so viele unterschiedliche und interessante Künstler. Warum sollte man sich den Blick auf das Andere durch meist unnötige Ressentiments verstellen?

Auf Tour geht ihr ja nun mit den Prog-Metallern DREAMSCAPE. Was erwartest Du von der Tour und wie wird euer Programm aussehen?

Wir werden ca. zwei Stunden spielen. Der Schwerpunkt wird auf den beiden letzte Alben liegen, aber natürlich werden wir auch Songs von "Life Cycle", "Steps" und "A Sense of Change" bringen. Wir freuen uns sehr auf die Shows, da es ja schon wieder eine ganze Weile her ist...

Sieges Even

SIEGES EVEN sind eine der Bands, die nicht an jeder Steckdose spielen. Liegt das an der Tatsache, dass ihr als Musiker bei BLIND GUARDIAN und RHAPSODY OF FIRE recht viel auf Tour seid?

Nein, das ist nicht der Hauptgrund. Ich denke, wir müssen weiter auf dem neuen Grundstein, den wir mit "The Art Of Navigating By The Stars" gelegt haben, aufbauen und die Leute von der Qualität und Nachhaltigkeit dieser Band überzeugen. Für viele Leute sind wir einfach eine Newcomerband. Ich kann Dir versichern, dass unser ganzes Herzblut SIEGES EVEN gehört und wir einfach vorwärts kommen wollen.

Hand aufs Herz - Wäre es nicht an der Zeit für eine Live-DVD?

Absolut. Und wir haben bereits darüber gesprochen. Ich bin mir nicht sicher: Vielleicht werden wir noch eine Studio-CD machen und das Projekt dann in Angriff nehmen, aber vielleicht klappt es auch schon früher. Aber Du hast Recht: Es wird langsam Zeit.

Ihr seid Kritikerlieblinge, schlägt sich das nun auch mal in den Verkäufen nieder?

"Navigating" hat sich sehr gut verkauft und war unser bislang erfolgreichstes Album. Ich hoffe, dass wir diese positive Entwicklung mit "Paramount" weiterführen können.

Welche Länder außerhalb der G A S sind besonders empfänglich für euren Sound?

Da gibt es einige. Wir haben auf der letzten Tour ja in Russland und Griechenland gespielt. Das war unglaublich. Ein Enthusiasmus ohnegleichen. Aus Italien und auch den USA haben wir auch ein enormes Feedback bekommen. Die Auslandsshows der "Paramount"-Tour sind gerade in Vorbereitung, und hoffentlich können wir das eine oder andere dieser Länder besuchen.

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