CoreLeoni – vieles neu, der Kern bleibt gleich!

Band

CoreLeoni

Interview vom

14.06.2022

Alles Neu aus der Schweiz? Bei CoreLeoni gibt es ein neues Album, einen neuen Sänger und ein neues Label! Grund genug mit Bandkopf und Gitarrist Leo Leoni ein ausführliches Interview zu führen, was aufgrund seiner unkomplizierten Art richtig Spaß gemacht hat und die Zeit verflog regelrecht.

Leo, du bist nun zurück mit dem neuen Album von CoreLeoni genannt „III“! ich war sehr verwundert, dass ihr einen neuen Sänger namens Eugent Bushpepa habt, wie kam das alles?

Wir mussten uns um einen neuen Sänger kümmern, wir hatten dafür auch Auditions mit mehreren Sängern, was doch eine Weile dauerte aber Eugent war die beste Wahl. Ich sah seine Performance beim „ESC 2017“ und war sehr beeindruckt von dem Song und seiner Gesangsleistung. Es war auf Albanisch, ich konnte kein Wort verstehen, aber der Song und die Attitüde waren toll. Ich habe auch Sachen von ihm im Internet gefunden, so dass ich mir sicher war das dieser Kerl weiß wie man seine Stimme einsetzt! Es passierte weil Ronnie Romero schwer beschäftigt ist und ganz viele Sachen macht und manchmal muss man sich halt entscheiden auf welchem Pferd man reitet. Ich denke aber es ist seine Entscheidung und die Stimme ist ja eine sehr wichtige Sache für eine Band. Es ist die Identität der Band, eine Rockband ist die Stimme und die  Gitarre. Wenn Paul Mc Cartney bei den Rolling Stones singen würde, das wäre doch seltsam! Würde er dann noch auf vielen anderen Scheiben singen, würden die Leute denken die Beatles sind ja überall! Das ist die Sache. Meiner Meinung nach ist es nicht gut wenn man zu viele Projekte eröffnet, das ist halt nicht mein Ding (lacht). Mit Gotthard war das ja was anderes. Wir mussten uns um einen neuen Sänger kümmern, das ist etwas ganz anderes. Aber nehmen wir mal AC/DC, ich könnte Brian Johnson schwer irgendwo anders singen hören! Er ist die Stimme von AC/DC!

Ich denke, der neue Sänger hat schon eine eigene Identität, aber er passt auch gut zu dem alten Material!

Ja,ja,ja – absolut! Wir suchten einen neuen Sänger der hohe und tiefe Melodien singen kann, genau wie damals mit Steve. Bushpepa kann das alles, ich denke er ist ein toller Sänger der alles singen kann und die alten Stücke umsetzen kann.

Was mir bei euch auffällt, ihr habt bei jedem Album ein neues Label. Ist dies ein Zufall gewesen?

Nein, es passierte wohl einfach! Die erste Scheibe haben wir bei Frontiers Records gemacht,  weil Ronnie da unter Vertrag stand. Wir gingen dann zu AFM Records weil wir mit einem anderen Label arbeiten wollten. Nun haben wir bei Atomic Fire Records unterschrieben, da uns die Mentalität der Leute da gefallen hat. Ich kenne die Jungs alle von Nuclear Blast, wir waren da eine lange Zeit! Es ist sehr schwer in dieser Musikbranche Partner zu habe in dieser schwierigen Zeitperiode! Ich rede nicht schlecht über irgendwen, aber es ist toll eine neue Vision, Challenge und Team zu haben. Danke an die alten Labels für das Vertrauen in uns! Es war eine tolle Neuigkeit das Staiger und Co. was Neues machen, da wussten wir das sind die Leute mit denen wir arbeiten wollen.

Ich kann dich verstehen, mit den Herren kann man ja auch gut zusammenarbeiten. Eure Albenartworks sind ja immer recht reduziert, wie kommt das? Symbole, Löwenkopf, nicht zuviel. Dazu kommen noch die Zahlen I,II,und III. Das erinnert mich auch etwas an Led Zeppelin!

Ja, das stimmt schon, (lacht herzhaft). Wir mögen es simpel und reduziert. Auch mit den Titeln „Greatest Hits 1 und 2“ Nun ist es Nummer „III“, es ist sehr einfach gehalten. Das ist Nummer „III“ und ich mag diese Idee, einfach und klar! Wie an einer Bar: Ein Bier bitte! (lacht). Ob Pils ist dann egal.

Verstehe! Euer erstes Album hatte nur alte Gotthard Songs, das zweite auch neue Songs und alte Hits, nun seid ihr bis auf den letzten Song und die mir nicht vorliegenden Bonustracks mit komplett neuem Material am Start was aber so klingt wie die alten Gotthard Kracher.

Das ist korrekt! In der Pandemie hatten wir genug Zeit für neue Lieder zu schreiben und aufzunehmen und mit einem neuen Sänger war uns das auch wichtig! Das Team hat da gut zusammengearbeitet. Wir haben dann auch mehr Zeit im Studio verbracht, wir werden auch nicht die alten Gotthard Songs vergessen! Die haben wir mit Gotthard auch nicht mehr gespielt, auch als Steve noch lebte. Da sind immer noch eine Menge Fans draußen die altes Material wie „Firedance“ hören wollen und ich liebe diese Lieder.  Das ist wofür mein Herz schlägt. Es ist eine nette Kombination die mir gefällt. Die neuen Lieder sind neu, aber der Vibe ist der Gleiche!

Sie klingen für mich wie alte Gotthard Lieder die ihr nie aufgenommen habt! Ich habe auch sehr gewundert über die Rolling Stones Nummer „Jumpin‘ Jack Flash“. Auf dem Papier las sich das für mich nicht gerade spannend, aber am Ende habt ihr ja ne echte CoreLeoni Nummer daraus gemacht die richtig Spaß macht!

(lacht spontan) Es ist lustig, ich singe den Song! Ich war etwas auf der bösen Seite beim Singen, naja nicht ganz so böse. Das ist ein Lied was ich als Kind immer gehört und gespielt habe. Mit viel Respekt vorm Original haben wir hier einen CoreLeoni Track daraus gemacht. Auch gibt es eine Version von Aretha Franklin, ich weiß nicht ob du die kennst, welche auch etwas vom Original abweicht. Wir sind eher so auf der AC/DC Seite mit unserer Version mit Rock N Roll und CoreLeoni Touch. Ich liebe es einfach und wir wollten es einfach versuchen. Als wir das aufgenommen haben war unser Sänger nicht da und ich habe es dann einfach gemacht (lacht). Es ist lustig! Die meisten Leute haben das nicht gemerkt und bei Interviews hieß es schon mal: „Wer singt da? Es ist gar nicht so schlecht!“ (lacht schallend).

Mir hat es auch gefallen, da wäre ich glaube ich gar nicht selber drauf gekommen. Bist du nie auf die Idee gekommen mal selbst zu singen?

Nein, nein, nein, ich spiele Gitarre und das langt, dabei bleibe ich. Natürlich habe ich auch schon Backing Vocals gesungen, oder live mal ein paar Zeilen. Aber ansonsten überlasse ich das Singen Leuten die das viel viel viel besser als ich können! Rock N Roll hat eh mit Spaß zu tun und ohne das macht es einfach keinen Sinn!

Wie sieht es denn zeitlich bei dir aus, Gotthard sind eine große Band die ja auch viel Zeit beansprucht. Wie gehst du damit um bei zwei Bands? Ihr seid ja konstant am Ball die letzten Jahre gewesen mit beiden Formationen, auch live.

Weißt du, der Tag hat 24 Stunden und ich bin gerne beschäftigt. Ich liebe Musik, das ist mein Ding. Da gibt es dann auch keinen Zeitdruck. Der Beginn von CoreLeoni war natürlich etwas arbeitsintensiver bis man alles abgeklärt und festgelegt hat. Früher waren wir auch nur auf Tour. Das ist es was ich liebe und das mache ich so lange wie ich kann! Es kommt vielleicht der Tag wo mein Körper sagt du bist zu alt für Rock N Roll und dann versuche ich am Strand zu relaxen. Deshalb versuche ich jetzt soviel zu machen wie es geht.

Ziehst du eine Linie zwischen dem Songwriting für Gotthard und CoreLeoni?

Ich würd es nicht Linie nennen! Es sind Ideen in meinem Kopf die ich gerne aufnehmen würde. Manchmal passt das für die eine Band, das nächste Mal für die andere Formation dann. Jeder kommt ja mit eigenen Ideen und am Ende entscheiden wir zu welcher Band es dann passt. Es ist quasi ein Luxus den wir haben. Ein Designer geht vielleicht zu Mercedes und merkt, dass dann Porsche der richtige Partner ist. Musiker sind ja Künstler die etwas designen.

Gotthard sind ja bekannt für ihre Balladen, ihr habt auch welche, aber weniger. Denkst du dass die Balladen als Schnittpunkt für beide Formationen gelten?

Das kann man schon sagen! Aber am Ende des Tages schreibt jemand einen Song an der glaubt! Man muss an den Song glauben, wenn Band und Sänger auch daran glauben kann man das veröffentlichten. Am Ende entscheiden die Fans ob es gefällt, eine Ballade ist nichts für was man sich schämen muss! Oder müssen sich Led Zeppelin für „Stairway To Heaven“ schämen? Ich denke nicht! Ich liebe es Rock N Roll zu spielen, aber es muss ja nicht immer laut sein und nach vorne gehen.  Es ist halt oft ein anderer Vibe dann bei einer Ballade. Man hat ja nicht immer die gleiche Stimmung! Es gibt halt Dinge im Leben die einen zu Balladen bringen, es gibt ja nicht nur Liebesthemen, manchmal geht es auch um Trauer und Depression. Ich glaube nicht dass die Fans draußen keine Balladen mögen! Diese haben halt auch oft verschiedene Stimmungen. Im Leben gibt es Trauer und Freude!

Ich denke es kommt auch immer auf die Mischung an, wenn diese stimmt ist es toll! Ihr geht ja bald auf Tournee in der Schweiz mit Storace habe ich gelesen, wie läuft es gerade in der Schweiz?

Ich hoffe dass es klappt! Aber jede Sekunde ändert sich irgendwas an den Regeln. Ich glaube aber das es klappt, kann natürlich aber nicht dafür garantieren. Ich denke aber dass man seinen Impfpass vorzeigen muss und sich an die Regeln halten muss! Wir können Konzerte versuchen und das ist eine schöne Sache wenn es klappt, die Leute draußen wollen auch wieder Konzerte. Wir müssen aber vorsichtig sein, es gibt ja Menschen die denken dass es keine Krankheit ist, aber die Sache ist schwer gefährlich, Menschen haben Familienmitglieder verloren und wir haben davor Respekt. Als Künstler kann man da nicht einfach rausgehen, Konzerte spielen und einfach drauf scheißen!  Wir müssen einfach das Beste daraus machen! Es ist kein Krieg oder Tsunami, man sieht kein Blut in den Straßen. Dann würden die Leute sich an die Regeln halten. Hier wird dann gesagt man muss sich nicht an die Regeln halten. Klar muss sich was ändern für alle, aber die Pandemie ist noch nicht vorbei. Aber ich hoffe das ich mich irre!

Endlich mal ein Musiker der ein wirklich gutes Statement abgeliefert zu dieser Situation!                  

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)