Wizard – ein amtlicher Geburtstag!

Wizard aus dem Ruhrpott, genauer gesagt aus Bocholt haben dem neuen Album „Metal In My Head“ ein amtliches Bandjubiläum. Eigentlich gibt es die Truppe gar seit 1989, aber 1991 erschien das erste Demo. 2021sind von den Gründungsmitgliedern noch drei an Bord. Besetzungswechsel gab es kaum, wenn man sich dagegen andere bekannte, deutsche Gruppen anschaut – wow! Ich sprach mit dem nette und bodenständigen Frontmann Sven D‘ Anna.

Was ich immer wissen wollte seitdem es euch gibt! Ihr habt ja einen der coolsten und einprägsamsten Namen der Metalgeschichte, da gibt es bei vielen Bands ja lustige Geschichten oft wegen den Namensrechten, hattet ihr sowas auch schon einmal?

Früher war da mal ein amerikanischer Windelhersteller der uns über seinen Anwalt wegen unserem Namen kontaktiert hatte, worauf wir aber nicht reagiert haben und auch nichts mehr passiert ist. An sich gibt es jede Menge Sachen mit dem Namen Wizard, wer uns finden will muss nach Wizard Heavy Metal suchen!

Ihr wart ja immer da, habt euch nie aufgelöst oder pausiert wie andere die dann dickes Jubiläum feiern!

Nein, wir sind von Anfang an dabei, zumindest was Drummer Sören, Gitarrist Martin und mich betrifft. Seit 1989, da ist dann mehr als die Band! Du bist dann schon mehr als eine Band, das ist fast wie eine Familie und die lässt man nicht so schnell los.

Das ist schon eine Hausnummer, so viele Ex-Musiker habt ihr ja nicht. Was ich nicht mitbekam, mit Tommy Hartung ist wohl ein neuer Gitarrist dabei, wie kam das? Der Dano Bohland war auch lange dabei!

Ja, 16 Jahre war der Dano dabei! Das hat sich einfach so entwickelt. Der hat früher in einer Thrash Metal Band namens Vebrifuge gespielt die bei uns im Umkreis sehr bekannt waren. Wir haben die früher alle geliebt diese Band! Vor zwei Jahren haben die sich wieder getroffen und ab und zu wieder geprobt. Bei Dano hast du dann gemerkt die letzten zwei Jahre das es ihm mit Wizard alles zu viel wurde, vermute ich. Irgendwann hat er uns eine SMS gesendet, er brauche eine Pause. Ich denke er spielt mit seiner Band weiter, für den ist das das Richtige. Die proben 1x die Woche oder im Monat. Der hat dann wenige Verpflichtungen. Unser Drummer hat den mal getroffen den letzten Monat der wirkte zufrieden. Da gibt es keinen Stress zwischen uns und wir hoffen, dass es glücklich ist!

Das ist doch schön. Wie kamt ihr dann an Tommy?

Wir wollten wie in den Anfangsjahren zu viert weiter machen, aber der Tommy hat dann angefragt und wir kennen den auch ne Ewigkeit. Der hat dann mal zwei Monate mitgeprobt und dann war es so. Wir hätten eigentlich letztes Jahr im März in Frankreich auf nem Metalfestival seinen Einstieg bekannt geben, so mussten wir das auf Facebook veröffentlichen. Das ist schon geil mit Tommy. Der hat sich gut eingebracht bisher. Wenn ich dem nachts ne Idee oder eine Gesangsmelodie via Handy gesendet habe, kam oft eine Stunde später die Gitarren bei mir an (lacht). Der ist heiß!

Früher hatte ihr ja oft Konzeptalben wie Alben wie „Thor“, „Odin“ oder „Goochan“. Seit einiger Zeit nicht mehr. Davon seid ihr weg. Kann ich sagen ihr seid da eher komplett weg oder ist das ein Zufall?

Das kann auf jeden Fall noch einmal vorkommen, ist aber bei den letzten Scheiben einfach nicht passiert! Wenn du keines hast, wir auch nichts passieren (lacht). Ich habe ein paar Fantasytexte geschrieben, ein paar aus der heutigen Zeit. Natürlich auch ein paar über unser Jubiläum.

Ich denke mit einem Geburtstag darf man sich auch mal selber feiern. Man versteht dich auch gut und da braucht man keinen Duden. Das ist ja dann eure Geburtstagsplatte, oder?

Viele Schreiberlinge meckern ja gerne über die Texte! Ich weiß aber auch nicht was die Leute erwarten. Hochgestochene, schlaue Bücher? Das muss doch zur Musik passen. Mit hochgestochenen Texten kommt man da nicht weiter!

Ich habe mich bei euch immer gefragt, warum ihr nicht zum 20. Oder 25. Geburtstag eine Live Scheibe mit oder ohne DVD gemacht habt, ihr seid doch eine coole Liveband?

Ich weiß jetzt nicht ob so eine Livescheibe so was Cooles ist. So etwas hatten wir auch vor! Wir haben unser 25jähriges hier in Bocholt ziemlich groß gefeiert hier in Bocholt als Open Air. Mitte in der Innenstadt mit 500-600 Leute, zusammen mit Majesty. Das war schon ziemlich geil. Da hätte auch eine Liveplatte rauskommen können, aber irgendwie war wohl das Mischpult defekt und da hat es mit den Aufnahmen nicht so geklappt und das war es dann. Pech, es sollte nicht sein!

Zur neuen Scheibe fand ich halt interessant, dass das Schlagzeug natürlich aufgenommen wurde! Auch beim Martin Buchwalder wo der Sound so echt wie möglich aufgezeichnet wird. Ich weiß das auch als Laie, dass heute viel im Studio zurechtgerückt und editiert wird! 

Wir wollten mal wieder was neues-altes ausprobieren. Wir haben die ersten Alben drei Wochen im Studio aufgenommen, dann wurden die gemischt und gemastert. Dann haben wir irgendwann damit angefangen das in unseren eigenen Homestudios aufzunehmen. Der Sören hat das Schlagzeug als E-Drum eingespielt und das Alles haben wir an Achim Köhler gesendet der das Ganze dann gemastert hat und einen Sound kreiert hat. Die letzten Scheiben hatten meiner Meinung nach, einen tollen Sound. Jetzt haben wir etwas Geld in die Hand genommen und bei Martin aufgenommen und das hat sich auch gelohnt! Das sollte halt auch frisch klingen.

Es gibt ja halt sehr künstlich klingende Band im Heavy Metal mit viel Plastik, das ist ja hier nicht der Fall und das finde ich gut. Ich fand auch gut, dass ihr den Martjo von Vortex und Steelwolf einen Song gewidmet habt! Wie kam das?

Ja, wir haben den Martjo einen Tag vor Heiligabend beerdigt und ich dachte ich muss da irgendwas machen um meine Gefühle da auszudrücken und rauszulassen. Deshalb habe ich einen Song geschrieben, aber da bei uns keiner Keyboards spielen kann, habe ich den Gustavo von Feanor gefragt bei denen ich ja auch singe. Den habe ich nach ein paar Klavierpassagen gefragt und der hat mir paar geile Passagen gesendet aus denen ich was gebastelt habe. Das hat auch geholfen darüber hinwegzukommen!

Da war echt eine tolle Sache. Wie kam es denn, dass du als Deutscher bei Feanor einer Metalband aus Argentinien seit 2016 singst?

Der Gustavo der Feanor ins Leben gerufen hat ist seit der „Bound By Metal“ Wizard Fan und ich stand immer mit ihm in Kontakt, erst mit Briefen und dann auch mit Email und so. Irgendwann habe ich vor vielen Jahren einen Song bei denen auf der Platte mitgesungen und dann hat er mich 2015 gefragt ob ich nicht Bock hätte auf ein ganzes Album. Dann ist da mehr draus entstanden, ich bin dann nach Argentinien geflogen, habe dort Konzerte gemacht. Das war schon Recht geil, das bleibt auch dabei. Wir haben auch ein neues Album am Start bald, wo auch Ex-Manowar Gitarrist David Shankle an Bord ist. 2018 war ich mit dem auch auf Tour in Südamerika und dann haben wir Feanor, Manowar Songs live gespielt.

Du bist ja schon prägnant mit deiner Stimme, auch bei Feanor. Wie siehst du das denn allgemein bei der Wizard Diskografie. Was ist deine Lieblingsscheibe und was der Stinker in eurer Discografie?

Meine Lieblingsscheibe ist die „Odin“ und der Stinker ist „Magic Circle“, aber nur vom Sound! Ich finde die Lieder richtig geil, was aber vom Sound überhaupt nicht rüberkommt da dieser so beschissen ist. Da haben wir richtigscheiße gebaut, bzw. der damalige Produzent! Das ist an sich eine geile Scheibe die bräuchte mal eine anständige Produktion. Damals hat uns der Typ Mixe zugeschickt die waren eine Katastrophe! Der war überrascht als wir das sagten und er meinte er dachte das wäre so gut und hätte die Aufnahmen gelöscht (lacht). So hätten wir normalerweise das Album nicht herausbringen dürfen! Nicht weil die Songs so scheiße sind, sondern wie der Sound so kacke ist.

Hat man in 30 Jahren auch mal seine Idole näher kennen gelernt und vielleicht auch Spaß mit denen gehabt?

Als wir damals angefangen haben und im Proberaum saßen haben wir uns das Rock Hard durchgeblättert und dann haben wir uns vorgestellt die dort drin sind auch mal zu treffen oder kennen zu lernen. Aber wir waren in all der Zeit auf so vielen Konzerten und Festivals und haben da doch den einen oder anderen kennen gelernt, zusammen was getrunken oder geredet. Die kochen halt auch nur mit Wasser! Das ist halt das Schöne, der eine ist mit Rockstar, der andere weniger. Da habe ich dann auch mit vielen Helden was geredet oder mal ein Bier zusammen getrunken habe! Wir zählen uns auch zur Metalszene und wollen nicht wie großspurige Rockstars durch die Gegend laufen, so lernt man ja auch keine neuen Leute kennen auf Festivals oder so (lacht).

Ich kenne auch keine Coversongs von euch, da gehe ich davon aus, dass ihr nicht auf Cover steht?

Nee, da hast du Recht! Wir stehen da überhaupt nicht drauf. Wir haben mal einen Coversong von Virgin Steele gemacht. Der ist auf irgendeinem Sampler und den anderen weiß ich schon nicht mehr. Wir spielen lieber unsere Songs, wir wollen das die Leute unsere Lieder mögen und uns nicht zu jubeln, weil wir Iron Maiden spielen! Die jubeln dann, weil der Maiden Song so geil ist! Solange wir noch Einfälle und Ideen haben, haben wir es nicht nötig andere Bands zu covern. Außerdem planen wir schon auf jeden Fall ein weiteres Album, das 13. Studioalbum einzuspielen!

Ein gutes Abschlussstatement und schöne Aussichten!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)