EMERALD – Die Schweiz ist nicht genug

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EMERALD meinen es gut mit ihren Fans und präsentieren bereits zwei Jahre nach dem überragenden „Reckoning Day“ mit „Restless Souls“ einen Nachfolger. Da einige Auftritte in Deutschland in nächster Zeit anstehen, wollten wir von Gitarrist Michael Vaucher Genaueres erfahren.

 Hallo Michael, ihr habt relativ schnell den Nachfolger von „Reckoning Day“ an den Start gebracht. Könnte das daran liegen, dass eure Mannschaft ausnahmsweise mal stabil geblieben ist und ihr keinen Wechsel zu verzeichnen habt?

Ja, das ist tatsächlich so. Wir hatten mit dem Songwriting für „Restless Souls“ schon begonnen, bevor „Reckoning Day“ in die Läden kam. Durch die ganzen Line-Up Wechsel vor „Reckoning Day“ verloren wir damals extrem viel Zeit. Diesmal ging alles sehr schnell und produktiv, da wir nun eine eingespielte Mannschaft sind. „Restless Souls“ wäre sogar noch viel früher erschienen, wenn wir nicht noch viel Zeit verloren hätten infolge des Wechsels der Plattenfirma.

Bevor wir zur Musik kommen eine Frage zum Cover. Auch „Restless Souls“ verfügt über ein amtliches Gruselbild, wie auch die beiden Vorgänger. Verbunden mit der smaragdgrünen Farbe könnte das ein Markenzeichen werden.

Die Farbe Grün passt tatsächlich sehr gut zu unserer Band. Es war aber eigentlich nicht unbedingt geplant, dass es wieder ein grünes Artwork sein muss. Wir stießen im Internet auf den britischen Zeichner Alan Lathwell, welcher schlussendlich das Bild zu „Restless Souls“ beisteuerte. Die erste Version des Bildes war allerdings in braungelbem Ton. Wir ließen es dann in grün ändern, was uns definitiv viel besser gefiel, aber nicht nur weil grün so gut zu Emerald passt. Es ging uns einfach um die Atmosphäre des Bildes.

„Reckoning Day“ bestand irgendwie aus drei Teilen. Da waren die Songs mit George Call am Mikro, dann die mit Mace und zum Schluss bildet „The Burgundian Wars“ noch einen weiteren Albumteil, der komplett von deinem Bruder Thomas geschrieben wurde. Wie lief das Songwriting für „Restless Souls“ ab, nachdem ihr ja seit gut zwei Jahren als Band unverändert zusammen seid?

Wie immer schrieben die einzelnen Bandmembers ihre Songs zuhause für sich alleine. Ausgearbeitet und arrangiert werden diese dann mit der ganzen Band im Proberaum. Dieses Mal konnten wir allerdings mit unserem Sänger von Anfang an den Gesangsmelodien arbeiten, was das Songwriting viel einfacher und effizienter machte. Wir konnten alle Stücke auch als Band viel besser vorbereiten und ausgiebig im Proberaum spielen und testen.

Haben EMERALD jetzt endgültig ihren Stil gefunden? Ich behaupte mal, dass die letzte und diese Scheibe stilistisch sehr eng beieinander liegen.

Da kann ich Dir nur Recht geben, das neue Album ist die konsequente Fortsetzung von „Reckoning Day“ und setzt genau dort an, wo wir beim letzten Album aufgehört haben. Unseren Stil haben wir in dem Sinne gefunden, dass wir uns eben nicht so eng auf nur ein ganz limitiertes Element wie Power Metal beschränken lassen. Das Grundgerüst ist immer traditioneller Heavy Metal. Allerdings darf es gerne mal bei einem Song etwas orchestraler und epischer sein, bei einem anderen dürfen die Riffs dafür in den Bereich Speed Metal oder Thrash Metal abdriften und eine Ballade hat bei uns auch immer ihren Platz. So bleibt es abwechslungsreich für alle.

Ihr deckt eigentlich alle Wünsche des traditionellen Heavy Metal ab. „Restless Souls“ verfügt über melodische Mitsingnummern, eine herzergreifende Powerballade, schnelle Powersongs und mit „Superhero“ nähert ihr euch sogar dem Hardrock, ohne allerdings kitschig zu klingen. Geht ihr da strategisch vor beim Schreiben oder ist die Abwechslung eher Zufall?

Strategisch ganz sicher nicht, das ergibt sich immer so, weil wir so viele Songwriter in der Band haben. Und bei so vielen Songwritern gibt es auch sehr viele Einflüsse und Vorlieben, was sich dann in der erwähnten Abwechslung am Schluss zeigt. Durch das, das alle Songs immer noch gemeinsam mit der ganzen Band bearbeitet und arrangiert werden, klingt es am Schluss dann trotz der Abwechslung immer nach Emerald.

Mein momentaner Favorit, und ich habe einige auf der Scheibe, ist „Cad Goddeu“. Das triumphale Intro, die bestechende Bridge und der ultrageile Refrain lassen mich selbst auf der Couch die Faust in die Höhe recken und begeistert mitsingen. Das Gitarrensolo erledigt dann den Rest und ich muss mich erheben um auf der Luftgitarre mitzuspielen. Mace liefert eine besondere Performance bei dieser Nummer, wie ich finde.

Welcher Song liegt dir denn besonders am Herzen und welcher ist euch am schwersten gefallen?  

Ich denke, jedem Songwriter liegen immer seine eigenen Songs am meisten am Herzen, was ganz normal ist. Schwer gefallen ist uns eigentlich kein Song, da wir einander mittlerweile alle sehr gut kennen und wissen, wie jeder tickt. Es gab Songs wie „Son Of Sam“ oder „Heaven Falls Down“, wo das Stück bei der Bearbeitung durch die Band einiges stärker verändert wurde als beispielsweise bei „The Wicked Force“. Mir persönlich liegt „Heaven Falls Down“ am meisten am Herzen, weil ich da an den Grundriffs sehr lange rumgetüftelt habe bis ich damit zufrieden war. Und als Mace damals mit den Ideen für die Gesangsmelodien des Refrains ankam hat es mich glatt umgehauen. Ein weiteres Albumhighlight für mich ist „Son Of Sam“, weil bei dem Stück unsere gemeinsame Liebe für Iron Maiden herrlich zum Vorschein kommt.

Ist mit Julien Menth endlich der Gitarrist zu euch gestoßen, auf den du selbst schon lange gewartet hast? Ich denke ihr beide harmoniert nicht nur auf der Bühne hervorragend.  

Ja, ganz ehrlich, mit Julien haben wir nicht nur einen extrem talentierten Lead-Gitarristen für Emerald gefunden, sondern auch einen echten Freund. Ich schätze natürlich sein Talent wahnsinnig, aber unsere Freundschaft bedeutet mir noch viel mehr. Beides zusammen war wie ein Lottogewinn.

Dass ihr euch mit „Revenge“ vom Hymns Of Steel“-Album quasi ausnahmsweise mal selbst covert, finde ich klasse, denn der Song ist einer meiner All-Time-Faves von euch. Wie kamt ihr denn auf die Idee?

Wir spielten schon länger mit der Idee herum, mit unserem „neuen“ Sänger einen alten Song neu aufzunehmen. Sowas ist nicht nur für uns sondern auch für die Fans interessant und es soll auch die Entwicklung von Emerald besser aufzeigen. Die Wahl zu „Revenge“ war relativ einfach, da dies einer dieser alten Songs ist, die wir regelmäßig noch im Liveset haben und der allen in der Band super gefällt.

Nach der „Headbanger´s Night“ 15 im letzten Jahr ging es ja regelrecht rund, was das Booking für Südwestdeutschland anging. Ihr spielt in diesem Jahr noch einige Male auf deutschem Boden.

Ja, das ist wirklich extrem erfreulich für uns. Das Konzert an der „Headbanger´s Night“ muss nachhaltig beeindruckt haben, denn danach wurden wir innert kurzer Zeit für drei weitere Deutschland Festivals gebucht. Und es macht wahnsinnig Spaß, an deutschen Festivals zu spielen, denn wir haben bei euch sehr viele Anhänger und die Konzerte sind eigentlich immer sehr erfolgreich. Deshalb freuen wir uns jetzt schon sehr auf diese Gigs und hoffen, es kommen auch nach diesen Shows wieder weitere Anfragen für Deutschland-Konzerte.

Der Wechsel von Pure Steel zur ROAR bringt euch sicherlich noch einiges an Aufmerksamkeit. Wollt ihr es jetzt noch packen um vielleicht mal als Support eine Europa-Tour spielen zu können oder selbst als Headliner eine dreiwöchige Clubtour?

Wir hoffen, durch die neue Plattenfirma in Zukunft besser vernetzt zu sein und mehr Shows in Europa spielen zu können. Wir sind alle berufstätig, weshalb eine Tour immer schwierig zu organisieren ist. Aber unmöglich ist es auch nicht, wir waren ja bereits 2012 ein paar Wochen mit Helstar auf Europatournee. Sinn machen würde sicher eine Tour als Support für eine bekanntere Band oder eben diverse Clubshows oder Festivals an Wochenenden. Wir werden sehen, was sich Organisieren lässt zur Promotion des neuen Albums. Wir wollen so oder so das neue Material live spielen und so oft es geht auf die Bühne damit!

Du bist ja nicht nur Musiker, sondern selbst auch riesiger Fan. Man sieht dich auf vielen Festivals und Konzerten. Was bedeutet es für dich Teil der Szene und leidenschaftlicher Anhänger zu sein?

Ich staune eigentlich immer, wenn Musiker in Interviews sagen, dass sie privat keine anderen Bands hören oder selber Konzerte besuchen. Für mich ist die (Heavy Metal)-Musik meine ganz große Leidenschaft. Das fängt an beim monatlichen Lesen von mehreren Musikmagazinen und Webzines übers Sammeln von LPs und CDs, Besuch von Konzerten und Festivals und natürlich selber Musik machen. Zudem schreibe ich selber für ein Musikmagazin Reviews und liebe den Kontakt zu anderen Musikern und Fans. Und ja, egal ob im Auto oder Zuhause, es läuft eigentlich immer Musik, ich bin ein echter Musikjunkie hahaha.

Wenn du zum Schluss noch ein paar Worte an unsere Leser richten möchtest, dann kannst du das gerne an dieser Stelle tun. Ich bedanke mich für deine Zeit, die du dir für uns genommen hast und hoffe ihr macht noch viele Jahre in dieser Besetzung weiter.   

 

Ein großer Dank für die langjährige Unterstützung unserer Band. Wir freuen uns auf die Deutschland Shows und hoffen da viele Fans treffen zu können. Besucht unsere Homepage www.emerald.ch für die Konzertdaten und bei Interesse unseren YouTube Channel https://www.youtube.com/user/Tollmaismusic , wo es neben den neuen Videoclips auch unsere Emerald TV Doku Soap zu sehen gibt. Wer gerne mal einen Blick mit viel Augenzwinkern auf das Innenleben der Band riskieren möchte, die einzelnen Folgen können auf YouTube auch mit Untertiteln versehen angeschaut werden. Long Live The Loud !

 

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