Die Saarland-Thrasher GODSLAVE sind mir schon seit Jahren positiv aufgefallen und nun ist der siebte Streich als „Godslave“ erschienen. Da war es meiner Meinung nach Zeit die Jungs mal zu befragen. Gitarrist Manuel „Manni“ Zewe stand bereit um sich von mir ausquetschen zu lassen. Die Band hätte meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient.
Neben sieben regulären Alben, Compilations, Split Alben oder mal einem Livealbum hattet ihr vor nicht allzu langer Zeit mit „Champions“ eine recht coole Coverscheibe mit fetter Laufzeit und recht breitem Spektrum. Wie kam die an und hatte die auch Auswirkungen auf euer neues, 8. Album „Godslave“?
Vielen Dank für das Lob und ja, die kam in der Tat ganz gut an, würde ich sagen. Der ein oder andere Künstler hat sich tatsächlich geehrt gefühlt und sich bedankt. Damit alleine hat sich die Sache schon gelohnt. Und tatsächlich hat sie auch in Hinsicht auf das darauffolgende Album einiges bewegt. Wir haben Workflows etabliert, die wir für die Pre-Produktion von GODSLAVE aufgreifen und beibehalten konnten und tatsächlich meine ich den ein oder anderen Einfluss auf die Musik zu erkennen. Bei “Part of the Pack” ist zum Beispiel ein Riff drin, welches schwer nach Bernies Helden von Whiplash klingt.
Seid ihr eigentlich noch mit anderen Göttern verwechselt worden, Godsnake zum Beispiel machen ja relativ ähnliche Musik sogar?
Ok, von hinten nach vorne. Tatsächlich gab es ein oder zwei Vorfälle, bei denen wir mit Godsnake verwechselt wurden. Ich meine, wir hätten intern auch mal laut über eine gemeinsame Show nachgedacht, um endgültig für vollständige Verwirrung zu sorgen.
Wie kommt man darauf, sein achtes Album nach der Band zu benennen und was soll der Bandname, den ich sehr griffig empfinde bedeuten, was ist denn ein Gottessklave?
Der Bandname spielt auf einen “Gott” im übertragenen Sinne an. Jeder von uns ist Sklave irgendeines “Gottes”, irgendeiner Entität oder Sache, der man sich bedingungslos unterordnet. Egal ob freiwillig oder nicht. Sowas kann dein trostloser Grind in einem 9-to-5-Job sein. Sowas kann ein tatsächlicher Glaube oder ein Glaubenssatz sein, unter welchem man lebt. Sowas kann eine Sucht oder auch eine Krankheit sein. Da ist Interpretationsspielraum. Wie ich den Namen lese, geht es um die Bewusstmachung dieses Zustandes. Den Blick nach oben, über die eigene Ich-Perspektive hinaus. Und der Einsicht, dass DU letztendlich dein Gott sein kannst, der die Macht besitzt, selbsttätig Dinge zu ändern und dein Leben selbst zu steuern. Zum Album-Titel: dieser wurde von Bernie vorgeschlagen, weil das Album in deutlich mehr Zusammenarbeit entstanden ist als zuvor. Daher schien es passend, dem gemeinschaftlichsten Album der Bandgeschichte den Namen der Band selbst zu geben. Dieses Album ist für uns etwas Besonderes, was alle Facetten unserer Geschichte bis hierhin beinhaltet. Deshalb war der Name einfach passend.
Eure Artworks sind ja gerne grün und haben diese Wesen, was zeitweise wie ein Monster aus „Silent Hill“ oder ein Symbiont aus einem Brutkasten in irgendeinem Sci Fi Film aussieht. Was hat es mit der Figur auf sich und warum musstet ihr als Band jetzt noch mit auf das Artwork?
Das ist unser Horst. Der Gute ist die bildliche Darstellung des aktuellen Zustands der Band zum jeweiligen Zeitpunkt und entstammt ursprünglich dem Pinsel eines schwedischen Künstlers namens Jim Svanberg, der unsere ersten Artworks bis einschließlich “Welcome to the Green Zone” zu verantworten hat. Die Band verändert sich, geht durch Prüfungen, Hardships und Krisen und Horst ist die optische Manifestation dieses Werdegangs. Warum wir mit drauf mussten? Das kann vermutlich Bernie besser erklären, aber ich versuch es dennoch. Wir als die einzelnen Mitglieder beleben diese Band, geben ihr unsere Kraft und Energie, lassen sie nach Krisen wieder erstehen und halten sie am Leben. Und das war der eigentliche Hintergrund des Artworks. Ursprünglich hatten wir darüber gesprochen, dass wir schemenhaft im Hintergrund irgendwie als Energiegeber zu erkennen sind. Aber irgendwann im Laufe des Entstehungsprozesses und der Kommunikation mit unserem neuen Artworker Dmitry, der seit 2018 für Horst zuständig ist, sind wir dann wohl tatsächlich vom Schemenhaften zum Offensichtlichen ins Bild gerutscht. Und die Farbe haben wir tatsächlich von Anfang an einfach durchgezogen, weil grün auf schwarz so schick aussieht. Und nochmal: Nein, wir haben das nicht so gewählt, weil wir gerne Overkill wären. Thommy geht gesanglich in eine ähnliche Richtung wie Blitz, das sehe ich ein. Aber weder Mika, noch Bernie und am wenigsten ich selbst sind musikalisch von Overkill beeinflusst. Der Vergleich ehrt natürlich, aber „alle Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind Zufall“, wie es im Film so schön heißt.

Auch wenn ihr euch online was ich so sehe als lustige Gesellen präsentiert sind eure aktuellen Texte dann nicht platt oder destruktiv. Würdet ihr euch als nachdenklich bezeichnen was die Texte betrifft?
Ja, würde ich schon. Die Texte sind tief persönlich und für Bernie und mich hat der Schreibprozess auch eine therapeutische Wirkung: “Name it to tame it” quasi. Das macht sie für mich auch besonders authentisch. Alles, worüber wir dieser Tage schreiben, sind Dinge, die wir am eigenen Leib erfahren haben. Dinge, durch die wir persönlich durchgegangen sind und an denen wir gewachsen sind. Der Blick nach innen dient also einmal der Verarbeitung für uns selbst und das Kanalisieren durch den Text dient der Kommunikation nach außen und ist quasi die ausgestreckte Hand an den Zuhörer. Quasi ein Ruf in den Kosmos auf der Suche nach Leidensgenossen mit dem Hinweis, dass sie da draußen nicht alleine mit diesen Gedanken sind. Ich persönlich kann nur schwer über hypothetische Dinge schreiben, von denen ich keine konkrete Ahnung habe. Ebenso schwer tue ich mir mit Kalendersprüchen oder Metalklischee-Rhetorik. Ich erzähle sicher nichts Neues, wenn ich betone, wie wichtig uns als Band die Sichtbarkeit von und ein offener Umgang mit mentaler Gesundheit sind. Wenn wir nach außen wie spaßige Gesellen wirken, dann weil wir auch diesen Aspekt in den Vordergrund stellen wollen: Fokus auf das Positive anstatt sich an Negativität aufzuhängen und abzuarbeiten. Das machen andere zu Genüge und das ist vollkommen ok, denn es ist ihre Art und Weise, den Dampf abzulassen. Uns ist persönlich der positive Ausblick auf die Situation wichtig, weshalb die Texte einen nicht einfach mit einer Aussage wie “Hallo, ich habe Depressionen und das ist scheiße“ alleine lassen. Sie bieten in der Regel eine Auflösung, einen Ausblick oder eben einen Abschluss unserer Aufarbeitung. Wir versuchen stets den Fokus auf das Positive im Negativen zu lenken. Irgendwo ist immer eine Lehre oder Moral zu finden.
Als Rausschmeißer wird es mit „The Fire That Calls Me“ leicht episch mit sieben Minuten. War es da wegen dem Titel naheliegend, die Burning Witches Sängerin an Bord zu holen, oder wie kam es dazu?
Tatsächlich haben wir für die letzten Stücke, „Let the Fire Come“ und „The Fire That Calls Me“ Gastbeiträge eingeplant, weil beide Songs jeweils eine Art Zwiegespräch darstellen. Bernie hatte eigentlich eine befreundete Sängerin dafür angedacht, was sich dann allerdings kurzfristig verworfen hat. Bernie hat den “Gast”-Slot für “Let The Fire Come” auf unser Anraten hin selbst übernommen, weil er das in der Demo saumäßig stark hinbekommen hat und tatsächlich haben wir über Destructions Gitarristen Damir Eskic im Vorfeld schon Kontakt zu den Witches gehabt. Laura Guldemond hat also recht kurzfristig zugesagt, eine Mega-Performance abgeliefert, unseren Song gerettet und in seiner jetzigen Form erst möglich gemacht.
Der Hype um manche Acts aus dem Ausland empfinde ich als nervig. Deutscher Thrash Metal hat aber weltweit einen guten Namen, wie sind denn eure Erfahrungen als Undergroundband der letzten Jahre?
Deutscher Thrash geht anscheinend immer. Unsere Fans in England lassen uns das bei jedem Trip immer wieder spüren. Es scheint für sie wirklich was Besonderes zu sein. “No one does Thrash like the Germans do!” hat mir mal jemand bei einem Bier nach einer unserer Shows dort erzählt. Ob das jetzt an den holprigen Ansagen, dem unverkennbaren Akzent oder unserer viel gelobten deutschen Präzision und Effektivität liegt, kann ich nicht genau benennen. Ich freue mich jedenfalls, wenn unsere Art von Thrash-Metal anderswo gut aufgenommen wird und unsere Message ankommt.
Als Saarländer, westlichsten Zipfel der BRD hat man da gute Connections bezüglich Konzerte in den Benelux Länder, oder habt ihr es genauso schwer wie andere Bands?
Ich sag mal so: wir haben gute Connections zu den Lyoner-, Maggi- und Urpils-Dealern hier in der Gegend. Alles andere wird schon schwieriger. Ich würde sagen, dass wir es mindestens so schwer wie andere Bands haben. Bei uns im Saarland gibt es seit Jahren keine richtige Szene mehr. Das war vor 15 Jahren noch anders, aber es hat sich schwer ausgedünnt, was Locations und leider auch Bands angeht. Obendrauf sind die Preise für Konzertlocations in den letzten Jahren auch nicht billiger geworden. Die reine räumliche Nähe zu den Benelux-Ländern ist da leider auch kein Garant für Auftritte, weil ein wirkliches Netzwerk fehlt. Wir bekommen beispielsweise leichter zwei Shows in England an Land gezogen als zwei in Belgien oder den Niederlanden. Ab und an ergibt sich etwas, aber “leichter” ist es dadurch für uns leider nicht.