CASTRUM NIGRA / EHRENBURG bei BRODENBACH

Ort

Ehrenburg

Datum

19.- 20.06.2026

Bilder

Jennifer Merkt

 „Castrum Nigra 2026“: Schwarze Seele, historische Mauern und ein Neustart, der begeistert

Elf Jahre „Castrum Nigra“ – und auch nach einem Wechsel hinter den Kulissen zeigt das außergewöhnliche Festival auf der Ehrenburg eindrucksvoll, warum es längst Kultstatus in der Schwarzen Szene genießt. Zwischen uralten Gemäuern, pulsierenden Beats und sommerlicher Hitze wurde am vergangenen Wochenende wieder getanzt, gefeiert und das Wiedersehen mit alten Freunden zelebriert. Wer behauptet, Goths würden nur Regen mögen, wurde an diesem Wochenende eines Besseren belehrt.

Bereits im Vorfeld zeichnete sich ab, dass die Faszination der „Castrum Nigra“ ungebrochen ist. Beide Veranstaltungstage waren schon vor Festivalbeginn restlos ausverkauft. Entsprechend füllten sich Burghöfe, Gewölbekeller, Wehrgänge und Terrassen mit Gästen aus ganz Deutschland,  viele davon Stammgäste, die sich dieses Wochenende seit Jahren fest im Kalender markieren.

Ein Freitag zwischen Regentropfen und Gänsehaut

Der Auftakt am Freitagabend begann zunächst mit einem leicht skeptischen Blick gen Himmel. Wetter-Apps prophezeiten Unwetter, doch Petrus schien selbst Gefallen an dunkler Musik gefunden zu haben. Ein paar harmlose Schauer konnten der Stimmung nichts anhaben, das angekündigte Gewitter blieb aus und schon nach kurzer Zeit wurde wieder ausgelassen getanzt.

Ein besonders emotionaler Moment spielte sich kurz vor Veranstaltungsende ab. Festivalgründer Markus Rodemerk, vielen Besuchern besser bekannt als DJ MortaR, stand erneut hinter den Turntables. Obwohl die Castrum Nigra inzwischen in neuen Händen liegt, gehört er für viele untrennbar zur Geschichte des Festivals. Als am Ende spontaner Applaus aufbrandete, war schnell klar: Manche Verbindungen überdauern eben jeden Veranstalterwechsel.

Sechs Floors – sechs Welten

Am Samstag zeigte sich die Ehrenburg von ihrer wohl schönsten Seite. Strahlender Sonnenschein tauchte die mittelalterliche Anlage in ein fast unwirkliches Licht. Schwarze Kleidung bei über 30 Grad? Für die Besucher offenbar kein Problem. Corsagen, Samtmäntel, Lack, Leder und schwere Plateaustiefel trotzten tapfer der Hitze, schließlich leidet Stil manchmal eben ein wenig.

Die besondere Atmosphäre der Castrum Nigra entsteht seit jeher aus der Kombination zweier Welten: mittelalterliche Architektur trifft auf moderne Licht- und Lasertechnik, jahrhundertealte Gewölbe werden zu Tanzflächen und Burghöfe verwandeln sich in Open-Air-Clubs.

Musikalisch blieb kaum ein Wunsch offen. Insgesamt elf DJs sowie vier DJ-Teams sorgten auf sechs Floors für abwechslungsreiche Klangwelten, von Gothic Rock und Dark Wave über EBM, Industrial und Dark Electro bis hin zu Mittelalter, Folk und Neuer Deutscher Härte. Genau diese stilistische Vielfalt macht die Castrum Nigra seit Jahren so besonders: Hier begegnen sich Szenegänger unterschiedlichster Vorlieben, ohne dass sich jemand fehl am Platz fühlen muss.

Wer zwischendurch eine Pause vom Tanzen brauchte, konnte durch die Händlermeile schlendern, Lesungen besuchen oder einfach auf einer der Terrassen den Blick über das Moseltal genießen. Immer wieder entstanden dabei die typischen Festivalmomente: spontane Gespräche mit völlig Fremden, die sich nach wenigen Minuten anfühlen, als würde man sich seit Jahren kennen. Genau diese familiäre Atmosphäre hebt die Castrum Nigra von vielen größeren Veranstaltungen ab.

Neuer Veranstalter, vertrautes Gefühl

Erstmals wurde das Festival von der 1A Special Events GmbH organisiert. Für Silvia und Dirk sowie ihr Team bedeutete die Übernahme eines etablierten Szeneevents eine große Verantwortung. Entsprechend erleichtert und glücklich zeigten sie sich nach dem Wochenende über die positive Resonanz der Besucher. In ihren Dankesworten betonten sie ausdrücklich das Vertrauen von Markus Rodemerk, der sein langjähriges Herzensprojekt in ihre Hände gelegt hatte.

Natürlich verlief nicht alles vollkommen reibungslos. Einige Besucher wünschten sich kürzere Wartezeiten an einzelnen Punkten, eine etwas bessere Ausschilderung innerhalb der weitläufigen Burganlage sowie kleinere organisatorische Verbesserungen. Wirklich überraschend ist das allerdings kaum:  wer schon einmal versucht hat, sich nachts durch ein mittelalterliches Labyrinth aus Treppen, Türmen und Gewölben zu navigieren, weiß, dass selbst Google Maps hier vermutlich kapitulieren würde.

Ein Festival mit besonderem Charakter

Seit ihrer Premiere hat sich die Castrum Nigra zu einem festen Termin im Kalender der Schwarzen Szene entwickelt. Während viele Festivals auf große Bühnen und internationale Live-Acts setzen, lebt dieses Event vor allem von seinem einzigartigen Ambiente. Die Ehrenburg ist weit mehr als nur Veranstaltungsort – sie wird selbst Teil des Erlebnisses. Kaum ein anderer Ort verbindet mittelalterliche Geschichte so harmonisch mit elektronischen Beats und düsteren Klängen.

Am Ende bleibt deshalb vor allem ein Fazit: Der Neustart ist gelungen. Die „Castrum Nigra“ hat eindrucksvoll gezeigt, dass ihre Seele erhalten geblieben ist. Die Mischung aus familiärer Atmosphäre, musikalischer Vielfalt und der einzigartigen Kulisse der Ehrenburg begeistert weiterhin alte Stammgäste ebenso wie zahlreiche Neulinge.

Und spätestens als am frühen Sonntagmorgen die letzten Beats zwischen den alten Burgmauern verklangen, dürfte für viele Besucher bereits festgestanden haben: Im nächsten Jahr sehen wir uns wieder.

Farbe egal: Hauptsache: schwarz!
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