LAZY BONES 2022 / GRÜNSPAN, HAMBURG

Billing

Color Haze, 1000Mods, My Sleeping Karma, Wo Fat, Monkey3, Lucid Void

Ort

Hamburg, Grünspan

Datum

30.07.2022

Bilder

Marc Schallmaier

Irgendwie ging der Event „Lazy Bones“ trotz seines starken Billings fast komplett an mir vorbei. Buchstäblich in letzter Sekunde wurde ich darauf aufmerksam und so ergatterte ich noch einen Pressezugang inklusive Fotopass für den Samstag. Den Freitag, und somit Bands wie WITCH, KING BUFFALO und VALLEY OF THE SUN hatte ich somit verpasst. Also machen wir das Beste daraus und konzentrieren uns auf den zweiten Tag des Events!

LUCID VOID

Wie immer bin ich eigentlich zu spät, und laut Plan hätte ich LUCID VOID verpasst. Aber als ich das Grünspan betrete (und gerade Pause sein sollte), höre ich recht ordentliche Musik aus der Anlage. Ein paar kurze Fragen später bin ich dann auch schlauer, und es gibt eine Verzögerung von rund einer Dreiviertelstunde im gesamten Zeitplan. Somit komme ich noch in den Genuss von einigen Songs des Quartetts aus Darmstadt, die ihren Stoner Rock mit satten psychedelischen Elementen anreichern.
Im Grünspan an sich ist zu dieser Nachmittagszeit noch nicht viel los, was wohl weniger an der Mucke von LUCID VOID liegt. Die Sonne scheint ohne Ende und es gibt zahlreiche andere Veranstaltungen an diesem Samstag in Hamburg. Und da ich mit dem Material der Band absolut Null vertraut bin, kann ich da auch leider keine weiteren Details zu liefern.

MONKEY3

Nicht ganz so unbekannt wie LUCID VOID sind MONKEY3 für mich, auch wenn wir hier über Nuancen sprechen. Die Schweizer sind schon etwas länger im Geschäft und haben (wenn ich mich nicht irre) an die 6 Alben veröffentlicht. Man geht ohne Sänger ans Werk, dafür aber etwas Gitarren-lastiger, was gerade zu Beginn der Show einen ziemlichen Drive versprüht. Und die Band versteht es gut, mit dem Publikum, was nun auch etwas zahlreicher vorhanden ist, zu kommunizieren. Das klingt in erster Linie vielleicht komisch, aber einfach mal die Leute in den ersten Reihen direkt anschauen, lächeln, aufmunterndes zunicken oder animieren reicht da meistens schon. Ich komme später darauf zurück, dass es auch anders kommen kann.
Während des Auftritts verlieren die Songs für meinen Geschmack aber etwas zu sehr an Wucht, die ruhigen Passagen nehmen Überhand und nicht immer kann der Bass und/oder das Keyboard die Alleingänge der Gitarre auffangen. Nichtsdestotrotz ein gelungener Auftritt von MONKEY3!

WO FAT

Ähnlich lang wie MONKEY3 sind die Amerikaner von WO FAT am Start und können auf ein Dutzend veröffentlichter Scheiben zurückgreifen. Anstatt eines Keyboards gibt es aber bei dem Quartett aus Dallas eine zweite Gitarre, und das macht sich bei den folgenden Songs umgehend bemerkbar. „The Black Code“ oder auch „Orphans Of The Singe“ drücken gewaltig aus den Boxen und die Riffs sägen sich in die Gehörgänge. Immer wieder schimmern die allmächtigen KYUSS bei den einzelnen Stücken hervor. Die Fußabdrücke, die diese Band hinterlassen hat, werden aber wohl nie wieder ausgefüllt werden. Denn auch wenn WO FAT gerade zu Beginn mächtig Gas geben, flachen die Songs zum Ende hin leider ab, was dazu führt dass sich einige Besucher nochmal nach draußen in die Abenddämmerung setzen und das herrliche Wetter genießen. Auch Frontmann und Gitarrist Kent Stump ist irgendwie nicht gut bei Stimme, hin und wieder kippt sein Gesang um und hinterlässt keinen guten Eindruck. Am Ende kann man sagen dass die Band ihre Fans bedient hat, neue Zuhörer wird sie aber wohl eher am heutigen Tag nicht gewonnen haben.

MY SLEEPING KARMA

Auf diesen Moment habe ich mich sehr lange gefreut! MY SLEEPING KARMA endlich wieder live auf der Bühne sehen!
Nach dem Auftritt 2019 beim Hellfest in Frankreich wurde es plötzlich sehr still um das Quartett aus Aschaffenburg. Erst viel später wurde bekannt, dass Schlagzeuger Steffen Weigand an Krebs erkrankt war und umgehend in Behandlung musste. Damals war überhaupt nicht klar, ob es jemals wieder Konzerte geben, neues Material erscheinen oder die Band überhaupt weiter existieren würde. Was aber ja auch total nebensächlich ist bei einer solch ernsthaften Erkrankung. Erst 2020, mitten im Corona Wahnsinn, kam dann die Meldung dass alles gut gegangen war und die Band wieder zusammen fand. Und im Jahr 2021 gab es wieder erste Konzerte sowie die News, dass neues Material unterwegs sei!
Das ich mit dieser Freude nicht der Einzige bin, sieht man im proppenvollen Grünspan und zahlreichen erwartungsvollen Gesichtern.
Als MY SLEEPING KARMA loslegen gibt es kein Halten mehr. Wirklich jeder im Grünspan wippt irgendwie mit, und sei es lediglich mit dem Fuss. Die Begeisterung lässt dann auch die Grenzen verschwimmen, denn von Song zu Song wächst die Spielfreude bei der Band. Da wird gelacht, kleinere Faxen gemacht und immer wieder selig lächelnd ins Publikum geschaut oder angefeuert. Bassist Matthias drückt dann auch mehrfach aus, wie viel Spaß die Truppe hat und einfach nur dankbar über jeden Zuschauer ist. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass der Video Clip zum neuen Song „Prema“ bereits zu „Ephedra“ abgespielt wird, und dann einfach nochmal läuft. Alle nehmen es mit Humor, und es ist für MY SLEEPING KARMA ein einziger Triumphzug.
Das ist dann auch mein einziger Kritikpunkt an diesem Auftritt. Das der Übersong „Ephedra“ schon als viertes Lied gespielt wird, wo ich gerade den Bier Nachschub organisiere, geht gar nicht!

1000MODS

Die Griechen von 1000MODS haben vor exakt 2 Monaten hier schon einmal gespielt. Das Grünspan bleibt gut gefüllt, obwohl der heimliche Headliner MY SLEEPING KARMA gerade gespielt hat. Dass das Quartett aus Chillomodi ein angesagtes Ding ist wollen viele noch einmal selber hören uns sehen. Und vieles hat sich nicht geändert: es ist wieder unerträglich laut zum Beispiel. War auch vorher schon die Lautstärke amtlich aber absolut noch im grünen Bereich, so drehen 1000MODS voll auf. Es ist nicht ganz so schlimm wie vor 8 Wochen, aber wieder gehen viele (schöne!) Details in den Songs flöten. Die Setlist musste natürlich gekürzt werden, aber Klassiker wie „So Many Days“ und „Super Van Vacation“ dürfen selbstverständlich nicht fehlen.
Auch weiterhin braucht es eine zeitlang bis die Südeuropäer auftauen und etwas aus sich herauskommen.
Ich bleibe dabei: 1000MODS werden in den nächsten 2 Jahren noch richtig durchstarten!

COLOUR HAZE

Mein letztes Zusammentreffen mit der deutschen Band COLOUR HAZE ist schon ein paar Jahre her, aber die Erinnerungen die ich an diesen Abend habe sind nicht wirklich die Besten. Und mit einer eher zweifelhaften Einstellung dem Headliner des heutigen Abends gegenüber bin ich anscheinend nicht alleine. Es war den ganzen Tag/Abend eigentlich schon so, dass während der Umbaupausen nahezu alle Zuschauer das Grünspan verließen und diesen wirklich schönen Sommer Tag/Abend bzw. die Sommer Nacht zu genießen. Zur nächsten Band war man dann wieder vor der Bühne, und es war immer voller als vorher.
Bei der Psychedelic/Stoner Rock Institution aus München ist dies nun aber nicht der Fall und das Grünspan hat sich doch ein wenig geleert. Das mag an der mitunter extrem langen Umbaupause liegen, in der wirklich jedes auf der Bühne aufgestellte Instrument sich einen Test unterziehen muss. Vielleicht liegt es aber auch der eher progressiven Musik die COLOUR HAZE vom Stapel lassen. Stand auch schon bei den vorherigen Bands die technischen Fertigkeiten gelegentlich mal im Vordergrund, so setzen COLOUR HAZE komplett auf dieses Pferd. Das unterstreicht auch der Umstand, dass sich die Musiker öfter anschauen als ins Publikum blicken. Passend dazu ist das Schlagzeug auch seitlich aufgebaut, was auf der einen Seite als Zuschauer eine ungewohnte Perspektive ist, der Kommunikation zwischen Band und Zuschauern aber eher abträglich ist. Was ich schon bei MONKEY3 ansprach (siehe oben), die Kommunikation mit dem Publikum, und von allen anderen Bands auch umgesetzt wurde (instrumental oder mit Sänger), wird von COLOUR HAZE nahezu komplett ignoriert.
Und so friemelt sich das Quartett durch sehr lange Songs wie „Aquamaria“ oder auch „Tempel“, die an der 10 Minuten Grenze kratzen und für mich auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht bin ich für derartige Fertigkeiten auch zu einfach gestrickt. Dass die Herren absolute Könner an Ihren Instrumenten sind, ist unbestritten. Und es gibt auch genug Leute im Publikum die dass feiern und sich freuen. Für mich persönlich ist aber leider nichts, sorry.

Not everyone likes Metal - Fuck them!!!