Rage – zu viert bei Album 26!

Wer in der Pandemie mit neuen Gitarristen eines der besten Alben seiner Karriere bastelt hat gut lachen, so auch der immer freundliche Rage Mastermind Peter „Peavy“ Wagner der einfach gute Laune hat um über sein unglaubliches 26. (!) Album „Resurrection Day“ zu sprechen!

„Resurrection Day“ erscheint nun ja mit einem neuen Line-Up! Kannst du uns mal erklären wie es dazu gekommen ist? Marcos Rodriguez ist ja für viele überraschend ausgestiegen!

Das kam für uns alle überraschend! Wir haben uns auch nicht gezofft oder so. Er hatte seine privaten Gründe und ich habe ihm auch versprochen, dass wir das aus der Öffentlichkeit heraushalten. Für ihn ist das am Schlimmsten das er seinen Traum mit der Musik aufgeben musste. Wir sind immer noch Freunde.  Das wir jetzt ein vierer Line-Up haben war schon früher mein Gedanke. Eigentlich wollte ich den Stefan dazu holen der dann mit Marcos zusammengespielt hätte. Dann haben wir den Jean dazu geholt. Der kommt ja auch aus der Gegend – Duisburg, Stefan ist aus Wuppertal. Das ist ja alles nicht weit weg von dem wo ich wohne. So hat sich das ergeben.

Klingt gut, den Namen der Scheibe „Resurrection Day“ darf ich aber nicht auf die Band Rage beziehen, oder? Ihr standet ja noch gut im Saft finde ich

Das ist reine lyrische Sache. Die Titel und die Textideen hatte ich schon zu den „Wings Of Rage“ Zeiten. Ich hatte da ne sehr gute Phase und dies dem Marcos und Lucky vorgestellt. Da hat noch keiner an ein neues Line-Up oder diese scheiß Pandemie gedacht! Ich hatte den Titelsong auch schon fertig und den Anderen schon vorgestellt. Nach dem wir im Februar den ersten Teil der „Wings“ Tournee absolviert haben kam die Pandemie und der Lockdown, sowie die Sache mit Marcos. Da hatten wir dann eine frische Band danach und haben uns einfach auf neue Musik und das neue Album gestürzt, wie das viele Bands in der Zeit gemacht haben. Sonst wäre das neue Album auch nicht fertig gewesen, es kommt ja nur 1,5 Jahre nach dem letzten heraus! Wir haben uns da auch keinen Stress gemacht und recht schnell 15.16 Lieder zusammen, was wir bei SPV erwähnt haben und die meinten auch, macht das so. Wir wissen auch nicht wie das mit den Touren weitergeht. Wir haben zum dritten Mal die Tournee verschoben, November und Dezember geht es ja wieder los. Aber man weiß ja nicht was noch kommt, wir haben schon so oft gedacht es geht wieder los und dann ist nichts daraus geworden! Da sind quasi zwei Jahre unseres Lebens die wir da quasi verloren haben.

Immerhin habt ihr das Beste aus der Sache gemacht und eine tolle Scheibe fertig gestellt.

Ja, das Arbeiten ohne Druck war dann doch wieder toll! Wir hatten dabei auch viel Spaß und die beiden neuen Jungs haben sich toll eingebracht und auch unser Drummer Lucky hat zum ersten Mal was mitgeschrieben bei paar Liedern. Ich bin absolut happy mit dem Album und es repräsentiert alle Stile oder wie sagt man Trademarks von Rage. Ich muss auch gestehen, dass ich seit Jahren was Songwriting betrifft wieder von der Muße geküsst bin und mir dauernd neue Lieder einfallen.

Das klingt wirklich alles recht frisch, knackig und ist für mich eine Mischung aus „Black In Mind“ und dem „Ghosts“ Album!

Ja, dieses Mal haben wir auch nicht selber rumgewurschtelt, sondern unseren spanischen Dirigenten zur Hilfe geholt!  2019 haben wir die „13“ komplett gespielt auf Festivals wie dem „Wacken Open Air“ und da hatten wir Orchester dabei. Der Dirigent aus Madrid, Pepe Herrero ist ein ganz begnadeter Musiker! Ich weiß nicht ob der bei Metalfans bekannt ist, er hat auch eine Band, ist sonst aber eher im Pop und Klassikbereich zu Hause. Der ist auch Riesenrage Fan, sagte uns durch die „13“ sei er erst zur Klassik gekommen und hat uns für einen echt guten Preis ein paar Orchestrierungen geschrieben. Da sind nicht nur paar Geigenspuren, das ist richtig Klassik mit Musikern und toll aufgenommen. Da sind wir richtig stolz drauf das wieder in solch einem Niveau dabeihaben!

Allgemein seid ihr aber breit aufgestellt, da gibt es thrashige Parts, wie „Arrogance & Ignorance“ und diese typischen melodiösen Peavy Wagner Refrains. Wo ich immer denke, das hat der Peavy ganz sicher geschrieben!

Absolut! Diese ganzen Songteile wo die Melodien stattfinden ist immer von mir, um die Riffs sorgen sich die Gitarristen, wobei auch ich mal ein Lied wie „Resurrection Day“ komplett allein geschrieben habe! Aber zum Beispiel „Virginity“ ist eine schöne Teamarbeit zwischen mir, Jean und Stefan geworden. Stefan kommt da mit ein paar sehr schrägen, fast schon Slayer-artigen Riffs daher, die Jean ich und ich nicht könnten. Das ergänzt sich aber toll mit den typischen Rage Trademarks. Das Spannungsfeld zwischen thrashigen Parts und diesen eingängigen Refrains und Melodien.

Bei einer Nummer wie „Travelers In Time“ muss ich jedoch besonders an die „Ghosts“ Scheibe denken, war das beabsichtigt?

Das freut mich dass du an diese Scheibe denkst. Die ist meiner Meinung etwas unterbewertet, obwohl die Verkäufe ja gar nicht so schlecht waren. Damals ist mir ja die komplette Band weggelaufen und Victor Smolski habe ich als Studiogitarrist dann engagiert um das Album fertig zu stellen! Ich hätte dem Album damals ein festes Line-Up gewünscht. Obwohl der eigentliche Song aus dieser Phase ist „Black Room“ der ist auch auf dem Album 1998 habe ich den geschrieben. Der kam aber nicht mehr auf das Album. Da hat der Stefan noch was weiterentwickelt, der ist 22 Jahre nicht richtig fertig geworden. Wir haben schon davor auf der „Winds of Rage“ überlegt wie wir den fertig bekommen, es ist uns aber auch nicht eingefallen wie wir den fertig bekommen. Von dem Song gibt es bestimmt fünf Demoversionen. Ich habe es immer vor mich hergeschoben! „Traveling Through Time“ ist auch ein sehr interessanter Song. Für mich ist das ein bisschen das Experiment des Albums! Ich habe mich von einer Komposition aus der Renaissance inspirieren lassen. Der Komponist heißt Giorgio Mainero. Der war eigentlich Kirchenmusiker. Das Bekannteste von dem ist noch so ein Tanzzyklus. Da habe ich mich auch inspirieren lassen von, das ist eine ganz bekannte Melodie. Ich habe auch von einem anderen Komponisten mal gehört aus der heutigen Zeit das dieser Mainero der Dieter Bohlen der Renaissance sei (lacht). Der habe halt ein paar schmissige Themen bei denen man auch an Renaissance denken muss. Ich habe dieses Thema auch mal ab und zu auf der klassischen Akustikgitarre die ich früher ja mal gelernt habe gespielt. Das habe ich dem Jean mal vorgesielt und das mit den Jahren um ein paar zusätzliche Melodien erweitert. Der fand die Idee klasse und wir haben das dann gemacht über Skype / Internet halt. Der hat das irgendwie falsch verstanden und das Thema anders umgesetzt was ich dann noch besser als meine Idee fand und wir ließen es dann so! Später hat der Pepe Herrero dann noch die Orchestrierung drüber gemacht, so dass es diesen alten Touch ergab. Das in den Kombinationen mit der harten Energie dabei finde ich echt gut.

Mir ist aufgefallen, dass alle 11 Lieder sehr knackig, kurz und nicht in epischer Länge daherkommen. War das bewusst ohne 10 Minuten Songs?

Das hat sich im Grunde so ergeben! Wir haben uns da keine Längen gesetzt. Das kam vielleicht von der Arbeitsweise her. Wenn wir uns mehr gesehen hätten in Natura wäre vielleicht noch mehr Zeug dazu gebastelt worden. So über das Internet haben wir es bei den Grundideen belassen!

Das war vielleicht auch besser so!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)