Mentalist – drücken aufs Tempo!

Erst vor einem Jahr erschien das Debüt „Freedom Of Speech“ der Power Metal Band Mentalist, die ihr Bandcamp in der saarländischen Hauptstadt aufgeschlagen hat. Da verwundert es doch ein wenig, dass jetzt mit „Journey Into The Unknown“ schon der Nachfolger in den Startlöchern steht. Drummer Thomas „Thomen“ Stauch, ehemaliges und langjähriges Blind Guardian-Mitglied, erklärt unserer Leserschaft höchst motiviert unter anderem auch, warum diese kurze Zeit ausreichte, um ein zweites Album zu reaslisieren.

Hallo Thomen, das ging ja richtig flott mit dem Nachfolger von „Freedom Of Speech“! Lag das vornehmlich an den vielen guten Kritiken oder war es der Pandemie geschuldet?

Ich denke das war eine Mischung aus beiden. Klar gab es wegen Corona andere Voraussetzungen, allein schon, weil man ja mit dem Album nicht auf Tour gehen konnte. Aber es stimmt, für ein Debütalbum waren die Reaktionen mehr als gut, was doch ein Stück weit überraschend kam. Dementsprechend wollten wir direkt nachlegen. Auf die faule Haut legen war keine Option. Ich weiß, das sagt bestimmt jeder Musiker, aber nach meiner Meinung haben wir jetzt mit dem zweiten Album eine ordentliche Schippe an Qualität draufgepackt.

Was sind denn deiner Meinung nach die größten Unterschiede gegenüber eurem Debüt?

Wir sind ja stilistisch sehr von Blind Guardian, Helloween und Maiden geprägt, schließlich habe ich eine sehr lange Zeit bei einer dieser Bands gespielt, haha! Das hat man uns beim ersten Album auch allerseits bestätigt und stimmt auch, wofür wir uns in keiner Weise schämen, und seien wir mal ehrlich, wir sind doch alle mit Bands wie Maiden oder Helloween groß geworden, oder? Aber alle, die das neue Album schon gehört haben bestätigen uns, dass es ist nicht nur eigenständiger, sondern schneller, härter und noch melodischer ist! Ich von meiner Seite aus kann das nur bestätigen, ich stehe zu einhundert Prozent hinter „Journey Into The Unknown“ und bin megastolz auf die Platte!

Ich habe mich fast nicht getraut auf das Thema Blind Guardian zu sprechen zu kommen, aber du hast es eben ja selbst erwähnt. Ich dachte, es nervt dich vielleicht, immer wieder auf diese großartige Band angesprochen zu werden, schließlich hast du auch bei vielen anderen Gruppen getrommelt, wie etwa bei Iron Savior oder Savage Circus.

Ach ehrlich, das ist doch Quatsch! Ich habe damals als Junge mit noch nicht mal vierzehn Jahren das erste Demo mit den Jungs aufgenommen und mit siebzehn Jahren das erste Album eingetrommelt. Dann habe ich fast zwanzig Jahre in dieser Band verbracht und bin durch die ganze Welt getourt, das hat mich doch als Musiker geprägt. Wer wäre ich denn, wenn ich sagen würde, dass ich mit Blind Guardian nichts mehr zu tun haben wollte? Um Gottes Willen, das hat mich doch zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin und ehrlich gesagt, macht mich das sogar ein Stück weit stolz. Ich würde die Zeit nie verleugnen, egal was damals vorgefallen ist. Jeder hat bei der Trennung Fehler gemacht, ich habe mich sogar schon mit Hansi und André mittlerweile lange darüber unterhalten. Sagen wir mal so, es ist damals alles zu heiß gekocht geworden und wir haben den Weg nicht mehr zurückgefunden. Und mit Fred haben sie auch einen sehr geilen Drummer, der stilistisch zwar völlig anders ist als ich, zu der heutigen Musik von Guardian aber viel besser passt.

Coole Einstellung! Kommen wir zu Mentalist zurück. In den Credits ist mit Basser Mike LePond von Symphony X ein großer Name aufgeführt. Was ist mit Florian Hertel, der beim Debüt noch mit dabei war?

„Ja, Florian ist zwischendurch Papa geworden, wobei es ein paar leichte Schwierigkeiten bei der Geburt gekommen ist. Da er, was auch absolut nachvollziehbar ist, es zeitlich nicht geschafft hat, hatten wir das Glück, dass Mike LePond als Gast die neuen Songs eingespielt hat. Klar, er lebt in den USA und wir wissen auch, wenn es zu Live-Auftritten kommen wird, er uns nicht zur Verfügung stehen wird. Aber wir können ja zurzeit noch nichts fest einplanen und so fahren wir bei der Umsetzung etwas auf Sicht. Wer weiß, vielleicht wird Florian dann bei Konzerten hin und wieder zur Verfügung stehen, aber wir können noch nichts planen.

Okay, nachvollziehbar. Wer schreibt denn die Musik bei Mentalist? Mit zwei Saarländern, einem Schweden und dir als Nordrhein-Westfale seid ihr ja ein wilder Haufen.

Das ist bei den Texten unterschiedlich bei uns. Den Titeltrack hat Rob zum Beispiel alleine geschrieben. Einige haben Peter und Kai zusammengeschrieben, auch ich durfte mich mal bei „Dentalist“ mit einbringen, übrigens ein total lustiger Song über einen durchgeknallten Zahnarzt! Der ist thematisch ein wenig an „Dr. Stein“ von Helloween angelehnt. Aber überwiegend macht das Peter, weil er meist eine Grundidee hat. Auch musikalisch ist es eine bunte Mischung aus Inputs von allen, wobei das meiste schon von Peter und Kai kommt. In der Vorbereitung zum neuen Album haben sich die beiden mal kurz für ein paar Wochen nach Sizilien abgesetzt, sich ein geiles Ferienhäuschen angemietet und ein gegenseitiges Songwriting gemacht, haha! Und wir wurden dann immer mal über Internet bedient und haben unseren Senf dazu beigetragen, also ganz normal in heutigen Zeiten.

Und trotzdem ist es insgesamt ein echtes Band-Album!?

Genau, wir haben uns schon im September letzten Jahres, also mitten in der zweiten Welle, für mehrere Tage in Saarbrücken beim Peter getroffen und an ersten Ideen gearbeitet. Wir haben die Zeit also wirklich sehr kreativ genutzt.

Ist der Titel „Journey Into The Unknown“ bezeichnend für die momentane Situation für euch? Schließlich ist die Delta-Variante zurzeit großes Thema und niemand weiß genau, wie es ab Herbst mit Konzerten aussieht.

Ach nein! Klar weiß ich, dass man viele Interpretationen in einen Titel legen kann, die aber gar nicht so gedacht sind. Manchmal sind es einfach auch blöde Zufälle. Also beim Song „Journey Into The Unknown“ geht es nur um das Gefühl der Freiheit und über die unvorhersehbaren Dinge auf der Reise in die Zukunft.

Und trotzdem ist der Mentalist auf dem, wieder einmal tollen Cover von Kult-Zeichner Andreas Marschall, ähnlich wie Eddie bei Iron Maiden, als Maskottchen ein wichtiges Augenmerk!?

Richtig! Er wird sich auch auf den folgenden Covern wiederfinden und soll sogar live eingebunden werden. Wir haben viele Ideen dahingehend und hoffen inständig, dass wir sie bald umsetzen können.

Dazu drücken wir euch alle Daumen! Gibt es noch etwas, was du unbedingt loswerden möchtest?

Ja, tatsächlich. Es wird diesmal ein hochwertiges, echt schönes und limitiertes Box-Set vom Album geben. Da liegen dann u.a. ein spannendes Mentalist-Würfel-Brettspiel, Bierdeckel, Plecs oder ein Flaschenöffner mit drin! Ich hoffe, dass sich unsere Fans darüber freuen werden!

Da gehen wir aber mal fest davon aus und drücken euch weiterhin fest die Daumen, vor allem, dass es jetzt recht bald wieder mit Konzerten vorangeht!

Die Melodie muss stimmen!