FULL FORCE FESTIVAL 2019

Billing

Parkway Drive, Arch Enemy, Behemoth, Ignite, Sick Of It All, Municipal Waste, Crowbar, Flogging Molly, Smoke Blow, Turnstile, At The Gates, Amorphis, Wolfheart, Zeal & Ardor, Whitechapel u.v.m.

Ort

Ferropolis, Gräfenhainichen

Datum

28.-30.06.2019

Bilder

Marc Schallmaier

Nach ein paar Jahren Pause besuchen wir von “MyRevelations” mal wieder das “Full Force Festival”. Früher hieß diese Veranstaltung immer “With Full Force”, und die Streichung des “With” hat wohl etwas mit dem Wechsel des Veranstalters zu tun. Naja, eigentlich auch nicht der Rede wert. Fans und Kenner wissen auch noch bei “Full Force Festival” was gemeint ist.
Das Wetter soll sehr gut und auch sehr heiß werden, so waren die letzten Infos bevor ich mich aus Hamburg auf den Weg machen. Natürlich mit einer grauen Wolkendecke, wie sich das so für Hamburg gehört. Aber schon bei der Fahrt klärt sich der Himmel auf und die Sonne gewinnt die Oberhand. Lag der Wetterbericht für die nächsten Tage wohl mal nicht daneben. Verkehrsmäßig ist alles super, die vielen angekündigten Staus wegen des Beginns der Sommerferien machen sich auf meiner Strecke nicht bemerkbar. Und so komme ich mehr als pünktlich an meiner Behausung in einem Städtchen namens Dessau an, dass so rund 20 Kilometer vom Festivalgelände liegt. Für Zelten bin ich einfach mittlerweile zu alt und zu bequem geworden.
Nach kurzem einchecken wird die Ausrüstung ein letztes Mal überprüft und ab geht es auf das Festival Gelände!

FREITAG

Die Location ist gut ausgeschildert und so erreiche ich zügig die aufgestellten Container wo ich meine Pressebändchen bekommen.
Im Anschluss lasse ich das Auto stehen denn es geht nur auf Schusters Rappen oder per Shuttle zum Gelände. An der Haltestelle warte ich gefühlt eine Minute, und schon kommt ein Personentransporter und sammelt mich und ein paar weitere Nasen ein. Während der Fahrt passiert man mehrere Camping Bereiche und wir kommen zügig an der Endstation an. Leider soll dass mit dem Shuttle Service nicht immer so reibungslos klappen, aber dazu später mehr.
Meine Kamera und ich dürfen auf das Gelände und ich bestaune zum ersten Mal das Areal von “Ferropolis”. Ein riesiges Freilichtmuseum des ehemaligen Tagebaus Golpa-Nord. Die riesigen Schaufelradbagger und anderen Kräne sind schon ein Hingucker. Aber auch sonst wurde viel dafür getan diesen industriellen Flair für das Festival zu kompensieren. Die Bühne wird flankiert von leeren Seefracht Container sowie einer Verkleidung, die suggerieren soll das alles aus diesen Container besteht. Sieht klasse aus. Auch eine große Bar wurde mittels dieser Container auf das Festival Gelände gepackt, die restlichen Futter-, Cocktail und Bierbuden fügen sich dem Bild ein.
Laut Info sollte der Pressebereich auf dem Gelände erst um 15.00 Uhr öffnen, was irgendwie ein wenig doof ist da schon ab 14.00 Uhr die ersten Band spielen soll und es noch Irritationen bezüglich der Fotogenehmigungen gibt. Aber beides löst sich in Wohlgefallen, denn der Pressebereich hat auch schon auf, und das mit dem finalen Fotopass ist auch schnell geklärt. Als Bonus gibt es im Pressebereich Mineralwasser für lau! Da kann sich so manch ein Veranstalter mal eine Scheibe von abschneiden! Weiterhin positiv fällt auf dass es Schließfächer gibt, und zwar reichlich für alle, und nicht nur 10. Einziger Wermutstropfen: es gibt keinen Getränkestand in diesem Bereich. Möchte man ein Bier trinken muss man sich dass auf dem Gelände holen und mitbringen. Lustigerweise gibt es im VIP Bereich (den ich mit meinem Presse Bändchen auch betreten darf) sehr wohl einen Tresen. Aber nun gut, für das Wasser sollte ich noch sehr dankbar sein.

LANDMVRKS

Kommen wir also gleich zur ersten Band, die sich auf “Hardbowl Tentstage” eingefunden hat. Wie der Name schon verrät handelt es sich hier um ein großes Zelt mit einer ordentlichen Bühne. Den Anfang machen die Franzosen von LANDMVRKS. Die Truppe ist mir nicht völlig unbekannt, und ich hatte sie als leicht progressiven Metalcore bei mir abgespeichert. Allerdings verzichten LANDMVRKS auf einige Gefrickel Einlagen und knallen den Leuten vor der Bühne einen amtlichen Mix aus Metalcore und Hardcore um die Ohren. Dieses zeigt sich sehr dankbar und bildet schon einmal einen großen Moshpit vor der Bühne. Die beiden Gitarristen Nico und Pauli sowie Bassist Rudy lassen sich nicht lumpen und sind ordentlich in Bewegung während des Auftritts. Lediglich Sänger Flo bleibt relativ statisch auf seinem 1 Meter Radius rund ums Mikro stehen. Und obwohl die Temperaturen draußen schon stramm auf die 30 Grad Celsius zugehen hat der Frontmann sogar noch einen Pulli an. Da LANDMVRKS erst die zweite Band an diesem Tag ist und kein Parallelprogramm läuft will ich die Publikumsreaktionen nich zu sehr an die große Glocke hängen, aber die Franzosen wurden für ihren Auftritt ordentlich und zu Recht abgefeiert.

BLEEDING THROUGH

Zum ersten Mal geht es nun für mich zur Mainstage, die den Namen “Mad Max” trägt. Im Grunde ein sehr großes Amphitheater, allerdings stehen da halt auch die Bagger und Kräne an den oberen Rändern und der asphaltierte Bereich bis zu den Treppen ist sehr weitläufig. Laut Quellen fasst dieses Rund an die 25.000 Leute. Eigentlich mag ich sowas, denn man kann von überall gut schauen, kann sich auch mal hinsetzen und der Sound ist traditionell etwas besser wie auF komplett freien Festival Bühnen. Nachteil an diesem Wochenende ist, dass der Asphalt sich extrem aufheizt und die Hitze richtig in diesem Rund steht. Der auffrischende Wind sorgt da nur für sehr wenig Zirkulation.
BLEEDING THROUGH eröffnen den stark Metalcore geprägten Reigen an diesem Tag. Nach ihrer Auszeit haben sich die Amerikaner wieder zusammengerauft und greifen nochmal an. Der etwas feinsinnigere Sound von BLEEDING THROUGH wird durch Keyboard Klänge unterstützt, was so ziemlich das einzig Positive an der Musik der Kapelle ist. Der Set zieht sich ziemlich und kann nicht wirklich die Massen vor der Bühne begeistern, dafür sind die Songs einfach  zu belanglos und austauschbar.
Noch blöder wird es durch die Tatsache, dass direkt am Bühnenrand ein Steg aufgebaut ist. Der gehört zur Ausstattung von PARKWAY DRIVE, die heute Headliner sind. Da die Bühne auch so schon verdammt hoch ist, müssen die Musiker bis ganz den Rand (oder eben auf diesen Steg) kommen, um überhaupt vom Publikum gesehen zu werden. Dafür können natürlich BLEEDING THROUGH nichts, aber alle Bands die auf der Mainstage spielen müssen damit klar kommen. Ein wenig unglücklich, wenn ich das so mal formulieren darf.
BLEEDING THROUGH prügeln sich 45 Minuten durch ihren Set und das gleißende Sonnenlicht. Richtig überzeugen kann aber nur die Sonne.

WOLFHEART

Die Finnen von WOLFHEART spielen auf der “Medusa Stage”. Diese liegt an einem Strandabschnitt schräg hinter der Hauptbühne. Ja, richtig gehört. Strand! Da liegt Sand, und man kann direkt in den See hüpfen, der sich fast komplett um Ferropolis befindet. Das tun auch so einige um sich auf diese Art und Weise abzukühlen. Eine ziemlich geniale Sache. Allein, WOLFHEART mit ihrem Melodic Death Metal und ihrer Schwermütigkeit passen nicht zu diesem Arrangement. Die Sonne brüllt, Menschen planschen im See, man steht barfuß im Sand…..eigentlich müsste jetzt “Like Ice In The Sunshine” ertönen und nicht “The Hunt”. So spielen die Finnen ihren Set recht unbeeindruckt aber kompromißlos runter, allerdings sieht wahre Spielfreude bei denen auch anders aus. Interessant ist die Tatsache, dass an der zweiten Gitarre niemand geringeres als Vagelis Karzis steht. Der Grieche zupft ja eigentlich den Bass bei ROTTING CHRIST, wird bei denen aber nicht mehr als offizielles Band Mitglied aufgeführt. Andererseits waren WOLFHEART schon immer das Baby von Frontmann und Gitarrist Tuomas Saukkonen, so dass es sich um einen ganz normalen Aushilfsjob gehandelt haben könnte.
Jedenfalls zocken WOLFHEART ihren Set runter und die Die Hard Fans sind hocherfreut.

ANY GIVEN DAY

Metalcore, die Nächsten bitte! ANY GIVEN DAY aus Gelsenkirchen haben die Ehre als zweite Band auf der Hauptbühne zu spielen. Allerdings nutzen sie ihre Chance nur bedingt, denn obwohl schon etwas mehr los ist im Publikum will der Funke nicht so richtig überspringen. Da helfen auch nicht die deutschen Ansagen oder Sprüche von Frontmann Dennis weiter. Bei ANY GIVEN DAY verzichtet man auf Keyboardklänge (zumindest live) und versucht sich eher an technisch anspruchsvollen Songs mit abrupten Breakdowns. Das ist aller Ehren wert und musikalisch einwandfrei umgesetzt, die Neugierigen oder Interessierten kann man nur bedingt damit abholen. Die Fans ist das schnuppe und Songs wie “Levels”, “Arise” oder auch “Savior” kräftig abgefeiert. Dass die Band darauf verzichtet das Cover von Rihanna’s Song “Diamonds” nicht mehr zu spielen kann ich durchaus nachvollziehen. Allerdings würde ich zu Bedenken geben, dass gerade bei einem kurzen Festivalauftritt, auf dem man auch zwangsläufig viele Leute ansprechen kann die NICHT wegen der Band selbst da sind, so ein Song Wunder wirken kann. Aber das müssen ANY GIVEN DAY mit sich selbst ausmachen. Schlußendlich kann man von einem guten Auftritt sprechen.

BLACK PEAKS

Eigentlich steht nun der Auftritt der Band BLACK PEAKS an. Allerdings gibt es ca. 30 Minuten vorher die Info, dass aus gesundheitlichen Gründen der Auftritt kurzfristig abgesagt werden muss. Das in dieser kurzen Zeit kein Ersatz aufgetrieben werden kann steht völlig außer Frage. Schade, aber die Gesundheit geht vor.

WHILE SHE SLEEPS

Weiter geht es auf der Hauptbühne mit den Briten von WHILE SHE SLEEPS. Im Gegensatz zu BLEEDING THORUGH und ANY GIVEN DAY ist jetzt schon etwas mehr vor der Bühne los. Sänger Lawrence Taylor, der trotz der brütenden Hitze noch zu Beginn seine Lederjacke anhat, ist ständig in Bewegung und animiert das Publikum mehrfach aus sich raus zu gehen. “You Are We” und “Anti-Social” sind die Standard Einstiegssongs bei WHILE SHE SLEEPS und heute ist das nicht anders. Aber auch bei den Jungs von der Insel machen sich Abnutzungserscheinungen über die gut 45 Minuten Laufzeit breit. In der Mitte des Sets stechen die Songs nicht so hervor wie zu Beginn und am Ende, denn die Rausschmeißer “Silence Speaks” und “Hurricane” sogen noch einmal für Bewegung bei allen Teilnehmern. Als Hingucker entpuppt sich auch das farbenfrohe und äußerst bunte Backdrop der Band. Ansonsten ein guter Auftritt mit ein paar kleinen Hängern.

MUNICIPAL WASTE

Der nächste Weg führt mich wieder zur Medusa Stage wo die Könige des Crossover/Thrash Metal gleich loslegen werden. Im Gegensatz zu WOLFHEART passt hier natürlich alles wie Arsch auf Eimer. Die Sonne scheint, die Mucke, der Sand zwischen den Füßen, der Badesee….okay, es ist ziemlich anstrengend auf Sand einen Circle Pit hinzulegen oder wild durch die Gegend zu pogen, nichtsdestotrotz haben die vielen Fans vor der Bühne einen Riesenspaß. Die Band steht dem in nichts nach und legt los wie die Feuerwehr. Der Einstieg direkt mit “Mind Eraser” und “Sadistic Magican” ist eine klar Ansage. Leider gibt es direkt bei den ersten Songs massive Soundprobleme. Immer wenn Drummer Dave Witte die Doublebass auspackt, kann alles andere einpacken. Das Schlagzeug ist so übersteuert und viel zu laut, dass wirklich alles untergeht. Glücklicherweise bekommen die Jungs an den Reglern das Problem zügig in den Griff. Frontmann Tony Foresta brüllt sich derart die Seele aus dem Leib, dass er schon nach dem vierten Song seine Ansagen und Sprüche nur noch in krächzender Form heraus bekommt.
Auch egal, die Mucke passt, und Klassiker wie “Unleash The Bastards” oder “Born To Party” zünden genau so wie neuere Kracher á la “Breathe Grease”. Bis auf die Soundprobleme ein großartiger Spaß.

SICK OF IT ALL

Die Hauptbühne gehört nun den New Yorkern von SICK OF IT ALL. Bin ich schon jemals von den Hardcore Veteranen live enttäuscht worden? Nein. Sollte es heute anders sein? Ebenfalls ein klares Nein! Der niemals alternde Sänger Lou Koller hat von den ersten Takten an  die Meute vor der Bühne fest im Griff, singt immer noch so hasserfüllt wie auf ihrer Debüt Scheibe “Blood, Sweat And No Tears”, und springt herum wie ein Flummi. Sein Bruder Pete an der Gitarre steht dem in Nichts nach. Auch er rennt, hüpft und springt durch die Gegend als ob es kein Morgen mehr gibt. Ich beneide den Mann um seine Bänder und Sprunggelenke. In der prallen Sonne verfehlen die sozialkritischen und politischen Texte auch nicht ihre Wirkung. SICK OF IT ALL stehen eben genau für das sowie für Hardcore der ursprünglichsten Sorte. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist die etwas maue Auswahl von Songs vom letzten Album. Anstelle von den eher schwächeren Songs wie “Inner Vision” oder auch “The Snake (Break Free)” hätte ich gerne “Bulls Anthem” gehört. Aber okay, man kann nicht alles haben. Und da der Set mit den drei Hymnen “Uprising Nation”, “Scratch The Surface” und “Step Down” beendet wird, bin auch wieder in höchstem Maße zufrieden.

NAPALM DEATH

Wie heißt es so schön bei Monty Python? “And Now For Something Completely Different”. Einer der Urväter des Grindcore macht sich auf der Zeltbühne startklar. Sechzehn Songs in 45 Minuten? Für das Quartett aus Birmingham kein Problem. Und so stoisch wie sich Shane Embury am Bass und John Cooke an der Gitarre nicht bewegen, ist Frontmann Barney das genaue Gegenteil. Der Mann steht nicht eine Sekunde still, rennt im Kreis, hüpft dabei leicht, brüllt ins Mikrophon und wedelt mit Armen dass ich auch nicht weiss ob ich das unterhaltsam oder besorgniserregend halten soll. Es gehört einfach dazu, genauso wie die Ansagen zwischen den Songs, in denen Barney seine Intentionen für die….ähem, “Texte” darlegt.
Das Zelt ist zwar gut gefüllt, dass eher Metalcore/Hardcore-lastige Publikum ist aber mehr neugierig als enthusiastisch bei der Show dabei. Lediglich in den ersten Reihen finden sich einige die ihre Köpfe schütteln und Fäuste recken. Mit den Klassikern “Nazi Punks Fuck Off” und “Siege Of Power” geht der Set dann zu Ende. Ein Auftritt von NAPALM DEATH finde ich fast immer interessant, mein Grindcore Bedarf ist dann aber auch für ein paar Monate gedeckt.

BEHEMOTH

Der Co-Headliner am heutigen Tag sind die Satansbraten von BEHEMOTH. Ähnlich wie bei NAPALM DEATH bin ich mir sicher, dass so einige aus purer Neugier vor der Bühne stehen. Andererseits muss man aber auch das Argument bringen, dass BEHEMOTH über eine breite Akzeptanz in der Metal Welt verfügen. So ist zum ersten Mal am heutigen Tag der Vorplatz vor der “Mad Max Stage” ordentlich besucht und bleibt auch während des Auftritt der Polen gut gefüllt.
BEHEMOTH haben eine neue Show, das wurde schon bei den Club Konzerten zu Beginn des Jahres entsprechend kolportiert, und nun bekommt auch das Festival Publikum diese vorgeführt. Die neuen schwarzen “Totenmasken” mit den Kapuzen sind jetzt nicht wirklich originell, ein Hingucker ist es aber allemal. Nach dem ersten Song “Solve” verschwinden diese aber schon wieder und es erscheint die bekannte Bemalung der Herren Nergal, Seth, Orion und Inferno. Auch mit Feuer und Co2 Jets wird nicht gespart, bei jedem dritten Song geht es eigentlich rund. Zwei dieser Co2 Jets haben BEHEMOTH so platziert, dass ihre Rauchsäulen ein umgedrehtes Kreuz ergeben. Hat was.
Auch kommt Frontmann Nergal bei dem Song “Bartzabel” mit einem großen Hut auf dem Kopf auf die Bühne, der dezent an Kopfbedeckungen aus der babylonischen Epoche erinnert.
Nur knapp 50 Minuten Spielzeit hat die Kapelle und so gibt es keinerlei Schnickschnack sondern ein Hit nach dem Nächsten. Der Schwerpunkt liegt dabei immer noch auf den Songs vom letzten Album “I Love You At Your Darkest”. Aber natürlich haben Klassiker wie “Ov Fire And The Void” und “Lucifer” immer einen Platz auf der Setlist. BEHEMOTH werden ihrem heutigen Stellenwert gerecht und liefern einen starken Auftritt ab.

PARKWAY DRIVE

Das PARKWAY DRIVE wieder als Headliner verpflichtet wurden sorgte im Vorfeld des Full Force Festivals für einige Irritationen. Schließlich waren die Australier schon 2018 zusammen mit BULLET FOR MY VALENTINE und JUDAS PRIEST dazu berufen, die letzte Band auf der großen Bühne zu sein. Natürlich könnte man jetzt argumentieren dass PARKWAY DRIVE immer noch das Maß aller Dinge im Metalcore sind. Das sie in diesem Jahr auf nahezu jedem größeren Festival in Europa spielen sollte man vielleicht auch nicht ganz außer Acht lassen.
Nun ja, nicht jeder Zuschauer ist mit dieser Entscheidung einverstanden und so machen sich doch einige auf den Weg ins Zelt oder verlustieren sich an einer der Getränke Buden.
Als es dann losgeht sehen wir zuerst auf den Leinwänden neben der Bühne einen kleinen Film. PARKWAY DRIVE Frontmann Winstom McCall ist in einem Gefährt oder sowas ähnlichem zu sehen. Das Bild wird künstlich mit Störungen versehen so dass es nicht völlig klar ist was da gerade abläuft. Als er sein Gefährt verlässt warten bereits einige Gestalten mit Fackeln auf ihn. Diese eskortieren ihn dann, während die Kamera nur ein besseres Bild abliefert und auch die Störungen ausbleiben. Als plötzlich auch die Hintergründe im Film zu sehen sind, gibt es eine große Überraschung, denn die Übertragung ist live! Schon wenige Sekunden später sieht man die vier Fackelträger mit dem Sänger in der Mitte wie sie sich den Weg durchs Publikum bahnen um auf die Bühne zu kommen. Am Gitter anzukommen klettern die Musiker, die ebenfalls in dieser Eskorte waren, mit Hilfe der Security dann auf die Mad Max Stage und schon ist der Jubel groß.
Die Herren nehmen ihre Stellungen ein und schon geht es mit “Wishing Wells” los. Die Songs des letzten Albums “Reverence” sind der Schwerpunkt der Setlist und so geht es mit “Prey” auch gleich gut weiter. Zweiter Fokus liegt auf dem vorletzten Album “Ire”.
PARKWAY DRIVE liefern eigentlich eine Headliner-würdige Show ab, mit vielen Pyro- und Knalleffekten. Allerdings ist mir dass ein klein wenig zu durchgestylt. Auch die Ansagen von Frontmann Will klingen nicht so als hätte er sich etwas besonderes ausgedacht sondern wiederholt diese Sprüche an jedem Abend aufs neue. Und als man mir mitteilt, dass lediglich ein Song (“Shadow Boxing”) zum Auftritt von 2018 ausgetauscht worden ist, muss ich meinen guten Eindruck von PARKWAY DRIVE noch einmal überdenken.
Natürlich feiern die Fans ihre Band ab, aber auch diese sollten darüber nachdenken, dass sie am Ende nur einen warmen Aufguss des Auftritts von vor einem Jahr bekommen haben. Und dass wiederum ist eines Headliners eben nicht würdig.

Wie viele andere begebe ich mich nach dem Auftritt von PARKWAY DRIVE zu der Bushaltestelle für den Shuttle Service. Allerdings gib es verschiedene Haltestellen und auch Busse wie ich über die Tage lernen darf. Wer dabei wo lang fährt und auch anhält habe ich allerdings immer noch nicht verstanden. So stehe ich an der Haltestelle für VIP und Presse. Knapp 200 Meter vor mir an der Strasse und hinter einer Kurve ist eine Haltestelle für “normale” Gäste. Hier kommen und fahren Busse und schaffen die Leute zu ihren Zelten, dass kann man von meinem Standpunkt aus gut sehen anhand der Beleuchtung der Busse. Dass bei meiner Haltestelle schon ein ziemlich Menge an Leuten wartet und nicht wirklich gut drauf ist entgeht mir am Anfang. Erst als mehrere Kollegen die beiden Securities auf der anderen Strassenseite fragen, wann denn endlich mal ein Bus kommt, ahne ich Übles. Die Leute hier warten schon eine ganze Weile auf einen Bus, und die ersten machen sich auch bereits zu Fuss auf den Weg, als endlich ein Bus weiter in Richtung unsere Haltestelle fährt. Aber was passiert dann? Mitten in der Kurve hält der Bus an, der Bus parkt rückwärts auf dem Seitenstreifen ein, und zur allgemeine Erheiterung erleuchtet das Wort “Pause” auf dem Bus. Spätestens jetzt machen sich die nächsten auf die Socken. Und hätte ich gewusst, dass jetzt wirklich kein Bus mehr kommt in der nächsten halben Stunde wäre ich wahrscheinlich auch losgelaufen.
Dass ein Busfahrer nach einer gewissen Zeit eine Pause machen muss ist völlig legitim und hat meine totale Unterstützung. Aber der Bus könnte doch rein theoretisch mit einem anderen Fahrer weiter fahren, oder? 30 Minuten später fährt der Bus dann wieder an, sammelt uns ein und bringt uns zu den Zelten bzw. zum Parkplatz.
Zum Glück ist dies die einzige sehr negative Erfahrung mit dem Shuttle Service. Die anderen beiden Tage sollte alles glatt gehen, allerdings musste man immer vor der Rückfahrt fragen wo genau der liebe Fahrer denn nun anhält.

SAMSTAG

Keine Zwischenfälle auf dem Weg zum Festivalgelände. Der Vormittag wurde für ein ausgiebiges Frühstück genutzt, im Anschluss noch eine kleine Runde durch den Ort gedreht und ein wenig Proviant aufgefrischt. Sonnenschutz Creme mit Faktor 50 ist ebenfalls großzügig auf dem Körper verteilt worden, denn die 30 Grad Celsius sollen heute locker geknackt werden.

CRYSTAL LAKE

Und so ist das Zelt auch schon wohl temperiert, wenn man das denn so ausdrücken möchte. Drei Schritte innerhalb der Hardbowl Stage und schwupps steht man komplett in eigenem Saft. Warum hatte ich heute morgen geduscht?
Egal, denn mit CRYSTAL LAKE steht heute eine Band aus Japan auf meinem Programmzettel, die mir auch völlig unbekannt ist. Damit bin ich klar in der Minderheit, denn als das Quintett aus Tokyo loslegt sind erstaunlich viele Leute in dem gutgefüllten Zelt mit dem Material von CRYSTAL LAKE vertraut. Die Band spielt eine wirklich sehr interessante Mischung aus verschiedenen Metal und Hardcore Elementen, so dass es schwerfällt die Kapelle einem bestimmten Genre zuzuordnen. Band und Publikum haben jedenfalls richtig Bock und so entstehen schon amtliche Moshpits vor der Bühne, während auf der Stage ebenfalls alle Gas geben. Die Band weiß ihre 45 Minuten Spielzeit zu nutzen und haut einen starken Kracher nach dem nächsten raus. Ein wirklich beeindruckender Auftritt und für mich sind CRYSTAL LAKE schon jetzt eine positive Überraschung auf diesem Festival.

ANNISOKAY

Die Metalcore Band die ursprünglich aus Halle an der Saale kommt, hat nahezu ein Heimspiel, denn so weit weg liegt die Heimat nicht. Allerdings sind sie ein Opfer der recht frühen Spielzeit. Der Asphalt vor der großen Mad Max Stage hat sich ordentlich aufgeheizt und reflektiert die Hitze ziemlich extrem. Und wahrscheinlich haben einige auch noch einen kleinen Durchhänger vom ersten Festivaltag. Jedenfalls ist die Menge vor der riesigen Bühne doch überschaubar. Und endlich wurde auch der lästige Steg am Bühnenrand entfernt, so dass das Fotografieren auch etwas einfacher wird.
Der von ANNISOKAY gespielte Mix ist für meinen Geschmack auch eine Spur zu belanglos. Lediglich der großartige Clean Gesang von Gitarrist Christoph Wieczorek und einige gute Melodien in den Songs heben den Metalcore von anderen Kapellen ab. Die Band hat mittlerweile viele Konzerte und Festivals gespielt so dass sie routiniert ihren Stiefel runterspielen. Dazu gehört auch ein Ausflug von Hauptsänger Dave Grunewald in den Fotograben und an die ersten Reihen mit den größten Fans. Diese freuen sich natürlich ihrem Idol so nah zu sein.

BILLYBIO

Billy Graziadei ist anscheinend nicht ausgelastet. Neben BIOHAZARD, die laut Internet immer noch am Leben sind, und POWERFLO, eine Kooperation mit CYPRESS HILL, veröffentlichte der gute Mann Ende letzten Jahres sein Solo Debüt unter dem Namen BILLYBIO. Musikalisch allerdings nichts Neues, der gleiche Crossover aus Hardcore, Metal und Rap wie ihn BIOHAZARD seit ihren Anfängen gespielt haben.
Nun soll der gute Mann mit seiner Truppe auf der Zeltbühne spielen, und zwar um 16.30 Uhr. Man sieht ihn zwar auch, aber es gibt anscheinend technische Probleme, denn es wuseln eine Menge Leute am Bühnenrand rum. Um 16.31 Uhr kommt eine Frau auf die Bühne und streicht einen Song auf den Setlists der Musiker durch. Scheint richtig hart durchgetaktet zu sein der Set.
Jedenfalls geht es dann los, allerdings ist das Zelt ziemlich leer was auch irgendwie auf die Gesamtstimmung drückt. Billy Graziadei jedenfalls probiert es mit viel Bewegung, aber so richtig komme die Masse nicht in Wallung. Da er ein kleines Kopf-Mikro trägt, ist er auch nicht gezwungen ständig hinter seinem Mikrofonständer zu stehen. Und auch mehrere BIOHAZARD Songs können das Ruder nicht rumreißen. Lediglich als am Ende “Punishment” vom Stapel kommt, entsteht eine kleine Staubwolke über den Köpfen der Zuschauer.

CROWBAR

Machen wir es kurz. Die Sonne brennt gnadenlos, es ist 17.15 Uhr und CROWBAR spielen auf der Hauptbühne. Sorry, dass kann nichts werden. Ich möchte allerdings auch nicht ausschließen dass es organisatorische und/oder logistische Gründe dafür gab, dass CROWBAR jetzt und hier spielen. Nicht wirklich viele Menschen stehen vor der Bühne, und obwohl die Amis gleich eines ihrer bekanntesten Lieder zum Besten geben (“All I Had I Gave”), werden es nur eine Handvoll mehr Leute im Laufe des Sets. Dass Kirk Windstein und seine Mitstreiter noch nie die großen Entertainer auf der Stage sind erschwert diesen Umstand immens, ist aber eigentlich auch bekannt. Der Auftritt plätschert also vor sich hin und es gibt keinen Gewinner.

INFECTED RAIN

Zurück geht es an die See Bühne, allerdings nicht um sich in den Sand fallen zu lassen und die Füße ins Wasser zu tunken. INFECTED RAIN stehen bereit um der doch recht großen Menge vor der Medusa Stage einzuheizen. Es hat sich mittlerweile herum gesprochen dass die Truppe um Frontfrau Elena “Lena Scissorhands” Cataraga mächtig Arsch tritt und die Dame in ihren schrillen Outfits ein Hingucker ist. Den Exoten Bonus der Band (sie kommen aus Moldawien) kann man mittlerweile auch ignorieren, da die Band ihren Sound ohne Lokalkolorit an den Mann bringt.
Wie schon bei BILLYBIO im Zelt gibt es aber auch hier größere technische Probleme, so dass Frontfrau Elena mehrmals nach einem gewissen “Simon” ruft, der sich umgehend an die Arbeit macht. Auch nach dem ersten Song scheint der Fauxpas nicht vollends behoben und so muss Simon noch einmal ran.
Musikalisch können INFECTED RAIN indes überzeugen, der Mix aus Nu Metal und Metalcore kommt gut an und sorgt für Bewegung im Publikum, und auch der Sound passt im Laufe des Sets. “Mold”, “Endless Stairs” oder auch “Passerby” knallen gut und sind in Kombination mit dem Wetter starke Unterhaltung.

ANIMALS AS LEADERS

Da es gerade sehr gemütlich am See ist, vertreibe ich mir etwas die Zeit und warte auf ANIMALS AS LEADERS.
Das sehr experimentierfreudige Trio aus Washington hat einen gewissen Ruf und nun möchte auch ich mir ein Bild der progressiven Rocker machen.
Da es keinen Gesang gibt und sehr wenig an Bewegung auf der Bühne vorhanden ist kann ich relativ schnell ein Fazit ziehen: Tosin Abas, Javier Reyes und Matt Garstka sind begnadete Musiker, die höchstwahrscheinlich auch auf einer Free Jazz Veranstaltung mitmischen könnten. Ihre Mischung aus Metal, Jazz, Progressive und Djent ist für das entsprechende Klientel eine absolute Offenbarung. Und so findet sich zwar nur eine kleine Menge an Zuhörer an, die aber mit höchstem Enthusiasmus lauschen und begeistert sind. Ich für meinen Teil habe nach der Hälfte des Sets genug gesehen und gehört. Es ist zwar erstaunlich was sich so alles an Klängen aus einem Instrument herausholen lässt, persönlich ist das für mich aber nicht abendfüllend.

AT THE GATES

Nach CROWBAR leider die zweite Fehlbesetzung des Tages. Ähnlich wenige Menschen finden sich vor der Hauptbühne ein um sich schwedischen Death Metal zu geben. Sehr schade, auch wenn AT THE GATES anfangs gute Miene zum bösen Spiel machen. Doch auch die Spielfreude geht nach ein paar Songs flöten, so dass der Rest des Auftritts mit einem gequälten Lächeln stattfindet. Wie auch bei CROWBAR kann ich nicht ausschließen das es andere Gründe für diesen Slot auf dieser Bühne gab. Aber bei einem derartigen Metalcore Billing kann man nicht eine Death Metal Band zur besten Sendezeit auf der Hauptbühne verbraten. AT THE GATES lärmen sich durch ihren Set der aus den Alben “To Drink From The Night Itself”, “At War With Reality” und “Slaughter Of The Soul” besteht. Die wenigen Fans vor der Bühne finden es trotzdem gut und zelebrieren so gut es eben geht.

SMOKE BLOW

Dass sich SMOKE BLOW in den letzten Jahren rar gemacht haben hat sich mittlerweile herum gesprochen. Mehr als eine Handvoll Konzerte im Jahr sind nicht drin, und so ist es auch wenig verwunderlich dass das Zelt ordentlich gefüllt ist. Wenn es auch nur noch wenige Auftritte der Truppe aus Kiel gibt, so sind die Protagonisten erfahrene Haudegen in Sachen Punkrock. Da die Masse vor der Bühne anfangs nicht richtig auf Temperaturen kommt (obwohl im Zelt locker über 35 Grad sind!), knien sich die Herren auf der Bühne amtlich rein und schon geht der Laden komplett steil. Mit jeder weiteren gespielten Nummer gerät der Auftritt zu einem Triumphzug und sowohl Band wie auch Publikum geben alles. Das Ganze gipfelt in der Cover Version “Rebel Yell” von Billy Idol, in der das Zelt den lautstarken Chor von “More, More, More” brüllt. Ein Hammer Auftritt!

ZEAL & ARDOR

Es führt zur Zeit kein Weg an dieser Band vorbei. Manuel Gagneux hat mit ZEAL & ARDOR musikalisch etwas geschaffen, was es in dieser Form einfach noch nicht gab. Ob man das jetzt mag oder nicht sei mal dahingestellt, aber ZEAL & ARDOR verschaffen der doch etwas eingeschlafenen Metal Szene einen frischen Wind. Und hatte ich bei CROWBAR und AT THE GATES noch die Slot Politik bemängelt, so hat man hier und jetzt alles richtig gemacht. Die Dunkelheit am See, die sich darin spiegelnden Lichter der Bühne, der Sand unter den Füßen, die abwechslungsreichen Klänge der Band zwischen Geknüppel und Gospel Anleihen…..ein perfektes Ambiente für einen perfekten Auftritt! Die Band spielt exakt auf den Punkt, hat ein Menge Spielfreude und wenn man sieht, wie die beiden Co-Sänger trotz aller Routine abgehen nimmt man dies ZEAL & ARDOR  auch einfach ab. Da stehen Leute auf der Bühne, die verdammt viel Bock auf ihren Job haben.
Auf Festivals finde ich auch immer wieder die Reaktion des Publikums bei ZEAL & ARDOR faszinierend. Da steht natürlich ein Haufen Eingeweihter die sich auf den Auftritt freuen. In deren Schlepptau nicht selten Leute, die man mit Argumenten wie “muss man gesehen haben”, “ganz was Neues” und ähnliches dazu überredet hat mitzukommen. Und dann natürlich noch die Gruppe aus völlig Ahnungslosen, die aus reiner Neugier und/oder Langeweile bzw. durch Zufall vorbeikommen. Klar, nicht allen gefällt das was sie hören, aber wie die Anzahl der Leute immer weiter steigt im Verlauf des Auftritts von ZEAL & ARDOR steigt ist beachtlich. Und auch die Tatsache, dass immer mehr Leute mitgehen, die Köpfe schütteln oder sich im Rhythmus der Mucke bewegen spricht für die Klasse der Musik von Manuel Gagneux und seinen Kollegen.
Dass die Setlist auch dementsprechend so aufgebaut ist versteht sich von selbst. Zum Einstieg gibt es “In Ashes” und “Servants”, bevor man mit Gassenhauern wie “Row Row” und “Blood In The River” das Publikum begeistert. Am Ende dann “Don’t You Dare”, “Devil Is Fine” und natürlich “Baphomet”. ZEAL & ARDOR überzeugen hier auf ganzer Linie!!

ARCH ENEMY

Kommen wir nun zum Höhepunkt beziehungsweise Headliner des heutigen Tages. Als Intro ertönt “Ace Of Spades” von MOTÖRHEAD sowie “Set Flame To The Night”, bevor Frau White-Gluz und ihre Mitstreiter die Bühne betreten. Die Frontfrau hat heute ein Kostüm mit Flügeln an, zumindest sieht dies so aus wenn sie ihre Arme vom Körper bewegt. Und auch ansonsten wird heute bei ARCH ENEMY nicht gekleckert sondern geklotzt. Jede Menge Feuer Fontänen und sonstige Pyros werden in die klare Nacht gehauen und so entsteht ein denkbar kurzweiliger Set. Die Gitarren Fraktion um die beiden Herrn Amott und Loomis hat richtig Bock und pfeffert mit schneidigen Riffs nur so um sich. Der Set ist eine gute Mischung aus allen Schaffensperioden der Band. Richtige Oldies wie “Ravenous” oder “Snow Bound” kommen genauso zum Zuge wie frischeres Material á la “The Race” oder “The World Is Yours”. Der Auftritt ist komplett durchgetaktet und bietet keinerlei Überraschungen. Auf der anderen Seite schaffen es aber ARCH ENEMY, mit ihrer Sound die beachtliche Menge vor der Bühne zu begeistern und zu unterhalten. Der Sound ist glasklar und die Lichtanlage fährt zur Höchstleistung auf. So muss eine würdiger Headliner aussehen.

SONNTAG

Die Sonne will es heute wirklich wissen. Schon zum Frühstück in meiner großartigen Bleibe in Dessau ist es schon im Schatten nahezu unerträglich. Zur Mittagszeit sollen dann die 40 Grad geknackt werden. Na Prost Mahlzeit. Es wird gefrühstückt und ausgiebig schon einmal Wasser in den Körper getankt. Und es werden bei mir Erinnerungen wach an das Jahr 2016 und das Party.San Festival, wo es ebenfalls zu solchen Temperaturen kam. Einer der Unterschiede zu damals: ich war mit dem Zelt unterwegs und an Schlaf bei solchen Temperaturen ist nicht zu denken. Und so habe ich ehrlich Mitgefühl und Mitleid für all die Brüder und Schwestern auf dem Full Force Festival, die jetzt ähnliche Hitzezustände in ihren Zelten haben werden.

DRUG CHURCH

Es ist schon verdammt heiß im Zelt als DRUG CHURCH die Bühne betreten. Nach zwei Tagen Festival und verdammt vielen Sonnenstunden hängt ein Teil des Publikums auch jetzt noch immer in den Seilen. Aber immerhin, die “Hardbowl Tentstage” ist zu 50% gefüllt. Die Amerikaner von DRUG CHURCH kommen mit einem Backdrop in Pink daher, was man auch nicht alle Tage zu sehen bekommt. Das Quintett aus New York spielt eine rechte krude Mischung aus Hardcore, Punk, Grunge, Alternative und Rock, und so richtig kann die Mixtur nicht zünden. Es gibt zwar stellenweise immer wieder ganz interessante Riffs und Songkonstruktionen, im großen und ganzen aber bliebt kein einziges Lied direkt hängen was kein gutes Zeichen ist. Auch mit dem Bewegungsdrang ist nicht allzu weit her so dass der Auftritt von DRUG CHURCH absolut keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

IGNITE

Wenn es um melodischen Punk Rock geht kann nur von IGNITE die Rede sein. Die Band aus Kalifornien ist zum x-ten Mal Gast auf dem Full Force Festival und trotz der knapp 42 Grad direkt über dem Asphalt ist der Platz vor der Hauptbühne sehr gut gefüllt. Die Band hat nicht nur eine Fülle an starken Songs dabei, der Fünfer hat auch was zu sagen. Und so spricht Sänger Zoli mehrfach das Publikum an. Dass der Klimawandel kommt könnte man sich bei den Temperaturen für Ende Juni auch noch selber denken, aber so gibt es noch ein paar Worte zum derzeitigen Präsidenten Trump (vor dem Song “My Judgement Day”) sowie dass jeder selber mal für ein wenig Entschleunigung sorgen sollte. Dazu gab es dann passend ein wundervolle Akustik Version von “Slow Down”. Auch der Rest der Setlist ist ein Hit nach dem Nächsten, sei es vom Über Album “Our Darkest Days” oder dem letzten Geniestreich “A War Against You”. Lediglich bei der Cover Auswahl bin ich etwas irritiert, denn IGNITE spielen lieben “We’re Only Gonna Die” von BAD RELIGION statt der grandiosen “Sunday Bloody Sunday” Version von U2. Etwas schade, aber Jammern auf ganz hohem Niveau. Beim letzten Song “Bleeding” gibt es dann auch wirklich gar kein Halten mehr und die Menge vor der Bühne geht komplett steil. So muss das sein!

WHITECHAPEL

Unter der enormen Energieleistung bei IGNITE muss ein wenig die nächste Band leiden. WHITECHAPEL gehen natürlich ein ganzes Stück brutaler zu Werke und ihr Deathcore knallt ohne Ende. Aber sowohl Publikum wie auch Band schalten zwischen den Songs auf Sparflamme. Die Songauswahl liegt auf dem aktuellen Album “The Valley”, von dem ingesamt vier Songs gespielt werden. Aber auch ältere Klassiker wie “I, Dementia” oder auch “Father Of Lies” finden ihren Weg auf die Setlist. An dieser Stelle mal ein großes Lob an die Securities im Graben. Diese behandeln die Fans und auch uns Fotografen mit vollem Respekt. Den Crowdsurfern wird geholfen so dass diese ohne Verletzungen wieder den Boden erreichen und sich den Weg zurück in Moshpit bahnen. Und dass bei diesen Temperaturen ein Wasserschlauch gelegt wurde mit denen man immer mal wieder ins Publikum Wasser abfeuert ist absolut Gold wert! Ganz, ganz großes Tennis!
Zurück zu WHITECHAPEL die ihren Auftritt sichtlich genießen und für ihre brachiale Mucke vom Publikum amtlich abgefeiert werden. Die Truppe aus Knoxville, Tennessee liefert heute ordentlich ab!

BEARTOOTH

Es ist mal wieder Metalcore Zeit, diesmal von BEARTOOTH aus Ohio. Und obwohl das amerikanische Quintett sich hauptsächlich auf ihr Material vom Debüt Album “Disgusting” verlässt, und ordentlich Interessierte vor der Bühne stehen, will der Funke einfach nicht überspringen. Ja, der harte Fan-Kern feiert Songs wie “Hated”, “Body Bag” und “In Between” richtig ab, aber der Rest sieht sich das Spektakel von einem der wenigen Schattenplätzen aus an. Es gibt halt so Abend bzw. Konzerte wo es einfach nicht passt, ohne dass es erkennbare Gründe dafür gibt.

POWER TRIP

Das Quintett aus Dallas, Texas wurde mir im Vorfelde des Festivals wärmstens ans Herz gelegt. Diesem Auftrag komme ich jetzt nach und begebe mich in die Hardbowl Tent Stage, um mir eine gepflegte Ladung Thrash Metal um die Ohren hauen zu lassen. Und ich werde nicht enttäuscht. Von der ersten Sekunde an bricht ein Inferno los, das Publikum und die Band gehen komplett steil und fetten Riffs von POWER TRIP zersägen alles was ihnen in die Quere kommt. Frontmann Riley Gale und seine Mannen haben richtig Bock, haben sich auch optisch leicht an ihren rotzigen Sound angepasst und jagen Brecher wie “Hornet’s Nest” und “Manifest Decimation” in die headbangende und moshende Meute. Zum niederknien! Da fällt auch gar nicht auf, dass der Sound viel zu laut aufgedreht ist und daher ein klein wenig matschig daherkommt. Aber ansonsten alles topp, und ich kann es kaum erwarten POWER TRIP in einem (kleinen) Club zu sehen.

LAMB OF GOD

LAMB OF GOD sind durch unendliche Auftritte und Tourneen (unter anderem auf der gerade abgelaufenen SLAYER Abschiedstour) eine starke Live Band die mit wirklich jedem Publikum umgehen kann. Vor große Aufgaben werden Sänger Randy Blythe und seine Mitmusiker aber nicht gestellt. Das Infield vor der Mad Max Stage ist ordentlich gefüllt, und trotzt der immer noch tropischen Temperaturen (locker 35 Grad immer noch, und es bereits viertel nach Acht!) haben die Leute Bock auf Bewegung. Ein großer Circle Pit entsteht, und LAMB OF GOD lassen sich von der Freude des Publikums anstecken. Ein Lächeln huscht über die Gesichter auf der Bühne, wären Granaten wie “512”, “Laid To Rest” und “Redneck” aus den Lautsprechen dröhnen. Bei dem Fünfer aus Amerika passt heute einfach alles, und die Band und das Publikum sind nach einer Dreiviertel Stunde zwar völlig erschöpft, aber absolut happy.

TURNSTILE

Zurück ins Zelt wo TURNSTILE in den Startlöchern stehen. Bei meinem ersten Kontakt mit der Band vor ein paar Jahren war ich absolut fasziniert von der Power der noch recht jungen Hardcore Band aus Baltimore. Einen derartigen musikalischen Mix aus Punk und Hardcore hatte ich in letzter Zeit nicht gehört. Und obendrauf eine Attitüde, die gestandenen Hardcore Truppen den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Allerdings gingen die Meinungen zum letzten Album “Time & Space” doch arg auseinander. denn die Experimentierfreude von TURNSTILE nahm merkwürdige Ausmaße an. Das Zelt ist zwar nur halb gefüllt als das Quintett aus Baltimore loslegt, aber alle die da sind, wissen ganz genau warum sie hier und jetzt im Zelt stehen. Die Spielfreude schwappt relativ schnell und das Publikum mächtig Alarm. Da wird dann auch nicht schräg geguckt, wenn TURNSTILE eher unkonventionelle Stücke wie “I Don’t Wanna Be Blind” oder “Real Thing” spielen. Solange starke Songs wie “7”, “Gravity” oder “Only One” gespielt werden, sind die Fans happy.

FLOGGING MOLLY

Das größte musikalische “Experiment” bei diesem Full Force Festival kommt nun auf der Hauptbühne. Die irisch-amerikanische Mischung mit ihrem Folk Punk passen eigentlich überhaupt nicht zu dem Rest des Billings. Aber wir lernen ja alle nicht aus, und so ist der Platz massiv gefüllt und die Vorfreude ist riesig. Denn obwohl FLOGGING MOLLY kein aktuelles Album am Start haben (das letzte stammt aus dem Jahr 2017) und auch lediglich zwei Handvoll Festival Auftritte in diesem Jahr in Europa anstehen, scheinen eine Menge Menschen aus allen Genres Bock auf Irish Folk Punk haben. Und so kommen sieben gut gelaunte Musiker auf die Bühne (natürlich stilecht mit einer Dose Guiness in der Hand) und spielen einen bunten Strauß an Songs von fast allen erschienenen Alben. Dazu passend wird im Publikum geschunkelt, getanzt, gecrowdsurft und mächtig Gerstenkaltschorle verhaftet. Die Temperaturen nehmen langsam ab, die Nacht ist herein gebrochen und dazu gibt es Bierchen und das Tanzbein wird geschwungen. Chapeau, liebe Veranstalter. FLOGGING MOLLY kommen super an und behaupten sich zwischen den brachialen Metal und Hardcore Acts.

AMORPHIS

Ein letztes Mal begebe ich mich an den Strand zur Medusa Stage, wo das Ambiente für die Könige des melodischen Death Metal nicht besser sein könnten. Der Platz im warmen Sand ist pickepacke voll, das Spiegelbild vom Mond schimmert auf der Oberfläche des Sees, und AMORPHIS legen mit “The Bee” gleich mal richtig los. Die Finnen haben nur für diesen Auftritt ihre Heimat Festival Tour unterbrochen. und kommen mit einem Best Of Set daher. Da auf den beiden voran gegangenen Auftritten von AMORPHIS in Finnland Anneke von Giersbergen bei zwei Songs als Gastsängerin auf der Bühne war, erhoffte sich so mancher Fan dass die ehemalige Frontfrau von THE GATHERING auch heute am Start sein würde. Um das vorweg zu nehmen: es war leider nicht der Fall. Denn im Gegensatz zu den Auftritten in Skandinavien, wo nahezu das gesamte letzte Album “Queen Of Time” durch gespielt wurde, gibt es heute ein klassisches Best Of Set. Die Zeiten in denen bei AMORPHIS wildes Gemoshe vor der Bühne abging sind schon lange vorbei. Aber das ist auch gar nicht so schlimm. Man kann die Musik mit einer großen Anzahl Gleichgesinnter in einer einmaligen Umgebung genießen. Dabei kann auch der Fuß mitwippen und dezent das Haupthaar schütteln. Das langt völlig, und auch AMORPHIS kommen extrem unaufgeregt rüber und zelebrieren mit einer Perfektion Songs wie “Silver Bride”, “House Of Sleep” und “Black Winter Day”. Ein wundervoller Abschluss an der Medusa Stage!

LIMP BIZKIT

Holt man sich LIMP BIZKIT als Headliner auf ein Festival liegen Freud und Leid eng beieinander. Positiv kann man sagen schaffen es die fünf Herren aus Florida mit ihren Mega Songs nahezu jede beliebige Menschenmasse in Wallungen zu versetzen. “Take A Look Around”, “My Generation”, “Rollin'”, “Nookie”…. Himmel, bei “Break Stuff” möchte ich auch heute noch am liebsten irgendetwas kaputt schlagen! Weiterhin ist das Outfit von Gitarrist Wes Borland immer ein echter Hingucker. Mit einer Gesichtsbemalung die irgendwo zwischen Corpsepaint und Skelett liegt, einem schwarzen Cowboy Hut, einem blauen Bademantel, Krawatte und Blumenkette war der Paradiesvogel eigentlich schon gut unterwegs. Sein Kostüm wird allerdings von seiner unteren Körperregion getoppt. Dort trägt er lediglich eine recht große, gelbe Unterhose mit Blumenmotiven. Was ist eigentlich die Steigerung von Paradiesvogel? Bleiben wir bei einer weiteren positiven Eigenschaft eines LIMP BIZKIT Auftritts. Hat Frontmann Fred Durst richtig Bock schafft er es locker dass das Publikum ihm aus der Hand frisst. Das ist heute nur zum Teil der Fall. Er springt runter in den Fotograben und sucht den Kontakt mit den Fans um mit ihnen den Refrain von “Livin’ It Up” zu brüllen. Das habe ich auch recht selten von Herrn Durst gesehen.
Jetzt zum Negativen. Die Jungs spielen netto gefühlt ein halbe Stunde. Ständig gibt es irgendwelche Spielereien, Samples oder Spielchen die eingestreut werden um den Set künstlich in die Länge zu ziehen. Da sie hier und heute auch nur eine Stunde Spielzeit haben (als Headliner!) grenzt schon fast an Verarschung.  Und hat Fred Durst dann mal nicht so gute Laune kann er auch sehr schnell zum Stinkstiefel mutieren. Das befürchte ich nämlich als er auf die Bühne kommt. Ein orange-farbender Hoodie, dessen Kapuze er zwar irgendwann absetzt, sich dafür aber ein lustiges Hütchen aufsetzt, plus eine Sonnenbrille und seine obligatorischen Handschuhe. Aber nun gut, ist heute halt von beidem etwas. Richtig unangenehm wird die Nummer als Fred Durst zu dem Song “Full Nelson” zwei textsichere Fans auf die Bühne bittet, die er vorher vollkommen wahllos aus dem Publikum gefischt hat. Erstaunlicherweise sind die beiden jungen Herren aber derart textsicher und haben fast null Akzent, dass sich mir irgendwie der Verdacht aufdrängt, dass die beiden “Kollegen” nicht wirklich wahllos ausgewählt wurden…..Beweisen kann ich es nicht, aber beim dem Gehabe von Fred Durst und Kollegen kann ich mir es nicht vorstellen, dass die das Risiko eingehen und zwei völlig fremde Nasen auf die Bühne bitten um den kompletten Text zu singen. Zumal die beiden bis auf eine leichte Umarmung von Onkel Fred kein großes Interesse hatten dem Rest der Band auch mal “Hallo” zu sagen.
Zum Abschluss der negativen Aspekte bleiben die Songs an sich. Dass man von der Scheibe “Results May Vary” keine Songs spielt, weil Wes Borland auf dem Album zu der Zeit gerade mal wieder NICHT Teil der Band war, hat sich mittlerweile herum gesprochen. Einzige Ausnahme: das THE WHO Cover “Behind Blue Eyes”. Hier verlassen aber alle Musiker bis auf Fred Durst und DJ Lethal die Bühne. Dass man auch von der letzten offiziellen Album “Gold Cobra” keinen einzigen Track spielt ist auch geschenkt. Das LIMP BIZKIT aber noch nicht mal “Nookie” zu Ende spielen empfinde ich als skandalös. Dazu verhunzt die Kapelle noch “Break Stuff” mit Versatzstücken aus den NIRVANA Songs “Smells Like Teen Spirit” und “Heart-Shaped Box”. Muss das sein?
Wie eingangs erwähnt, Freud und Leid liegen bei LIMP BIZKIT sehr eng zusammen. Und so hört man auch auf dem Weg nach draußen vom Festival sehr gemischte Stimmen zum Headliner an diesem Tag.

Und so ist das Full Force dann auch vorbei. Viele Highlights, ein paar kleinere Ungereimtheiten, aber ansonsten alles topp! Essen und Trinken in großer Auswahl und zu fairen Preisen. Wirklich überrascht hat mich nur die Tatsache, dass es keine Händlermeile auf dem Gelände gibt. Später habe ich erfahren, dass diese mit auf einem der Campingplätze installiert wurde. Über Sinn oder Unsinn einer solchen Maßnahme kann man sicherlich streiten, aber auch hier mag es andere Gründe geben die mir nicht bekannt sind.
Das Publikum war bunt, wild gemischt und (soweit ich es mitbekommen habe) absolut friedlich. Selbst dem Überangebot an Hitze und Wärme wurde seitens des Festivals zumindest etwas entgegengewirkt. So wurde über eine Leitung Wasser als feinster Sprühnebel unter einer riesigen Disco Kugel versprüht. Dieses Angebot wurde dankend von vielen Besuchern angenommen. Und die Security im Graben hat immer wieder die vordersten Reihen mit einem großen Wasserschlauch abgekühlt. Auch Trinkwasser wurde verteilt, sehr löblich!
Fazit: starkes Festival mit einem Haufen klasse Bands vor einer beeindruckenden Kulisse!

Not everyone likes Metal - Fuck them!!!