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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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COURAGEOUS
Zu Höchstleistungen gepusht
Marek Schoppa
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Mit ihrem Debüt "Inertia" sorgten die Frankfurter Recken für einiges Aufsehen in der Metalszene und sorgten damit bei Presse und Fans für eine hohe Erwartungshaltung. Könne man das starke Debüt toppen? In welche Richtung würde man sich entwickeln? Kurz gesagt: Die Gruppe hat alles richtig gemacht und mit "Downfall Of Honsety" ein richtig guten und hörenswerten Nachfolger produziert. Schien es also unumgänglich für mich bei Sänger und Frontmann Chris Staubach erneut anzufragen, was sich in der "Welt des Wagemuts" so tut.

Also, ich falle einfach mal mit der Tür ins Haus: Eine geile Scheibe habt ihr da abgeliefert!! Ehrlich gesagt habe ich mit einer solchen Steigerung nicht gerechnet. Sehen das meine Pressekollegen bisher ähnlich?
Courageous

Hey, vielen Dank für Dein Lob. Ich weiß nicht, ob alle Pressekollegen eine Steigerung sehen, aber die Scheibe hat durchweg sehr gute Kritiken bekommen, was uns natürlich freut. Für einen involvierten Musiker ist das ja immer ein fließender Prozess, so dass einem die Unterschiede oder Weiterentwicklungen nur bedingt auffallen. Wir haben einfach wieder versucht, unser Bestes zu geben. Freut mich aber, dass es Dir so gut gefällt.

"Downfall of Honesty" ist mittlerweile schon etwas länger zu haben. Wie sind denn die ersten Fanreaktionen auf das Material?

Auch hier sehr positiv. Es ist immer wieder witzig zu sehen, wie unterschiedlich die favorisierten Songs sind. Live kommt das Material auch sehr gut an, weil es auch ein bisschen direkter und straighter ist. Wir können uns also nicht beklagen.

Man hat wirklich das Gefühl, dass ihr mit dieser Platte an die Spitze wollt. Habt ihr euch nach "Inertia" bewusst unter Druck gesetzt, um ein derartig starkes Album abzuliefern? Schließlich war die Erwartungshaltung doch bestimmt enorm hoch an euch.

Wir haben eigentlich von Außen keinen richtigen Druck gespürt, nur unseren eigenen. Die Erwartungshaltung der Band ist immer sehr hoch, was ab und an auch zu heftigen Qualitätsdiskussionen führt. Natürlich wollten wir unser bisher bestes Album abliefern, aber das kann man nicht planen. Wenn Du das so siehst, super, dann haben wir ja alles richtig gemacht. Ich denke aber nicht, dass wir irgendwem etwas beweisen mussten, dafür lassen wir uns einfach nicht genug in die Musik hineinreden. Jeder einzelne Musiker muss am Ende des Tages vor dem Spiegel stehen und sagen können, "ich habe alles gegeben". Auf die Meinung der Öffentlichkeit hast Du eh keinen Einfluss.

Seid ihr "die Dinge" im Vorfeld anders angegangen als noch zu "Inertia"? Was ist wesentlich anders gelaufen, was habt ihr beibehalten?

Der größte und wichtigste Unterschied zu all unseren bisherigen Veröffentlichungen war, dass wir mit Uwe Lulis einen komplett Außenstehenden von Anfang an mit dabei hatten. Diese Erfahrung war neu und hat uns sehr viel gebracht. Er hat an der Musik gar nicht viel verändert, hat uns aber jederzeit zu Höchstleistungen gepusht und wertvolle Tipps gegeben. Musikalisch haben wir eigentlich nur einfach noch mehr Wert auf die Gesangsarbeit gelegt. Unser Schlagzeuger Jan Mischon ist ein fantastischer Sänger, was wir bei "Downfall Of Honesty" zum ersten Mal wirklich richtig genutzt haben.

Nach dem Erscheinen von "Inertia" ist bei euch bestimmt so einiges passiert. Ihr ward viel unterwegs und habt sicherlich einiges erlebt. Kannst du mir einen kurzen Abriss über die wichtigsten Ereignisse zwischen der VÖ von "Inertia" und "Downfall" geben? Positive/Negative Schlüsselerlebnisse so zusagen. Courageous

Wir waren mit den Ungarn SUPERBUTT auf einer kleine Deutschlandtour, haben einige lokale Festivals gespielt und durften auch ein paar Shows für unsere amerikanischen Freunde von VICIOUS RUMORS eröffnen. Außerdem haben wir etliche Einzelshows gespielt und auch eine Einladung von NEVERMORE angenommen, mit ihnen gemeinsam in der Frankfurter Batschkapp zu zocken. Leider hat es mit der ganz großen Tour nicht geklappt, was wir ja jetzt mit BEYOND FEAR und VICIOUS RUMORS nachgeholt haben, aber auch so war einiges los. Ansonsten sind wir aber blauäugig in das Musikbusiness geschlittert und haben alle positiven wie negativen Seiten abbekommen. Gelernt haben wir viel – vor allem an Erfahrung. Nicht jeder Freund ist auch ein Businessfreund, jedes Wort ist nicht immer ernst gemeint und ohne Moos nix los. Wir sind halt immer noch enthusiastische Musikfans, die der Meinung waren, dass sich gute Musik immer durchsetzen wird. Ist aber heute leider nicht mehr der Fall. Es sind ganz andere Werte, die zählen.

Aber jetzt mal ans Eingemachte: "Downfall Of Honesty" nennt sich, wie bereits erwähnt, das gute Stück. Der Titel klingt sehr aussagekräftig. Erläutere uns doch bitte mal das Konzept dahinter. Es gibt doch ein Konzept, oder?

Beim Schreiben der Texte war ich sehr frustriert. Die bereits angesprochenen Businessprobleme, aber auch die politische und gesellschaftliche Lage in dieser Welt haben mich extrem beeinflusst. Ein richtiges Konzept steckt nicht wirklich hinter diesem Titel, eher ein roter Faden, den du textlich in allen Songs wieder finden kannst. Es geht immer irgendwie um Verlust, Angst, Gleichgültigkeit und Lügen. Attribute, mit denen man eine Gesellschaft perfekt manipulieren und kontrollieren kann.

Ist der Titel in irgendeiner Weise durch euer privates Leben beeinflusst? Ist es dort mit der Ehrlichkeit so weit her?

Nein, er hat keinen privaten Bezug. Der Titel ist eher auf das Musikbusiness bezogen, in dem Ehrlichkeit schon lange nicht mehr zählt. Du kommst immer mehr mit Leuten in Kontakt, die dir viele Komplimente machen, hinter deinem Rücken aber ganz anders reden. Oder aber, sie machen dir viele Versprechungen, die sie anschließend nicht halten beziehungsweise sie kennen dich zwei Tage später gar nicht mehr. Das ist nicht neu, mussten wir aber am eigenen Leib schmerzlich erfahren. Daher der Titel. Ich meine, wir wissen, dass im Business sehr viel Glück, das richtige Vitamin B und reichlich Kohle zählen, dann können die Leute aber doch ehrlich sein und vernünftig mit dir reden. Stattdessen regieren eher Floskeln und Unwahrheiten. Nun gut, warum sollte es im Musikbusiness anders sein als im wahren Leben?

Ich werde beim Hören das Gefühl nicht los, dass sich die Texte sehr oft mit Verschwörungstheorien oder solchen Dingen beschäftigen. Liege ich da komplett daneben?

Verschwörungstheorien gehören im weitesten Sinne natürlich auch dazu. In "The System Has Failed" geht es beispielsweise darum, dass die Regierungen immer wieder gerne wiederholen, wie schlecht es einem geht und wovor man in Zukunft Angst haben sollte. Eine Menschheit, die Angst hat, kann man besser kontrollieren. Das sieht man auch ganz deutlich in Amerika und dem ständigen Aufbauen von neuen Feindbildern. "Days Of Wrath" und "The Guf" behandeln eher das Thema der Apokalypse, während "Praise Thy Name" und "Alter Ego" sehr stark vom Stephen King-Zyklus "The Dark Tower" beeinflusst wurde. Einer unbeirrten Suche, der auch Freunde und Liebe zum Opfer fallen. Ich denke, die Texte sind insgesamt sehr düster und mit einer gehörigen Portion Wut und Frust ausgefallen – passend zur Musik, die auch einiges an Dampf zugelegt hat.

Erzähl mir bitte etwas zu dem Song "A Million Eyes". Das Stück ist echt der Hammer, insbesondere was die Emotionen angeht, die es vermittelt. Dein psychotisch klingender Gesang erinnert mich sogar etwas an Dany Filth :). Was sagst du?

Ja, mit dem Vergleich kann ich leben. Einige haben sogar KING DIAMOND ins Spiel gebracht, was mich natürlich auch sehr ehrt. Irgendwie fürchte ich mich eben vor kleinen Krabbeltieren und vielen sonstigen Insekten. Da gab es halt ein Schlüsselerlebnis in der Kindheit und ich wollte schon immer einen Song darüber schreiben. Jetzt hat es gepasst. Natürlich musste ich versuchen, die beklemmende Atmosphäre des Textes auch mit meinem Gesang auszudrücken. Wir haben da im Studio ein bisschen experimentiert, bis mir dieses sehr psychotische Gekreische und Gewimmer eingefallen ist. Uwe hat es sofort gefallen und auch die anderen waren begeistert. Ich denke, wenn man es hört, kann man ein bisschen schmunzeln, in Verbindung mit dem Text entfaltet es seine ganze phobische Wirkung. Der Song kommt auch wirklich gut an.

Stichwort: Gesang! Besonders auf der neuen Platte klingt dein Gesang einfach super. Was machst du für deine Stimme? Unterricht und üben? Nimmt es viel Zeit in Anspruch die Gesangslinien bei euch zu arrangieren? Schließlich klingt deine Stimme fast bei jedem Song ein wenig anders.

Ich habe jetzt über Jahre hinweg unregelmäßig Gesangsunterricht gehabt, wobei ich da bewusst keine Rockstimmbildung hatte. Ich brauchte einen Ausgleich, Streicheleinheiten für meine Stimmbänder sozusagen. Ansonsten versuche ich, meine Stimme vor jedem Auftritt ein wenig aufzuwärmen, was aber leider nicht immer möglich ist. Bei den Gesangslinien allgemein nehmen wir uns schon sehr viel Zeit. Normalerweise komme ich mit einer Gesangsmelodie an, die Oliver in die richtige tonale Lage bringt ehe Jan noch einmal versucht, noch ein bisschen mehr Farbe hineinzubringen. Meistens sind es aber die Melodien aus dem Bauch, die am Ende auch die Stärksten sind. Die Abwechslung ist mir dabei sehr wichtig, denn ich versuche, die unterschiedlichen Stimmungen der Texte auch gesanglich umzusetzen. Auch hier wäre eine selbst auferlegte Limitierung der Anfang vom Ende.

Auf welche Songs seid ihr denn besonders stolz und warum?

Ich kann da jetzt nur für mich sprechen, aber den Text zu "Praise Thy Name" und die Umsetzung mit den vielen Harmonien und dem Megachor finde ich genial. "Hollow Creation" und "The System Has Failed" sind halt zwei richtige Kracher, so 100% Metal - echt fett. Auch "The Guf" kann ich mir endlos anhören. Bei den Fans stehen im Moment "Downfall Of Honesty", "The System Has Failed" und "A Million Eyes" sehr hoch im Kurs ... es ist immer wieder spannend. Ansonsten sind alle elf Songs wie kleine Babys, die wir alle gleich lieb haben.

Ich weiß, ich sollte nicht darauf herumhacken, aber ich finde es besonders löblich, dass ihr die "krassen" Parallelen zu Nevermore etwas zurückgenommen habt. War das eine natürliche Entwicklung, oder habt ihr euch doch einige Gedanken darüber gemacht und daran wirklich gearbeitet? Bitte sei ehrlich :) Ich bin doch bestimmt nicht der einzige, dem diese "Ähnlichkeiten" so deutlich auffallen. Courageous

Nein, natürlich bist du mit dieser Meinung nicht alleine. Ich denke auch, es gibt Schlimmeres als mit NEVERMORE verglichen zu werden. Wenn man uns aber nur als Kopie abstempelt, dann ärgert uns das und zeigt auch, dass derjenige nicht richtig zugehört hat. Es gibt genügend musikalische Gründe, die dagegen sprechen. Vielleicht haben wir in der Vergangenheit einfach den Fehler gemacht, mit unserer Liebe zu ihnen zu sehr zu kokettieren, so dass wir einigen Journalisten damit eine Steilvorlage geliefert haben, die uns heute noch verfolgt. The Ghosts Of The Past Are Haunting You ? Wir haben uns aber beim Songwriting zur neuen Scheibe darüber keine Gedanken gemacht, wie übrigens bei den letzten Platten auch nicht. Uns langweilen diese ewigen Vergleichsversuche. Wenn jemand NEVERMORE oder irgendeine andere Band in unserer Musik hören möchte, dann wird er sie hören, egal wie stark wir uns anstrengen.

Und zum Abschluss das Obligatorische: Wie wird es denn bei COURAGOUS in nächster Zukunft weitergehen?

Ich hoffe, steil bergauf :-D Wir schreiben gerade neue Songs und erholen uns bis ins Neue Jahr von den Ereignissen des Jahres. Danach stehen noch ein paar Einzelshows an und auch ein paar kleinere Studiogeschichten müssen noch erledigt werden. Mal sehen, ob wir noch irgendwo mit aufspringen können, was wir natürlich sehr gerne machen würden. Hoffentlich klappen auch nächstes Jahr ein paar Festivals und wir müssen auch noch irgendwann wieder ins Studio. Es gibt noch viel zu tun. Wir haben viele Ideen und hoffen, dass wir einige davon umsetzen können.

Vielen Dank für deine Zeit und Mühe! Ich drücke euch weiterhin die Daumen, dass ihr all das erreicht, was euch vorschwebt. Ihr macht einfach großartige Mucke! Falls du noch ein letztes Statement hinterlassen möchtest, dann kannst du das hier gerne tun:

Danke für dein Kompliment und für das Interview - alles Gute für Dich. Schaut einfach mal auf unserer Homepage www.courageousmusic.de vorbei. Kommt zu einer unserer Shows und lasst uns mächtige Metalpartys feiern! Trotzt der allgemeinen Depression, gebt Gas und habt Spaß! Welcome To The World Of Courageous!
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