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15. Dezember 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

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THEM
Aus dem Schatten des Königs
Matthias Decklar
www.facebook.com/thembandofficial


Als King Diamond-Tribute gestartet, hat sich die deutsch-amerikanische Kooperation mit ihrem Debüt "Sweet Hollow" zunächst in der Szene etabliert, um sich nun mit "Manor Of The Se7en Gables" endgültig vom Image des königlichen Dänen-Clones zu befreien. Live ist die Band eine Macht, was ich beim diesjährigen "Bavarian Metalheadz Festival" selbst erleben konnte, wo man mit großer Besetzung (neun Personen) bei einbrechender Dunkelheit eine starke Gruselshow bot. Hinkte die Musik dabei der Theatralik stellenweise noch etwas hinterher, wird sich das auf der Tour im nächsten Frühjahr ändern, denn das Songmaterial der neuen Scheibe ist richtig gut geworden. Für unsere Fragen stand Keyboarder Richie Seibel (Lanfear, Ivanhoe) gerne zur Verfügung.

Hi Richie, wie fühlt man sich als Musiker kurz vor der Veröffentlichung einer neuen Platte? Ist man nervös oder eher gelassen, weil sich jetzt ja nichts mehr ändern lässt?

Hallo Matthias! Einerseits gelassen weil man weiß, dass man ein tolles Resultat erzielt hat und jeder alles gegeben hat. Jeder der Musiker steht voll dahinter und wir ziehen an einem Strang. Das fühlt sich verdammt gut an. Aber klar ist man auch angespannt, wie das da draußen ankommt.

Ihr seid eine Band mit Mitgliedern aus Deutschland und den USA. Wie hat man sich das Bandleben da vorzustellen?

Die Kommunikation über den Atlantik funktioniert hervorragend. Ulle und Troy sind so gut wie täglich in Kontakt und sprechen sich über alle Details ab. Geprobt wird 1-2 Mal vor den Gigs. Wenn jeder seine Hausaufgaben macht, funktioniert es. Das gemeinsame Bier außerhalb einer Tour gibt’s leider nur via Bild.

Die Musik verfasst nahezu ausschließlich euer Gitarrist Markus Ullrich und Sänger Troy verfasst die Texte und erstellt das Konzept. Bringt sich der Rest von THEM auch irgendwie ein oder spielt ihr das, was euch vorgesetzt wird?

Es gibt von Ulle und Troy eine Struktur, wann und wie welcher Song platziert und umgesetzt wird. Aber jeder Musiker arbeitet dann seine Teile für sich aus und bringt sich ein. Beim Intro beispielsweise meinte Ulle: Mach mal als Einleitung einen düsteren Part. Sprich, unser Konzept im Proberaum zu erjammen stelle ich mir sehr schwierig vor. Die Vorgehensweise macht schon Sinn und hat sich bei uns bewährt. Zu erwähnen wäre noch, dass auch unser Gitarrist Markus Johansson drei Songs beigesteuert hat.

Ich weiß, dass euch der Vergleich mit King Diamond mittlerweile etwas stört. Eine Band, die als King-Tribute gestartet ist und deren Sänger sein Organ entsprechend hoch einsetzt, wird aber wohl automatisch mit dem Dänenkönig verglichen. Was auffällt ist, dass ihr bei "Manor Of The Se7en Gables" teilweise sehr hart unterwegs seid, fast schon in Thrash-Gefilden und Troy, alias KK Fossor, den Falsett nur noch sporadisch einsetzt. Ich hatte eigentlich nur bei der Nummer "Seven Gables To Ash" noch King Diamond-Gedanken. Ansonsten scheint ihr die Kurve zur Eigenständigkeit bewusst bekommen zu wollen und auch bekommen zu haben.

Natürlich gibt es immer noch Leute die uns wegen des Konzepts und dem Ursprung da sehen und am Meckern sind. Aber wie Du schon beschrieben hast: Thrash/Power-Metal mit ein paar düsteren Keyboards beschreibt es meiner Meinung nach ganz gut. Im Hintergrund passiert eine Menge, dennoch immer eingängig und melodiös mit packenden Refrains.

Die Story hinter der neuen Platte ist wieder sehr komplex und setzt wohl am Ende von "Sweet Hollow" ein. Kannst du das Konzept unseren Lesern in Kurzform vorstellen, damit sie wissen auf was sie sich einlassen.

Der Totengräber KK Fossor, der im 19. Jahrhundert wegen Hexerei verurteilt wurde und aus Deutschland nach Long Island floh, arbeitet fortan auf dem Friedhof "Sweet Hollow". Diesen Friedhof gibt es wirklich. Auch das "Manor of the Se7en Gables" existiert, welches nahtlos an unser Debut anknüpft. Beim Intro Residuum hört man das Ende von "Sweet Hollow", allerdings aus einer anderen Perspektive. Mit seinem Gefolgsmann "Remsen" widerfährt ihm auf dieser Reise Zerstörung und Tod.

Ihr habt einige tolle Songs auf die Scheibe gepackt. "Refuge In The Manor", die Grusel-Ballade "Ravna" und das bereits erwähnte "Seven Gables To Ash" sind momentan meine Favoriten. Außerdem ist die Single "Witchfinder" sehr angesagt und auch das abschließende "Punishment By Fire" kommt in den Reviews sehr gut weg. Musiker einer Band sehen oft mit einem anderen Auge auf Songs. Gibt es da eine Perle, die dir besonders am Herzen liegt?

Keine Ahnung weshalb, aber jedes Mal wenn ich das Intro höre, jagt mir ein Schauer über den Rücken. Zu erwähnen sei auch Paul Sabu, der einigen Songs zu etwas Magischem verholfen hat. Beispielsweise bei "Ravna", da klingen die Backings zu den letzten Refrains für mich nach 80er Jahre Hard Rock und passt perfekt. Ich wäre im Leben nicht auf diese Idee gekommen.

Eure Show ist ja eigentlich für die etwas größere Bühne angelegt. Plant ihr eine Headliner-Tour für das nächste Jahr?

Momentan wird eine zweiwöchige Tour für nächstes Jahr im Mai geplant. Und wenn alles klappt noch eine Woche im Juni/Juli. Auf Facebook halten wir euch auf dem Laufenden.

Können THEM Festival mittags um 15 Uhr oder würde da deiner Meinung nach viel von euch verloren gehen?

Natürlich war der Gig auf dem diesjährigen "Metalheadz Open Air" bei Sonnenuntergang atemberaubend und für mich der Höhepunkt. Ok, abgesehen von unserer Tour mit Helloween in den USA 2016, das war auch ganz cool. Aber ich denk‘ unsere Songs funktionieren auch bei Sonnenschein. Da wir aber recht zügig nach dem Gig zu Schnaps und Bier übergehen, sind diese Gigs wesentlich anstrengender.

Wie hat man sich das Leben des Musikers Richie Seibel vorzustellen, der in mehreren Bands aktiv ist? Ist deine Arbeit wichtiger als die Musik oder arbeitest du um Musik machen zu können?

Ich habe das Glück einem Job als CAD-Programmierer nachgehen zu können der mir Spaß macht. Daher kann ich nicht sagen: Arbeiten um Musik zu machen. Aber klar, ohne geht's nicht.

Hast du noch Ziele als Musiker, die du gerne erreichen würdest?

Ich denke man sollte als Musiker immer Ziele haben. Vielleicht klappt ja das ein oder andere größere Festival nächstes Jahr. Vielleicht kommt eine neue Sprüh-Schnaps Edition.

Richie, vielen Dank für deine Antworten und die Zeit, die du dir für unsere Leser genommen hast. Wir sehen uns auf der anstehende Tour!

Ich danke Dir, Matthias, fürs Interesse und bis spätestens Frühjahr 2019.

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