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16. Dezember 2018 - Uhr
 
Die Kolumne

THE OCEAN - Phanerozoic I Palaezoic
Band THE OCEAN
Albumtitel Phanerozoic I Palaezoic
Label/Vertrieb Metal Blade Records / Sony
Homepage www.facebook.com/theoceancollective
Verffentlichung 02.11.2018
Laufzeit 47:45 Minuten
Autor David Lang
Bewertung 15 von 15 Punkten
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Erinnert sich noch jemand an den Drogensimulator I-Doser, der vor etlichen Jahren mal durchs Netz geisterte? Dessen Wirkung beruhte angeblich auf sogenannten Binaural Beats, Tnen, die bestimmte Zentren im Gehirn ansprechen, um dem geneigten Hrer die Wirkung diverser Drogen vorzugaukeln. Ich selbst war immer zu ngstlich, um meinen Kopf potentiellen Mindfucks auszusetzen.
Nun kam jedoch vor einigen Wochen, ohne jegliche Vorwarnung, das neue Album des Berliner Musikerkollektivs (NIEMALS Band sagen, das ist, wie ich das verstehe, unausgesprochen abgemacht) The Ocean via iPool-Link zu mir geflattert, und eben jenes kann kaum "verheerender" sein als die Hirnfick-App.
"Phanerozoic I Palaezoic" ist der erste Teil eines - berraschung - Konzeptalbums, dass sich, ebenfalls wie gehabt, weder mit Schwertkmpfern, noch mit Drachen oder dem Krper entnommenen Innereien beschftigt. Das namensgebende Phanerozoikum ist das jngste on der Erde und umfasst einen Zeitraum von 541 Millionen Jahren vor heute bis zur Gegenwart. In diesem Zeitraum kam es bereits zu mehreren Massensterben.
Hauptsongwriter und (hier trifft es mal zu) Mastermind Robin Staps mchte aufzeigen, dass sich Geschichte wiederholt und unser Planet es bereits ohne unser Zutun schaffte, wieder in die Werkseinstellungen zurck zu gehen. Texte liegen mir keine vor, doch das soll die lyrische Seite mal gaaaanz grob umreien.
Doch selbst ohne die vermutlich beeindruckenden Worte wei Studioalbum Nummer 8 erneut zu fesseln, zu begeistern, sprachlos zurck zu lassen. Es ist erstaunlich, was mit Musik alles mglich ist, wie sehr man Menschen mit ihr berhren kann; und ohne elitr klingen oder die Band zu etwas Besserem machen zu wollen, damit meine ich keine am Reibrett entworfenen, billig auf die Trnendrsen drckenden Radiohits.
"The Cambrian Explosion" erffnet in nicht mal zwei Minuten geradezu episch, und doch mit nur einer handvoll Tne - beinahe mantra-artig die Platte, um dann schlagartig in das gleichfalls hypnotisierende "Cambrian II - Eternal Recurrence" zu mnden. Loc Rossettis Gebrll steht im krassen Gegensatz zu Robin Staps' (? oder ist das auch Rosetti?) emotionalem, bisweilen gar zerbrechlichem Klargesang, der den wunderschnen Refrain des Songs trgt. Dieses bezirzende Monster steigert sich konsequent bis zum sensationellen Finale. Das folgende "Ordovicium - The Glaciation of Gondwana" bedient sich, wie auch der Rest dieses beralbums immer wieder der alten Laut-Leise-Dynamik, verpackt in unglaublich spannende Songs. Immer auf dem schmalen Grad von Eingngigkeit und Komplexitt balancierend, zeigen sich The Ocean als wahre Meister des Drahtseils, um mal beim Bild zu bleiben. Sound und Songwriting ergnzen sich auf wundervolle Weise, lsst ersterer den Songs doch gengend Raum, sich voll und ganz zu entfalten. Die Songs haben eine unfassbare Tiefe und man mchte sich wahrlich in ihnen verlieren. Ich kann fr diese Behauptung auch keinen bestimmten Song als Beispiel herauspicken, einfach weil smtliche Songs zum sprichwrtlichen Eintauchen geschaffen sind.
Post-Hardcore, (nette) The Dillinger Escape Plan, Baroness, Mastodon - um nur ein wenig Namedropping zu betreiben, respektive der Versuch Anhaltspunkte zu geben - meint man bisweilen heraus schimmern zu hren, und doch ist dieses Album (erneut) am Ende einfach "nur" The Ocean. Ich habe keine Ahnung, warum diese Band nicht deutlich grer ist, gnnen wrde ich es ihnen jedenfalls. Freue mich jetzt schon auf Teil 2 und all das, was uns noch von diesen fantastischen Musikern / diesem fantastischen Musiker erwarten mag.
   
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