Tristan Harder’s Twilight Theatre – Freizeit sinnvoll nutzen!

Wenn du eine Band hast und keine Konzerte geben kannst ist das doof! Einige Musiker kanalisieren ihre Kreativität und freie Zeit in Projekte und Soloscheiben, so auch Terra Atlantica Sänger /Gitarrist Tristan Harder dem wir wegen seinem Debütalbum nun auf den Zahn fühlten und einige Fragen stellten!

Tristan, mit deiner Band Terra Atlantica seid ihr mitten im Crowdfunding für eure dritte Scheibe die zweite ist gar nicht so alt, warum dann eine Soloscheibe die grob und da machst du ja auch im Albuminfo vom Label keinen Hehl draus, im Fahrwasser deiner Band ist?

Ich hab mich für das Soloalbum entschieden weil sich zwischen der Fertigstellung des Songwritings für das dritte Terra Atlantica Album im Januar und der durch die Finanzierungsfrage bedingten Verzögerung des Beginns der Aufnahmen jetzt im November eine riesige Leere auftat, in der ich einfach keine Musik machen konnte. Auftreten konnten wir ja auch kaum und somit war das für mich das Ventil um diese aufgestaute Energie rauszulassen. Die Songs sind auch teilweise schon sieben Jahre alt und irgendwann muss man sie ja mal verwenden, sonst werden die noch schlecht.

Wie stand eigentlich deine Band zu der Sache hier?

Manche in der Band haben die Befürchtung, dass das Soloalbum besser ankommen wird als die Musik von Terra Atlantica. Die Songs sind zugegebenermaßen etwas kommerzieller und könnten eine breitere Masse ansprechen. Aber selbst, wenn dann ist das hier ja trotzdem keine Konkurrenzveranstaltung. Twilight Theatre ist für mich ein reines Nebenprojekt und ich bin ja nicht Tobias Sammet: R.I.P. Edguy.

Was ist denn ein Twilight Theatre? Muss da immer an die „Twilight Zone“ und Blind Guardian denken die den Begriff auch öfters nutzen!

Also zunächst einmal ist Twilight ein sehr beliebtes Power Metal-Wort siehe Twilight Force. Auf Deutsch bedeutet es Zwielicht, was sowohl für die Dämmerung, also den Beginn von etwas Neuem steht, aber auch für eine Stimmung der Ungewissheit. Das finde ich sehr passend, da es ja für mich ein neues Projekt ist und es in einer Zeit der Ungewissheit oder Pandemie entstanden ist. Außerdem gibt es auf diesem Album so wie in mir selbst, abwechselnd Licht- und Schattenseiten.

Du hast ja wirklich alles selber gemacht, bis auf Chöre und zwei Gastsolos, Respekt! Aber die programmierten Drums, sorry das ist schon bissel steril. Ich halte es ja für löblich, dass es im Info angegeben wurde. Klar ist das eine Kostenfrage, aber musste das denn wirklich sein?

Heutzutage arbeiten erschreckend viele Bands, auch im Metalbereich, mit programmierten Drums. Noch erschreckender ist, dass es vielen Leuten gar nicht auffällt. Ich selber bevorzuge definitiv den Sound von echten Drums, in diesem Fall war es aber eine Mischung aus „Ich weiß nicht welcher Drummer in so kurzer Zeit diese Songs lernen und einspielen kann“ und „Ich will sagen, dass ich wirklich alles selber gemacht habe“, die mich zu der Entscheidung geführt hat.

Ansonsten gefällt mir die Scheibe echt gut, so in der Schnittmenge mittelalte Blind Guardian treffen ebenso alte Edguy und Rhapsody und hauen paar Keyboardfanfaren von Freedom Call dazu. Kannst du dich da wiederfinden?

Absolut! Mittelalte Blind Guardian und alte Rhapsody und Edguy sind meine Haupteinflüsse, vor allem Edguy. Von Freedom Call kenne ich ehrlich gesagt gar nicht so viele Songs, trotzdem werden auch die Songs von Terra Atlantica immer wieder damit verglichen. Na gut man muss zugeben es klingt teilweise wirklich so ähnlich aber das ist eigentlich nicht beabsichtigt. Egal, so lange es gut ankommt (lacht).

Bei deiner Hauptband dreht es sich ja eher um Konzeptalben, was ist denn mit deinem Soloalben, gibt es da einen roten Faden bei den Texten oder ist da jedes Lied anders von den Inhalten her?

Eigentlich war es ja nur eine Zusammenstellung von Songs, die sich mit der Zeit so angesammelt hatten, aber mein überambitioniertes Ich hat dann gesagt „Nee das ist zu billig so“ und hat dann Stunden damit verbracht, diese Songs irgendwie so anzuordnen und zu betexten, dass sie jetzt tatsächlich miteinander einen Sinn ergeben und eine Geschichte erzählen. Die Interpretation dieser möchte ich aber den Zuhörern überlassen.

Promofotos mit Schwert sind eher Retro, siehe Virgin Steeles David DeFeis oder Rhapsody, hat das eine besondere Bedeutung?

Wer meine Musik kennt weiß, ich steh‘ auf Retro. Das Schwert ist wohl eins der wichtigsten Elemente im Power Metal und ich wollte dieses Klischee nicht unbedient lassen. Bei Terra Atlantica kann ich das ja nicht machen, weil es thematisch nicht passen würde und Nico mich davon abhalten würde. Mein Vorbild für das Foto war aber tatsächlich Luca Turilli aus der frühen Rhapsody-Ära.

 Siehst du die Scheibe hier als einmalige Sache oder planst du in Zukunft zweigleisig zu arbeiten? Würdest du damit auch auftreten wollen?

Ich hätte schon Lust darauf, ein weiteres Album zu machen, dann aber mit richtig vielen Gastsängern und auch mit echten Drums. Ausschließen würde ich es auf keinen Fall aber da muss ich gucken, wieviel Zeit ich in Zukunft dafür haben werde. Jetzt stehen erstmal die Terra Atlantica Aufnahmen an und dann geht es ja nächstes Jahr auch auf Tour.Dennoch bin ich tatsächlich gerade am Überlegen, ob ich für mein Soloalbum im Januar eine Releaseshow veranstalte. Das hängt davon ab, ob ich genug Musiker finde, die in der Lage sind, diese Songs auch live zu spielen. Lassen wir uns überraschen!

Verdient hätte es die Musik schon, besonders echte Drums währen in Zukunft ein wirkliches Muss was die gute Musik verbessern würde!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)