Tyrant’s Curse – One Man Army Underground

Andreas Leyer ist Tyrant’s Curse! Der Musiker der auch bei den Ruhrpott Metallern Ignition Bass spielt und mit jenen live auftritt hat hier seine ganz eigene und interessante Baustelle die für meine Ohren überraschend spannend und originell klingt. Grund genug dem hauptberuflichen Lehrer ein paar Fragen zu stellen.

 Wie kam es denn, dass du der ja bei der auch gar nicht schlechten Power Metal Band Ignition Bass spielst nun seit 2019 die One Man Army Tyrant’s Curse noch am Start hast?

Bei mir dreht sich schon immer alles um die Musik. Die ersten Tyrant´s Curse Songs vom ersten Album „Symbiosis“ sind schon vor meiner Zeit bei Ignition entstanden. Ich brauchte einfach ein Ventil und da ich musikalisch mal etwas Neues ausprobieren wollte, entschied ich mich dazu, einfach unter einem anderen Namen was aufzunehmen. Das daraus jetzt zwei Alben entstanden sind, war damals noch gar nicht geplant. Zu der Stelle als Bassist bei Ignition bin ich 2018 ja auch irgendwie wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, als sie einen Aushilfsbassisten für die damals anstehende Tour mit Motorjesus suchten. Ich sollte mit meiner Band Sinforce zusammen mit Ignition spielen, doch leider sind meine Bandkollegen alle krank geworden und ich bin alleine zum Konzert gefahren und habe die Jungs dort kennengelernt. Später habe ich mir noch ein Patch für die Kutte bei ihnen bestellt und Schally, der Sänger, fragte mich, ob ich nicht auch Bass spielen könnte. So kam eins zum anderen und seitdem bin ich dabei.

Laut dem Internet spielst du noch bei Sinforce und 12Arms. Wie aktiv betreibst du das Alles?

12Arms und Sinforce sind beide zurzeit nicht aktiv. Beide Bands betreibe ich mit Freunden aus meiner Heimat Leverkusen, mit denen ich mittlerweile seit über 20 Jahren Musik mache. Allerdings fehlt da so ein wenig der Ansporn wirklich viel Zeit zu investieren und wir freuen uns auch einfach, wenn wir mal zusammen im Proberaum sind und ein Bierchen trinken. Das ist auch völlig ok und sie haben sich auch alle für mich gefreut, als ich die Möglichkeit genutzt habe, bei Ignition einzusteigen. Die Jungs von Ignition sind alle genauso musikverrückt wie ich und wollen das Ding mit allen Mitteln nach vorne schieben und investieren dafür auch die nötige Zeit. Somit habe ich zurzeit nur Ignition und Tyrant´s Curse. Sobald es aber wieder möglich ist, live zu spielen, liegt meine Priorität auf Ignition. Tyrant´s Curse ist bislang nur ein Studioprojekt, aber man weiß ja nie, was noch passiert.

Warum hast du keine Mitmusiker, ist das bewusst als 1 Man Band und Studioprojekt angelegt? Hast du alles selber eingespielt, auch die Drums?

Tyrant´s Curse ist bewusst als Ein Mann Projekt gedacht, weil ich mich da komplett ausleben kann, ohne Absprachen treffen zu müssen oder Kompromisse eingehen zu müssen. Ich habe bei den Songs klare Vorstellungen und weiß, wie ich die Songs haben will. Eine komplette Band ist Teamwork, was auch super ist und was ich bei Ignition auch total genieße. Bei Tyrant´s Curse verfolge ich aber meine Vision. Die Drums sind auf der Platte nicht echt, da hören meine Fähigkeiten auf und im Studio mit einem echten Schlagzeuger zu spielen, wäre natürlich ein Traum, sprengt aber vor allem meine finanziellen Möglichkeiten. Ich finde aber, dass Shasank Venkat (Against Evil), der das Album gemischt und gemastert hat, einen fantastischen Job gemacht hat und die Drums echt gut klingen.

In der Tat! Ehrlich gesagt habe ich gar keinen Bock mehr, wenn bekannte oder auch Underground Musiker mit Band noch eine Nebenspielwiese haben besonders wenn diese stilistisch nicht so weit von der Band weg ist. Aber deine Scheibe finde ich echt klasse und spannend! Konntest du keine Lieder bei anderen Bands unterbringen?

Vielen Dank, das freut mich sehr, dass dir die Platte gefällt. Ich weiß, was du meinst, so nach dem Motto, wenn die Kohle mit der einen Band nicht reicht, haue ich mal schnell was Eigenes raus. Wie gesagt, Tyrant´s Curse sind mein Ventil. Dabei geht es auch nicht darum, dass ich mich ins Rampenlicht stellen will und zeigen will wie toll ich bin. Ich brauche neben meinem Alltagsberuf als Lehrer einen kreativen Gegenpol und nehme deshalb Songs auf, ob die jetzt irgendwann veröffentlicht werden oder nicht, spielt im ersten Moment keine Rolle. Ich habe auch noch einiges an Musik auf meinen Festplatten, die nie nach außen gedrungen sind und trotzdem zum Zeitpunkt der Entstehung wichtig für mich waren. Bei „Modern Babylon“ habe ich auf gut Glück einfach mal drei Songs an Oliver von Doc Gator geschickt, um mal ein Feedback zu bekommen. Der war sofort begeistert und wollte die auf Vinyl rausbringen, womit sich natürlich ein Traum von mir erfüllt hat, die erste komplett eigene Scheibe auf Vinyl, unglaublich. Mit Ignition haben wir beide Platten ja auch als Vinylversion veröffentlicht und das ist schon ein geiles Gefühl deine eigene Scheibe in dem Format in der Hand zu halten. Dass mit Ragnarök Records auch noch ein Label dazugekommen ist und die Scheibe auf CD veröffentlicht, ist natürlich grandios. Tatsächlich sind aus meinen Aufnahmesessions zu „Modern Babylon“ auch Songs in der Auswahl für die nächste Ignition Platte gelandet. Wenn ich das Gefühl habe, die könnten passen, dann zeige ich die den Jungs und wenn sie ihnen gefallen, nehmen wir die erstmal mit auf. Es gibt aber auch viele Songs, die für mich einfach Tyrant´s Curse sind. Auch wenn beide Bands jetzt musikalisch nicht meilenweit voneinander entfernt sind, gibt es für mich klare Ignition und klare Tyrant´s Curse Songs.

Hat der Namen eine spezielle Bedeutung oder wolltest du nur nach Metal und Fantasy klingen? Ist ja schwer heute mit einem Wort das zu machen da alle Namen quasi vergeben sind!

Das war tatsächlich so, dass ich einfach nach einem Namen gesucht habe, der nach Metal klingt. Der Name an sich hatte bei der Findung also keine tiefergehende Bedeutung.

In Sachen Artwork hebst du dich ja schon von anderen Acts dieser Sparte ab. Das würde auch diversen Thrash oder Death Metal Truppen gutstehen. Wie bist du denn an das coole Artwork gekommen und hat es eine bestimmte Aussage?

Ich liebe das Artwork! Über Oliver von Doc Gator Records bin ich mit Andrej Bartoluvic von All Things Rotten in Kontakt gekommen. Der zeichnet unfassbare Cover, allerdings tatsächlich vor allem für Thrash und Death Bands. Ich habe ihn dann gebeten, dass das Cover nicht zu splattermäßig und zu blutrünstig sein soll, da es sonst gar nicht zur Musik passt. Ich hatte auch keine genaue Vorstellung davon, wie das Cover aussehen sollte und nur die Idee von einem modernen Turm, in Anspielung auf den Titel, in einer dystopischen Umgebung im Kopf und habe ihm dann freie Hand gelassen. Das Ergebnis ist fantastisch geworden und passt auch zu den Texten, ohne dass er sie kannte.

Ehrlich gesagt habe ich mich nicht mit deinen Texten zu „Modern Babylon“ bisher beschäftigt! Was willst du uns darüber erzählen, wie wichtig sind dir diese und was willst du damit ausdrücken?

In meinen Texten schreibe ich über alles, was mich so bewegt und über was ich mir Gedanken mache. Das können Geschichten aus Büchern oder Filmen sein, die mich inspiriert haben oder auch mein Blick auf das Geschehen um mich herum. Bei der Überlegung, wie die Platte heißen könnte ist mir aufgefallen, dass viele Texte davon handeln, wie leichtfertig wir Menschen mit uns und der Welt umgehen, so als könnte uns nichts anhaben, eine Art moderne Hybris, die sich z.B. im Titelsong wiederfindet. Genauso vermisse ich den gegenseitigen Respekt und die Wertschätzung im Umgang miteinander. Das verpacke ich dann manchmal in verschiedene Geschichten. Als ich vor zwei Jahren in den USA war, wurden am Flughafen immer die Veteranen aufgerufen und zuerst ins Flugzeug gelassen und ihnen dann immer für ihren Dienst gedankt. Wenn man dann durch die Städte läuft und sieht wie viele von denen dann auf der Straße leben, fragt man sich schon, wo da der Respekt und die Wertschätzung ist. Daraus entstand z.B. der Text zu „Fields Of Gold“.

Stilistisch fällt es mir schwer die Einflüsse rauszuhören, was auch besser ist als wenn Tyrant’s Curse sehr nach X oder Y klingen würde. Welche Acts haben denn deine Musik direkt inspiriert?

Inspiriert werde vor allem von meinen „alten“ Helden, also Bands wie (alte) Helloween, Dream Theater, Fates Warning, Iron Maiden und vor allem Queensryche. Allerdings nehme ich mir nie vor, jetzt genau einen Song zu schreiben, der so klingt wie eine dieser Bands. Das machen die perfekt, da braucht es nicht noch eine x-te Kopie (obwohl es viele „neue“ Bands gibt, die das hervorragend machen und tolle Alben veröffentlichen). Von den Leuten, die die Platte bisher gehört haben, kamen auch Kommentare in diese Richtung, von wegen, der eine Song erinnert mich irgendwie an Queensryche oder so. Aber auch Iced Earth wurde mal genannt, die ich zwar geil finde, aber zum Zeitpunkt des Songwritings gar nicht im Kopf hatte. Ich würde generell sagen, dass Leute, die Traditionellen, (US-) Power Metal mit einem leichten Hang zu epischen mögen, Gefallen an der Platte finden werden. Ich will mich beim Schreiben der Songs auch gar nicht groß limitieren, die Art wie ich singe rückt das Ganze eh irgendwie in die Power Metal Ecke, weshalb ich den Inhalt deiner Frage auch als Kompliment sehe. Die Leute haben bei plakativen Genrebeschreibungen oft direkt eine Vorstellung, die mit bestimmten Bands verknüpft ist im Kopf und wundern sich dann, wenn die Platte nicht so klingt. Für mich ist das nicht entscheidend und ich freue mich, wenn ich eine Platte höre, die eben nicht jedes Klischee bedient und mich immer mal wieder überraschen kann.

Im Internet habe ich mal kurz in das Debüt reingehört, aber was denkst du wo sind die Unterschiede zwischen „Symbiosis“ und „Modern Babylon“?

Man kann das vielleicht als „erwachsen“ werden bezeichnen, auch wenn das vielleicht ein wenig abgedroschen klingt. Bei „Symbiosis“ habe ich zum ersten Mal mit tiefer gestimmten Gitarren gearbeitet und wollte gezielt moderner und härter klingen, als ich das bis dahin mit meinen anderen Bands gemacht habe. Das war durchaus auch gesanglich für mich eine Herausforderung, weil ich mich nicht konsequent im high-pitched Bereich aufhalten konnte, wie beispielsweise zuvor bei Sinforce. Rückblickend würde ich vieles anders machen. Bei „Modern Babylon“ bin ich deutlich fokussierter an die Songs rangegangen und wollte mehr ausprobieren, mich auch musikalisch mehr trauen und die Songs deutlich abwechslungsreicher gestalten.

Was planst du denn generell für die nächste Zeit mit deinen Bands und deiner Musik?

Wie gesagt, bestimmt Musik mein Leben. Ich hoffe natürlich erstmal, dass „Modern Babylon“ bei den Leuten gut ankommt und vor allem Doc Gator Records und Ragnarök Records für ihren Mut und ihr Vertrauen belohnt werden, eine bis dahin unbekannte Ein-Mann Band zu signen und die Platte rauszubringen. Das ist heutzutage, wo erstmal wichtig ist, wie viele Youtube Klicks, Instagram und Facebook Likes eine Band mitbringt, nämlich alles andere als selbstverständlich und es macht mich sehr stolz und ich bin unglaublich dankbar, mit solchen Idealisten und Metal Enthusiasten zusammenarbeiten zu dürfen. Ich schreibe zurzeit auch schon wieder an neuen Songs für Tyrant´s Curse für das nächste Album. Ansonsten besteht natürlich die Hoffnung, dass es irgendwann wieder möglich sein wird, live zu spielen. Mit Ignition haben wir letztes Jahr ein von der Presse hochgelobtes Album („Call Of The Sirens“) rausgebracht und konnten nicht live spielen, was natürlich total scheiße war. Wir schreiben zurzeit einfach an Album Nummer 3, um die Zeit sinnvoll zu nutzen und wenn wir wieder dürfen, wollen wir natürlich so viel wie möglich unterwegs sein. Ich glaube bei den ersten Konzerten werden wir förmlich explodieren. Da könnt ihr euch auf einiges gefasst machen.

Da freuen wir uns drauf und die Truppe Ignition kann ich auch nur empfehlen!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)