Nergard – mehr Live und als Band!

Die nach dem schwedischen Musiker Andreas Nergard benannte Formation Nergard hat bisher zwei Alben als Allstargruppe herausgebracht und ist nun mit neuem Label, fester Besetzung und neuer dritter Scheibe „Eternal White“ am Start. Wir sprachen mit Bandboss und Multiinstrumentalist Andreas Negard über gestern und heute, sowie das Genre Symphonic Metal an sich!

Andreas, Nergard ist ein Projekt benannt nach deinem Familiennamen. Es ist anscheinend ein Studioprojekt, deine andere Combo Rudhira scheint etwas inaktiv, oder ist sie Geschichte?

Nergard war beides, ein Studio und Liveprojekt bisher. Aber der Focus war eher auf dem Studiopart. Wir haben keine Tournee gespielt, aber 8-10 Konzerte gespielt. Für Stratovarius auf dem „Trondheim Metal Fest“ zu eröffnen war ein Highlight! Rudhira ist seit fünf Jahren inaktiv und wird wahrscheinlich nie wieder aktiv werden. Wir haben nie ein offizielles Statement darüber veröffentlicht. Nach unserem Debüt haben wir viel geprobt und Lieder geschrieben sind aber nie in ein Studio gegangen oder haben Konzerte gespielt was für mich die Motivation gekillt haben weiterzumachen.

Verständlich! Einige Kollegen von mir haben den beiden Vorgängerwerken gute Punktzahlen gegeben, da hattest du auch einen Haufen bekannter und talentierter Gastmusiker an Bord. Hast du das wegen den sicherlich hohen Kosten jetzt gestoppt? Übrig blieb ja nur Tim „Ripper“ Owens den ich sehr mag bei zwei Liedern. Die großen Namen fehlen, aber ich denke auch nicht, dass die Scheibe es braucht, auch wenn die Vokalisten unbekannt sind empfind ich diese als echt gut!

Du hast Recht mit den Kosten! Diese Allstarsache ist extrem kostspielig. Das war aber nicht der Hauptgrund für das Zusammenstellen eines stabilen Line-Up! Die Zusammenarbeit mit Gastmusikern war der Hauptgrund als ich das Projekt 2010 startete. Ich wollte mit den Künstlern zusammenarbeiten die meinen persönlichen Musikgeschmack geformt haben. Meine Helden mit denen ich aufgewachsen bin! Leute wie Göran Edman, Tony Mills, Ralf Scheepers, Mike Vescera etc. Ich hatte die Ehre mit einer Menge von ihnen zu arbeiten. Das neue Album „Eternal White“ war gedacht als Allstar Album, aber in der Jahresmitte 2020 realisierte ich das ich eine Änderung brauche!  Allstar Projekte und Metal Operas poppen überall auf und ich bin davon echt müde um ehrlich zu sein! Ich bin nicht in der Lage mit diesen Projekten mich zu verbinden wie mit einer Band! Versteh mich bitte nicht falsch – musikalisch mag ich viele von diesen Projekten. Jedoch bin ich müde überall diese vielen Namen uzu sehen als Gäste. Da ist dann ja gar kein Alleinstellungsmerkmal mehr vorhanden! Ich merkte das ich Nergard in eine neue Richtung lenken musste und ein stabiles Line-Up brauche. Eine Band zu gründen anstatt eines Projektes! Da gibt es nichts Eigenständigeres und ich hoffe die Fans können sich nun besser auf Nergard einlassen.

Es scheint das Line-Up ist stabil, wieso ist dann Tim Owens am Start?

Tim nahm seine Parts für „Eternal White“ auf bevor ich mich entschied von dem „Allstarwagen“ Abstand zu nehmen. Nachdem ich das neue Line-Up zusammengestellt habe wollte ich seine Abschnitte mit den anderen Sängern kombinieren um neue Elemente in Lied und Album zu bringen. Einen Gast zu haben ist natürlich auch eine Art Promotion sicherlich, aber ich bin Fan von ihm seit Jahren und mit Tim zu arbeiten stand schon lange Zeit auf meiner Liste!

Bitte vergleiche die neue Scheibe mit den beiden Vorgängeralben aus deiner Sicht!

Meine beiden Vorgängerscheiben waren etwas anders, hier wurde in den Sparten Heavy Metal, AOR und Progressive-Rock gearbeitet. Das allgemeine Gefühl dieser beiden Alben ist das sie viel softer als „Eternal White“ sind. Als ich das neue Werk schrieb wollte ich in eine andere Richtung mit einem metallischeren Symphonic Klang. Ich wollte es auch vermeiden zu viele Elemente einzubauen und mich auf den Symphonic Metal zu konzentrieren vom ersten bis zum letzten Lied.

Es ist sehr selten, dass ein Presseinfo die Wahrheit so konkret anspricht wie der Künstler klingen soll. Bei Nergard gibt es einen Vergleich als Mix aus den großen Namen von Avantasia, Kamelot und Nightwish. Aber das ist genau das was ich gedacht habe! Auch mit ein paar Growls die solche Bands nicht haben, eher Kamelot als Gast ab und an. Ich denke du klingst wie ein fehlendes Bindeglied zwischen diesen Acts nur mit größeren Metalanteil! Was sind denn deine Einflüsse für die Scheibe hier?

Ich bin froh, dass du denkst dieser Vergleich ist auf den Punkt! Diese drei Acts waren ein sehr großer Einfluss auf mich für viele Jahre und es ist einfacher diese auf „Eternal White“ herauszuhören als auf den beiden Vorgängerwerken! Meine Einflüsse für den Musik und Stil der Scheibe sind vielfältig. Neben den drei erwähnten Acts muss ich noch Helloween und Stratovarius erwähnen. Ich bin auch sehr beeinfluss von Filmscore Komponisten wie Hans Zimmer oder Howard Shore. Das hörst du vielleicht nicht in der Musik, aber diese hat diesen bombastischen, epischen theatralischen Klang den du auch in den Filmen für die jene Komponisten schreiben findest.

Was trieb dich denn dazu eine ganze Scheibe und nicht nur einen Song über einen für mich unbekannten und tragischen Krieg im Jahre 1719 (!) in Skandinavien zu machen? Wolltest du die Brutalität des Krieges zeigen?

Ich war schon immer ein Geschichtsfan wie so viele Songwriter in meinem Genre. Als ich aufgewachsen bin dem Gebiet wo dieser Krieg passiert ist empfand ich es als natürlich darüber zu schreiben. Es ist eine dunkle, tragische Geschichte die absolut perfekt zu meinem Songwriting und dem Symphonic Metal Genre passt. Die Story basiert auf einem Krieg wo ein Soldat heim wollten zu Frau und Kindern. Er hatte eine Erleuchtung und realisierte das er viele Jahre für eine Lüge gekämpft hat. Betrogen von seinem König der sich nicht um sein Wohlbefinden schert, eine Figur in einem großen politischen Spiel. Das ist eine Geschichte die im Grunde niemals alt wird. Der gewöhnliche Soldat hat bei solch einem Ränkespiel immer am meisten zu verlieren.

Hast du eigentlich immer so realistische Texte, viele Acts mit deiner Art von Musik sind ja eher mit Fantasytexten bestückt?

Die Texte sind sehr realistisch und ich denke auch sehr anders von den vielen auf Fantasy basierenden Bands. Ich wollte niemals Fantasytexte schreiben, da ich denke die würden echt scheißen werden (lacht). Die Texte sind sehr realistisch und ich denke sie sind sehr unterschiedlich zu anderen Fantasy orientierte Bands. Da gibt es eine Menge großartige Truppen die das schon machen wie Rhapsody Of Fire zum Beispiel. Ich glaube, dass solche Texte erwartet werden, wenn man so Musik wie ich schreibt, das funktioniert aber für mich nicht! Aber wer weiß was in der Zukunft passieren wird. Vielleicht schreibe ich irgendwann mal solche Texte!

Magst du eigentlich Kategorien der Sorte Symphonic Metal, Konzeptalbum, Allstar Projekt oder Metal Opera für deine Alben?

Vielleicht alle bis auf die Allstar Projekt Kategorie! Die neue Version von Nergard ist ja eine Band und kein Projekt mehr!

Neben der Pandemie haben Studioprojekte oft oder sollte ich sagen generell das Problem ihre Alben gut zu promoten. Was sind denn deine Anstrengungen in der Vergangenheit oder Zukunft deine Musik zu promoten? Qualität zählt ja in dieser Zeit ja nicht so viel, wenn jeden Monat vielleicht 100 Alben erscheinen!

Meine Promotion Aktivitäten waren die letzten Jahre nicht sehr großartig um ehrlich zu sein! Das war auch deshalb, weil ich sehr unerfahren war und einfach nicht wusste was mich machen sollte. Ich habe viele Pläne um das Album hier zu promoten, aber wie du sagtest heute zählt nicht Qualität allein, im Ozean der Veröffentlichungen musst du hart arbeiten um relevant für mehr als ein paar Tage zu sein! Ich schaue nach vorne und werde mit meinem neuen Label Pride & Joy Music arbeiten bei dem ich denke das dieses Album die Promotion bekommt die es verdient! Die Band arbeitete hart an Studiodokumentationen, Videos und anderen Dingen. Es werden noch viele spannende Dinge kommen! Auch werde ich, wenn die Pandemie geendet hat das Album mit Konzerten bewerben.

Was sind deine Zukunftspläne für Nergard?

Für die Zukunft plane ich aktiv mit Nergard für Jahre zu sein, ab und an neues Material zu schreiben und mehr Liveshows zu spielen. Ich habe richtig Lust darauf in Europa mit einem stabilen Line-Up zu touren. Das ist nun possibler als zuvor!

Schön zu hören!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)