PARIS – Eisen 5 oder Holz 3?

Frankreich spielt auf der Melodic Rock-Landkarte ja wirklich eine kaum beachtete Rolle. Hier im Land des guten Weins und der leckeren Croissants stehen ja eher Pop und Chansons auf den Playlists und in den Charts, sieht man von internationalen härteren Größen wie AC/DC oder Deep Purple einmal ab. Deshalb fand ich es mal zwischendurch richtig klasse, mit dem Projekt PARIS, witzigerweise nach der französischen Hauptstadt benannt, einen AOR-Act auf die Ohren zu bekommen, der mit „50/50“ bereits das dritte englisch-sprachige Studioalbum veröffentlicht. Chef des mit einigen Studiomusikern aufgepeppten Duos ist Frédéric Dechavanne, der sein Geld als Lehrer auf den Greens dieser Welt verdient, denn er ist ein in Fachkreisen sehr bekannter Profi-Golfer! Dass er in den Golf-Clubs und luxuriösen Golf-Hotels in Europa abends den Bar-Pianisten und Sänger gibt, habe ich zugegebenermaßen erst kurz vor diesem netten Interview während der Vorbereitung aus dem Internet erfahren!

Frédéric, leider muss ich dich immer noch nach deinem/euren Gesundheitszustand befragen. Es nervt nach einem Jahr Corona sehr, doch möchte ich meine Höflichkeit nicht außer Acht lassen, es ist ja immer noch ein großes Thema und hat schließlich große Auswirkungen auf die Musikszene.

Ja danke, alles gut, wir sind gesund und fühlen uns wohl. Die größte Herausforderung besteht ehrlich gesagt momentan nicht darin, das Virus fernzuhalten, sondern psychisch gesund zu bleiben. Die Musik hilft mir sehr dabei!

Das glaub ich gerne, ich bin mir sicher, dass es hier auch den meisten so geht, aBgesehen natürlich von der wirtschaftlichen Situation in der Musikbranche! Apropos, warum meinst du, spielt die englischsprachige Rockmusik bzw. bei euch in Frankreich eine so viel kleinere Rolle als im restlichen Europa? Gerade in Skandinavien ist die Zahl der Bands fast unüberschaubar! Es gab da zwar mal die Power Metal-Band Invictus, die ich vor zig Jahren mal interviewte, aber mittlerweile leider von der Bildfläche verschwunden sind.

Invictus kenne ich nur vom Namen her, wusste noch nicht mal, dass sie auch aus Frankreich waren. Mir persönlich ist es ehrlich gesagt auch egal, aus welchem Land die Gruppen oder Künstler kommen, Hauptsache die Musik berührt mich. Aber du hast Recht, hier gibt es bedauerlicherweise nicht so viele Melodic Rock-Bands. Die Gründe kenne ich allerdings auch nicht.

Die zweite Überraschung war für mich, als mein Player die Laufzeit eurer Platte mit 50 Minuten und 50 Sekunden anzeigte! Das kann doch kein Zufall sein, oder? Habt ihr die Scheibe etwa aus diesem Grund so genannt?

Jetzt willst du mich auf den Arm nehmen, oder? Wir haben das tatsächlich nie nachgemessen oder mit Absicht so hingebogen! Ich werde das gleich mal kontrollieren, das ist ja sowas von cool! Nein, der Titel „50/50“ ist dem Projekt PARIS geschuldet und zusammen mit meinem besten Freund und Mitmusiker Sébastian Monet gewidmet, mit dem ich jetzt seit 50 Jahren gemeinsam um die Häuser ziehe. Wie die Zeit doch vergeht!

Ebenfalls überraschend ist für mich die Tatsache, dass ihr auf eurer neuen Platte keine echte Ballade bringt, obwohl du ja von Haus aus Pianist und Keyboarder bist und es doch irgendwie auch zum guten AOR-Ton gehört.

Ach ja, irgendwie sind wir beide nicht so scharf darauf, so viele richtige Balladen zu schreiben, wir mögen einfach das Midtempo mehr und stehen auf die etwas flottere Variante der Musik, auch für die etwas ruhigeren Stücke…allein rhythmisch gesehen. Auf unserem zweiten Album gab es ein paar mehr ruhigere Momente als bei „50/50“ wie etwa „For The Time Still To Come“, aber diesmal haben wir uns dafür entschieden, eher unseren rockigen Vorlieben nachzugehen. Wir sehen es als eine Momentaufnahme.

In den Credits sind mir dann doch zwei auch hier sehr bekannte Musiker aufgefallen, und zwar Robert Säll von Work Of Art und der Brite Steve Newman. Wie kam es zu dieser Konstellation?

Wir lernten uns schon während der Arbeiten zu unserer ersten Platte „Only One Life“ kennen, die Alessandro Del Vecchio produzierte. Er stellte damals den Kontakt her. Wir blieben die ganzen Jahre in gutem Kontakt, Steve Newman hat dann auch unser zweites Album „The World Outside“ produziert. Steve arbeitet schon einige Zeit des Öfteren in Schweden und freundete sich mit Robert Säll an. Es ist ein sehr unkompliziertes und überaus nettes Arbeiten mit Steve und Robert, weshalb es eine gute Entscheidung war, beide gemeinsam für unser neues Album gewonnen zu haben.

Wie sehen eure Zukunftspläne mit PARIS aus? Habt ihr vielleicht vor, auch mal vor Publikum aufzutreten, wenn das nach der Pandemie wieder möglich sein wird?

Eigentlich ist es nicht unsere Intension, mit PARIS live als Band aufzutreten. Sébastian und ich verstehen uns in erster Linie als Songwriter und Studio-Musiker. Klar, am Anfang haben wir auch mal von der großen Bühne geträumt und darüber auch kurz gesprochen. Das wäre natürlich sehr cool und man sollte niemals nie sagen, also warten wir einfach mal ganz entspannt ab. Aber geplant ist es eher nicht, momentan kann ja sowieso niemand irgendetwas planen.

Wie entstehen denn eure Lieder und was sind dabei die wichtigsten Einflüsse?

Unsere Musik ist, wie ich eben schon andeutete eine Zusammenarbeit zwischen Sébastian und mir, wir arrangieren und schreiben alle Songs gemeinsam. Dann lassen wir unseren Gastmusikern, im aktuellen Fall zum Beispiel Drummer Rob McEven oder Bassist Dave Bartlett alle Freiheiten, ihren Input einzubringen. Insgesamt ist es ein kreativer Prozess, den wir uns aufteilen. Besondere Einflüsse habe ich nicht, ich bevorzuge den Melodic Rock in Gänze. Ich bin sehr froh darüber, dass es zurzeit eine so große Auswahl an guter Rockmusik gibt, so wird es nicht langweilig. Es ist momentan sehr leicht, für wenig Geld und einen geringen Aufwand Musik zu produzieren, das ist auf der einen Seite natürlich prima! Aber die negativen Seiten sind mir natürlich auch bewusst. Und genau so läuft der Wettbewerb und ist eine schwierige Aufgabe gleichermaßen: Halte die Motivation hoch, qualitativ gute Musik mit einem geringen Aufwand zu machen, in einer schwierigen Zeit, in der sich das Musikgeschäft in ständigem Wandel befindet. Das wird interessant zu beobachten.

Ein sehr interessantes Thema, über das man Seiten füllen könnte! Du bist zwar in Sachen Musik ein Profi, allerdings verdienst du dein Geld nicht hauptsächlich mit PARIS, ist das korrekt?

Ja genau, du bist gut informiert. Eines meiner Einkommen bestreite ich als Bar-Pianist, das jedoch wegen der Pandemie leider auch auf Eis liegt. Daneben verdiene ich noch mein Geld als professioneller Golfspieler, der auch Unterricht gibt. Momentan ist das jedoch aufgrund des Winters sowie der Corona-Situation auch eher eine schwere Zeit.

Dann „Merci beaucoup!“  für deine offenen Worte und ein sehr interessantes Interview! Schade, dass ich als geborener Saarländer meine Französisch-Kenntnisse über die Jahre verloren habe…die Sprache war auch nie meine Leidenschaft ehrlich gesagt. Dafür mag ich euren Wein sehr gerne! Vielleicht treffen wir uns eines Tages auf ein gutes Glas Rotwein von der Loire! Bonne Chance Frédéric avec PARIS!

Das hört sich richtig gut an! Ein Glas Rotwein jederzeit gerne! Herzliche Grüße nach Deutschland!

Die Melodie muss stimmen!