Squealer – nicht wirklich verrückt!

10 Alben, seit Mitte der Neunziger am Start und immer in der Schnittmenge zwischen Power und Thrash Metal – Squealer aus Hessen haben schon einiges hinter sich. Zwei Sänger sind schon verstorben. Aber die Herren haben nie aufgegeben! Ich sprach über die Band und das neue Werk mit Gitarrist Lars Döring.

 Das neue Album „Insanity“ ist gar euer 10. Werk! Glückwunsch. Ist das Wahnsinn für euch, also unglaublich, oder wie soll ich den Titel deuten?

Momentan ist irgendwie alles Wahnsinn. Politik, Lockdown, Verschwörungstheorien, Konflikte in und zwischen Staaten, Umgang mit Social Media usw. Das neue Album ist für uns natürlich wahnsinnig wichtig. Bei „Behind Closed Doors“ hatten wir viel Zeit zum Komponieren und Fertigstellen, jetzt galt es zu zeigen, dass wir mit der aktuellen Truppe in der Lage sind zeitnah noch einen drauf zu setzen. Inhaltlich behandelt das Album verschiedene Themenbereiche, welche jedes für sich schon als Wahnsinn bezeichnet werden kann. Der Albumtitel lässt also Raum für Deutungen.

Ist euch beim Artwork nichts eingefallen, oder warum habt ihr zu einem Bandfoto gegriffen?

Wir haben jahrelang überlegt bis wir fast wahnsinnig (und schon sind wir wieder beim Albumtitel) geworden sind und haben dann in letzter Sekunde die Reißleine gezogen. Nein im Ernst, wenn man sich die Veröffentlichungen so anschaut, dann sind da sicher viele sehr gute Cover dabei, aber so ein klassisch designtes Cover geht auch schnell in der Menge unter. Wer hat sich denn in den letzten Jahren im Metal getraut ein Bandfoto auf das Cover zu setzen? Nicht viele, wir tun es jetzt.

Euer Line-up ist zum Glück seit einigen Jahren stabil, wenn man von der Besetzung eures neuen Drummers Peter Schäfer absieht, wie kam das denn? Immerhin war mit Martin Winter sogar ein ehemaliger Schlagzeuger 2018 zu euch zurückgekehrt!

Als Martin wieder in die Band kam haben wir den Slogan von „Game of Thrones“ „Winter is coming“ übernommen. Aber Jahreszeiten kommen und gehen. So ist es nun mal. Squealer hat bezüglich Drummer schon eine außergewöhnliche Historie. Woran es liegt kann man nicht pauschal sagen, aber wenn es einen Preis für den höchsten Drummer Verschleiß in der Metalszene gibt, sind wir sicher ganz vorne mit dabei. Den Songwriting Prozess beeinflusst das aber schon lange nicht mehr. Peter macht schon viele Jahre Musik und Michael und Sebastian kennen ihn schon lange. Er hatte nur ein paar Wochen Zeit um sich das ganze Material drauf zu schaffen und einzuspielen. Diese Aufgabe hat er mit Bravour gemeistert. Nachdem er auch die älteren Sachen superschnell auf die Reihe bekommen hat, ist er nun fest dabei.

Musikalisch seid ihr euch aber mit der Mischung aus klischeefreiem Power Metal und Thrash treu geblieben, oder siehst du das anders?

Ich sehe das ganz genauso. Und so bleibt es auch mit dem neuen Album. In erster Linie wollen wir Songs und Alben schaffen, die auch uns selbst gefallen und dazu gehört immer eine gute Mischung. Viele Profis raten dazu möglichst bei einer Sache zu bleiben um erfolgreich zu sein. Vielleicht haben sie recht, aber uns ist das zu langweilig. Unsere Fans sind ebenfalls vielschichtig und finden auf jedem Album abwechslungsreiche Songs, aber immer im Fahrwasser von Power und Thrash Metal mit dem gewissen Schuss Squealer. Wir sind frei und tun was wir für gut befinden.

Auch der Sound ist in den bewährten Händen von Roland Grapow (Mix und Mastering). Viele Bands die ich kenne schwören auf den Masterplan Gitarristen, ihr arbeitet ja auch nicht erst seit gestern mit ihm zusammen, oder?

Nein, auch bei unserem letzten Album „Behind Closed Doors“ hat er den Mix vorgenommen. Wir sind sehr glücklich damit und daher gab es für das neue Album keine Diskussion ihn wieder zu fragen. Außerdem pflegt insbesondere Michael einen guten Kontakt zu Roland und so besteht ein großes Vertrauensverhältnis. Wir haben ihn machen lassen und es hat alles gepasst.

Bei der abschließenden Ballade „Black Rain“ habt ihr ja einen Haufen an Gastmusikern am Start, Roland Grapow, Zak Stevens (Savatage, Circle II Circle) und auch Bernhard Weiß von Axxis: Wie kam es denn dazu? Das gehört ja heute abseits von diversen Konzeptalben ja oft zum guten Ton diverse Gäste auf einem Album zu haben! 

Die Kontakte bestanden schon länger und wir haben einfach das Gefühl gehabt, daß es bei diesem Song super passt, noch andere Musiker mit einzubinden. Der Idee zu dem Ganzen kam sehr kurzfristig. Das Studio war schon gebucht, als dieser Song entstanden ist. Michael hat den Song Demo mäßig eingesungen, an Zak und Bernhard geschickt und gefragt ob sie sich vorstellen können die jeweiligen Parts zu singen. Sie fanden die Idee cool und so wurde es dann halt gemacht. Dann haben wir Roland gefragt, ob er über den Outro Chorus noch ein tolles Solo spielen möchte, was er dann ja auch gemacht hat. Uns war wichtig, Leute zu finden die auch Spaß an dem Song haben. So war es dann auch und ein ohnehin schon grandioser Song wurde noch grandioser.

Bei 10 Alben frage ich wirklich warum ihr noch keine Livescheibe oder wenigstens eine Bonuslivescheibe gemacht habt? Seid ihr keine Anhänger von Livealben, plant ihr das noch oder war einfach bisher keine Gelegenheit?

Wir haben immer einen hohen Anspruch an unser Schaffen und die Produktionen gehabt. Das haben unsere Fans auch verdient. Ein qualitativ hochwertiges Live-Album aufzunehmen ist sicher kein leichtes Vorhaben und muss gut geplant sein. Das hat sich bisher nicht ergeben. Spaß hätten wir sicher auch daran.

Werdet ihr eigentlich immer noch auf die Bedeutung eures Bandnamens angesprochen, ehrlich gesagt seid ihr ja keine wirklichen Schreihälse, das würde zu diversen Heulbojenbands sicherlich passen!

Du glaubst es nicht, es ist immer noch ein Thema!

Covid 19 ist ja leider immer noch allgegenwärtig, ihr musstet ja auch schon Konzerte verschieben, was ist denn eure Strategie als Band für die nächsten Monate?

Wir wollten das Album nicht weiter verschieben, das machen schon so viele Bands und irgendwann kommt die große Albumwelle. Es bleibt uns also erstmal das Album anzuschieben, Interviews zu geben und weiterhin daran zu arbeiten doch noch Gigs wenigstens zu planen. Außerdem müssen wir uns Gedanken machen, was wir alternativ tun können. Ideen sind schon in der Welt. Es ist halt alles Wahnsinn!

Ja, leider hoffen wir das Beste für 2021!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)