Vanishing Point – Lange Pausen und familiäre Dinge

Zwei Alben in 13 Jahren ist recht wenig, doch ich bin froh, dass die australischen Prog-Melodic Metaller Vanishing Point noch existieren! Das die nicht so einfach war erzählt mir ein auskunftsfreudiger Chris Porcianko, langjähriger Gitarrist der Truppe in diesem Interview.

Wie ist denn die Covid 19 Situation in Australien? Wenn ich ehrlich bin, bekommen wir in Deutschland über Australien recht wenige Informationen!

Es ist eine verrückte Zeit! Wir hatten die erste Welle der Pandemie und haben im Moment (Juli 2020 Anmerkung des Verfassers) eine Stufe drei Lockdown mit der zweiten Welle. Die letzten Zahlen in Melbourne heute waren echt hoch. Es gibt halt keine Zusammenkünfte abgesehen von deinem eigenen Heim mit der Familie. Wir dürfen definitiv nicht live spielen oder gar proben als Band. Es ist echt deprimierend, aber wir bleiben positiv unter diesen Umständen und versuchen die Perspektive nicht zu verlieren. Es sterben Leute wegen des Virus, deshalb sind wir dankbar was wir haben. Wenn auch im Moment einige Leute am Maulen sind.

Das kennen wir in Deutschland ja auch nur zu gut! Euer neues Album „Dead Elysium“ dauerte satte sechs Jahre seit dem letzten Werk „Distant Is The Sun“. Dieses wurde gar sieben Jahre „The Fourth Season“ herausgebracht. Das sind zwei Alben in 13 Jahren! Warum sind so große Zeitlücken zwischen den Alben?

Silvio war zweimal im Krankenhaus, er hat für ein ganzes Jahr seine Stimme verloren! In dieser Zeit hat er seine Stimme wieder trainieren müssen mit einem Vocalcoach und vielen Therapiesessions. Es war eine harte Zeit als er für einige Monate dachte es könnte sein, dass er nie wieder singen kann. Oben drauf war das härteste Erlebnis, dass seine Mutter und auch sein Vater in diesen Jahren verstarben. Das war auch etwas, weshalb wir ihm Zeit geben mussten. Die Familie ist die wichtigste Sache! Wir mussten Silvio Zeit geben Dinge auszustehen, das war ein harter Prozess und gibt dir die Möglichkeit zu reflektieren was dir im Leben wichtig ist. Wir kamen aber zum Glück zur anderen Seite und haben ein neues Album. Es war auch eine Zeit wo wir viel probiert haben, wir waren immer stolz auf uns die besten Lieder die möglich sind zu veröffentlichen. Wir sind keine Band die ein Album macht um einen Vertrag zu erfüllen! Wir wollen uns und die Leute die uns unterstützen ja auch nicht verarschen. Wir sind da gemeinsam durchgegangen. Das zeigt unser neues Album gut denke ich.

Das klingt ja ganz schön heftig! 2017 habt ihr mit AFM Records wirklich tolle Re-Releases von zwei eurer Alben gemacht! Ihr habt aber niemals eine Live CD oder sogar eine DVD gemacht. Das wäre doch das perfekte Ding für solch eine lange Zwischenzeit gewesen, oder?

Absolut! Ich bin da absolut ehrlich zu dir, wir würden gerne ein Livealbum oder eine DVD in der Zukunft machen, aber die Produktionskosten für diese Sachen können recht teuer werden. Während wir aufnehmen stecken wir jeden Dollar den wir haben in ein neues Album. Ich kann dir aber versichern, dass wir nicht mehr so eine lange Wartepause in der Zukunft haben werden, da wir nahezu drei Alben mit neuem Material haben. Das haben wir in der langen Zeit alles geschrieben. Hinter den Kulissen passiert immer etwas und mein Verstand überlegt immer was wir machen können musikalisch. Das Einzige was uns von Zeit zu Zeit bremst auf einen höheren Level zu kommen sind die finanziellen Mittel obwohl wir nahezu alles Geld was wir haben in die Band gesteckt haben um diese am Leben zu halten.

Denkst du das „Dead Elysium“ ein typisches Vanishing Point Album ist?

Das ist eine schwere Frage (lacht). Ich denke sicherlich bin ich sehr stolz auf das Album und es klingt immer noch frisch in meinen Ohren, Aber es sind doch die Hörer in der Zukunft die beurteilen werden was es ist. Ich denke wir haben einen guten Job mit dem Album gemacht und ehrlich gesagt denke ich das wir in gewisser Weise unseren Sound erweitert haben. Wir haben auch das melodische Gefühl behalten für das wir als Band bekannt sind. Ich bin nicht einer dieser Kerle und erzähle das unser neues Album das härteste und schnellste Werk ist. Das ist Bullshit. Ich lasse lieber die Musik für sich sprechen. So lange die Musik gut ist und die Leute es mögen sind wir dankbar für deren Unterstützung.

Sind die Texte sehr wichtig für euch als Musiker oder transportieren sie halt auf eine spezielle Art die Musik?

Ich denke schon! In all den Jahren in denen ich in der Band bin war ich immer froh, dass Silvio so ein toller Sänger ist der offen für neue Lieder ist. Manchmal schreibe ich so viele Texte und er beschwert sich dann des so viel ist zu merken (lacht). Aber ich glaube wir haben uns darauf geeignet, dass der Text zum Song passen muss. Diese sind ehrlich und ermöglichen es dem Hörer sich eigene Gedanken zu machen.

Was waren eure größten Einflüsse für euren Sound 1997 und jetzt?

Für mich persönlich von den Scorpions über Tori Amos zu Death. Es kommt immer darauf an welche Laune ich am Tag habe und das bestimmt die Musik die ich an diesem Tag dann höre. Manchmal höre ich auch gar keine Musik und genieße einfach die Stille um ehrlich zu sein (lacht). Ich denke im Sound von Vanishing Point wird es immer ein paar progressive Elemente geben, da wir alle von Dream Theater und natürlich Queensryches „Operation Mindcrime“ beeinflusst sind. Aber wir klingen nicht wie diese Bands. Sie sind die Vorväter dieser Musik die wir spielen. Die andere Band, die mich diesen Sound und Stil entdecken ließ sind Conception und das „Parallel Minds“ Album. Das liebe ich bis heute!

Bisher habt ihr sechs Alben gemacht, welches ist deiner Meinung nach bisher das unterschätzteste?

Hmm, das ist eine sehr schwierige Frage da ich auf all die Alben stolz bin Natürlich wenn ich mir ein Album anschaue denke ich mir nach einer gewissen Zeit das ich dieses oder jenes besser hätte machen können nach so vielen Jahren. Ich denke, dass das „Embrace The Silence“ Album hatte ein paar magische Momente aber da wir damals auf einem kleineren Label waren bekam es nicht die Aufmerksamkeit die es hätte haben sollen! Die Industrie ändert sich so schnell mit der Zeit wer weiß was hätte passieren können. Wenn ich auf das Album zurückblicke gibt es da eine Latte an guten Songs. Wenn wir zwei oder drei Lieder mehr aufgenommen hätten wäre es ein Doppelalbum geworden da es eh schon lang war! Ich liebe es bis zum heutigen Tag „Season Of Sundays“ live zu spielen.

Was sind eure weiteren Pläne, auch für 2021?

Ich denke die direkten Pläne für den Moment sind weiter Promo und Presse zu machen und vielleicht in Australien auf die Straße zu gehen. Hoffentlich können wir auch wieder mal nach Europa kommen, aber im Moment sind wir ja durch die Pandemie und Lockdowns etwas festgesetzt. Wir hoffen auch wirklich in der nahen Zukunft nach Europa kommen zu können, da wir auch beim „Distant Is The Sun“ Album keine Chance hatten. Ich denke es ist mal wieder Zeit, wir lieben es für euch zu spielen. Wir haben einige der besten Fans der Welt in Europa!

Hoffentlich schaffen es die Jungs mal wieder nach Europa!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)