Stormwarrior – Zurück mit bekannten Weggefährten

Fünf Jahre nach dem letzten Album hauen die hanseatischen Wikingeranhänger Stormwarrior mit „Norsemen“ eine neue und durchaus gute Scheibe heraus. Bandchef, Sänger und Gitarrist Lars Ramke stand uns ausführlich in Sachen Antworten zur Verfügung und erzählte einiges zum aktuellen Stand der Band und der neuen Scheibe.

Lars, du scheinst bei der neuen Scheibe viel Wert auf den Sound gelegt zu haben, alte Röhrenverstärker einer Produktion von dir treffen auf einen aktuellen Mix / Mastering von Piet Sielck. Das Beste von früher und heute, wie findest du die Einschätzung? Bei der letzten Scheibe habe ich einiges in Sachen Kritik was den Sound betrifft bei der Recherche zu diesem Interview gefunden!

Keine Ahnung, auf andere Meinungen zu Sound und Musik außerhalb der Band gebe ich eh nicht viel. Kritiken am Sound des Vorgängeralbums gingen dann wohl aber auch an mir vorbei, habe ich so nicht wahrgenommen. Generell halte ich auch nicht sonderlich viel von den meisten Albumkritiken, Reviews oder Soundchecks. Noch schlimmer sind dann noch irgendwelche „gaaanz wichtigen“ Onlinekommentare unter Videos oder in den Social Media von Experten, die sich dann auf abgespeckte mp3 Versionen beziehen und Null Aussagekraft zum vollen Sound des eigentlichen Albums beinhalten. Hauptsache klugscheißen und Dampf ablassen. Aber so ist es wohl mittlerweile. Was den Sound des neuen Albums betrifft haben wir bei der Produktion wie immer eine Kombination aus analoger und digitaler Technik gefahren. Diesmal haben wir auf analoger Seite zudem einige alte Rundfunkgeräte (u.a. Siemens, Telefunken) verwendet.

Aber auch in Sachen Artwork machst du keinen halben Sachen und mit dem Andreas Marschall Artwork mal locker die nicht schlechten Vorgänger getoppt. War es schwer an den relativ selten für Metalbands aktiven Künstler zu kommen? Du hast ja lange Kai Karczewski die Treue gehalten wie kam der Sinneswandel?

Du meinst sicher Uwe Karczewski und nicht seinen Sohn Kai. Uwe macht altersbedingt schon seit einigen Jahren keine Artworks mehr. Den Andreas habe ich einfach mal angeschrieben, da es als alter Running Wild Fan schon immer ein Traum von mir war, mal einen „echten Marshall“ als Artwork auf einem Stormwarrior Album zu sehen. Andreas hatte auch gleich Interesse an einer Zusammenarbeit, das hat mich total gefreut. Dass dabei am Ende so ein geiles Artwork bei raus kommen würde, hatte ich zwar irgendwie gehofft, aber auch nicht unbedingt erwartet. Das Ergebnis hat uns dann schon ziemlich umgehauen. Scheint auch überall gut anzukommen und passt perfekt zum  neuen Material.

Definitiv! Ansonsten gibt es zwei Rückkehrer in Sachen Bass (Yenz) und Schlagzeug (Falko) mit neuen Nachnamen, wieso kamen die Herren zurück, wo sind die ursprünglichen Musiker hin? Haben die eigentlich geheiratet und den Namen ihrer Frauen angenommen?

Ja, so in etwa. Yenz hatte allerdings jahrelang seinen Nachnamen aus einer früheren Ehe einfach behalten und ist mittlerweile aber zu seinem eigentlichen Namen zurückgekehrt. Ich bin sehr froh, Falko und Yenz wieder mit an Bord zu haben. Auch wenn wir mit Connie und Jörg keinen Streit hatten, fühlte es sich für mich von Jahr zu Jahr immer etwas weniger nach Stormwarrior an. Dann noch die Entfernungen, zu seltene Proben um ein richtiges Bandgefühl entstehen zu lassen, andere Prioritäten im Privatleben usw. dazu, da muss man schon aufpassen, nicht ganz die Lust zu verlieren. Mit der Rückkehr von Falko und Yenz ist eine ganz andere, eigene Art Bandspirit (wieder) in die Band eingekehrt. Das hört man zum einen der neuen Scheibe wie ich finde auch deutlich an, zum anderen geht man auch ganz anders so zusammen auf die Bühne. Es macht gerade so viel Spaß wie seit 10 Jahren nicht mehr und dafür bin ich sehr dankbar!

Textlich bleibst du dir treu in Sachen Wikingergeschichten. Kannst du dir Stormwarrior auch ohne diese Thematik vorstellen, verfolgst du auch eine Serie wie „Vikings“ oder hast du es eher mit Büchern oder Dokus über diese Thematik?

Das Thema war von Anfang an schon recht eng mit Stormwarrior verbunden und wird es auch bleiben. Ich habe damals zu „Northern Rage“ Zeiten Skandinavistik und Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie studiert und mir später seither über die Jahre schon eine Art kleine eigene Bibliothek mit ein paar hundert Büchern in diversen Sprachen zusammensammeln können. Einige Antiquarische Raritäten sind mittlerweile sogar auch vertreten. Serien oder Buchreihen wie „Vikings“ oder „Last Kingdom“ ziehe ich mir natürlich auch gerne mal rein, allerdings meldet sich dann natürlich auch immer eine gewisse Stimme aus dem Off bei mir und schreit Alarm sobald ein paar historische Tatsachen etwas „freier“ behandelt werden und ggf. sogar noch zeitliche Epochen ein wenig durcheinander gewürfelt werden oder ähnliches.

Musikalisch bist du wie viele Hamburger Bands deinem Stil treu, die Mischung aus alten Running Wild und Helloween ist immer nach vorne preschend und der Fan bekommt was er erwartet, quasi ein Blindkauf macht keine Probleme oder siehst du das anders?

Aus Fansicht hat ja jede Band irgendwo ihren Rahmen in dem sich alles abspielt. Ob dieser Rahmen nun daraus besteht, sich mit jedem Album komplett neu zu erfinden oder darin, sich über die Jahre den Ruf einer unumstößlichen verlässlichen Bank zu erarbeiten, bei der man weiß was man bekommt, ist völlig egal. Man kann auch innerhalb seines Rahmens frisch klingen ohne sich gleich „Metal 2.0“ auf die Fahnen zu schreiben und irgendwelchen Trends hinterherzulaufen. Sowas wird es bei Stormwarrior einfach nicht geben!

Aber eine Neuigkeit gibt es ja: „Swords O Valhalla“ ist ja mit 11 Minuten ja schon einen Mammutnummer. Ich glaube so eine Länge hattest du noch nicht („Lindisfarne“ und Chains Of Slavery“ sind mit acht Minuten um einiges kürzer), wie kam es dazu?

Ja, „Sword Of Valhalla“ ist wohl der längste Song bisher, das ist richtig. „Lindisfarne“ und „Chains of Slavery“ auf den ersten beiden Alben waren vielleicht nicht ganz 11 Minuten lang, aber durchaus die längsten Werke bisher. Ich hatte da einfach mal wieder Bock drauf sowas Langes auszuarbeiten. Eigentlich sind es ja fast schon 3 Songs in einem. Wenn man sich dann in Text und Musik genügend reinsteigert, dann kriegt man so einen Song auch mal schnell über 10 Minuten (lacht).

Im Info steht drin, dass auch Lieder an Bord sind die nicht nur von dir allein verfasst worden und auch alte Tracks aus frühen Songwriting Sessions genutzt worden sind, wie kam es zu diesen beiden Punkten?

Der Titelsong „Norsemen (we are)“ stammte aus Falkos und meiner Feder und hatte es damals nicht auf ein Album geschafft, da waren wir uns über die Ausarbeitung nie so ganz einig gewesen. Den Song konnten wir erst jetzt zu Ende ausarbeiten, der Kern hat allerdings entsprechend seine Jahre auf dem Buckel, auch wenn er vielleicht nicht direkt nach einem bestimmten Album klingen mag. „Freeborn“ ist ein neuer Song fast gänzlich von Falko und „Sword Dane“ ist musikalisch fast komplett vom Björn verfasst worden. Dann gibt es noch „Shield Wall“, welcher aus einer etwas älteren Demosession mit dem damaligen Gitarristen Alex stammt. Aus dieser Session wurde sogar ein Solo vom Alex original mit aufs Album übernommen.

Ehrlich gesagt hätte ich statt einer neuen Scheibe mit einer fetten Live-CD und /oder DVD von euch gerechnet. Ist da schon was in Planung? Eure letzte Live Scheibe „At Foreign Shores – Live in Japan“ ist zwar cool, aber lange her!

Also wenn das letzte Studioalbum etwa fünf Jahre alt ist, dann würde ich als Fan wohl eher mal ein neues Album verlangen (lacht). Das haben unsere Fans zumindest getan und das halte ich auch für richtig so. Ich denke eine Livescheibe wäre jetzt völlig fehl am Platz gewesen. Kann aber durchaus sein, dass wir da in absehbarer Zeit mal etwas in dieser Richtung angehen.

Was gibt es denn sonst noch von euch zu berichten in Sachen Band, Konzerte und Pläne?

Wir haben jetzt erstmal die übliche Promoarbeit und den Release des Albums kommenden Freitag vor uns und sehen zu, dass wir so viele Shows wie möglich hinbekommen können. Ein paar Anfragen trudeln auch schon ein, da wird aber bestimmt auch noch die ein oder andere Headlinershow dazukommen. Bei den Releaseshows jetzt am Wochenende in Hamburg und Mannheim haben wir auf jeden Fall zur langen Spielzeit viel Zuspruch erhalten. Ansonsten sind für nächstes Jahr noch ein zwei Special Releases angedacht, da kann ich aber jetzt noch nichts zu sagen. Und dann geht es auch im Frühjahr schon wieder los mit dem Songwriting für ein neues Album.

Das sind ja gute Aussichten für 2020!

"Ein Gitarrenriff sollte nie länger sein, als es dauert, eine Bierflasche zu köpfen.“ Lemmy Kilmister (Motörhead)