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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing KREATOR, MORBID ANGEL, NILE, FUELED BY FIRE
Ort Hamburg, Groe Freiheit
Datum 14.12.2012
Autor Marc Schallmaier
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Meinem Unmut ber die Frhkonzerte in Hamburg habe ich hier schon des fteren Luft gemacht. Dass dies noch gesteigert werden konnte, habe ich zwar nicht geglaubt, aber man lernt ja nie aus. Das heutige Konzert mit einem Hammer Billing sollte aber tatschlich die bisherige Krnung dieser Geschichte sein. Einlass an einem Freitag um 16.30 Uhr, offizieller Beginn um 17.30 Uhr. Unfassbar, aber wahr. Allerdings wird dieser Abend noch durch einen anderen Umstand lange in meinem Gedchtnis bleiben. Hierfr verantwortlich: Die hauseigene Security der Groen Freiheit. Fueled By Fire Fueled By Fire Ich werde im spteren Verlauf immer wieder auf diese "Gestalten" zurckkommen, kann aber jetzt schon sagen, dass diese Vollpfosten nicht nur mir den Abend grndlich versaut haben. Und dabei war ich noch nicht mal direkt betroffen. Aber dazu spter mehr.

Den bunten Reigen erffneten - vor einer mehr als sprlichen Kulisse auf Grund der frhen Uhrzeit - die Kalifornier von FUELED BY FIRE. Deren recht traditioneller Thrash Metal fand bei den wenigen Anwesen ordentlich Zuspruch, und der ein oder andere aus der ersten Reihe war sogar textsicher und kreischte frhlich die Refrains mit. Aufgrund der Tatsache, dass bereits die Anlage von NILE und auch KREATOR (zum grten Teil) auf der Bhne stand, schrnkte den Raum doch erheblich ein. Das Quartett machte aber das Beste aus der Situation und bewegte sich soweit es mglich war. Allgemein kann man festhalten, dass FUELD BY FIRE ihre Zeit nutzten und als Anheizer ordentlich Alarm machten.


    Setlist: FUELED BY FIRE
  • Rising From Beneath
  • Sickness Of HUmanity
  • Dreams OF Terror
  • Unidentified Remains
  • Thrash Is Back
  • Eye Of The Demon



Nile Nile

Als nchstes kamen dann NILE auf die Bhne. Die Anzahl der Anwesenden stieg so langsam und es waren einige dabei, fr die NILE anscheinend das Nonplusultra sind. Ich kann mit dem Knppelsound und den gyptischen Elementen nicht wirklich viel anfangen, so dass sich der Auftritt fr mich als eine Geduldsprobe heraus stellte. Lediglich Snger Karl Sanders sammelte bei mir satt Punkte, trat er doch in einem D.R.I. T-Shirt auf, dass schon etliche Jahre auf dem Buckel hat. Der Auftritt verlief ohne besondere Vorkommnisse, die Band spielte ihre doch eher anspruchsvollen Stcke runter und der Sound war amtlich. Zum Schluss gab es "Supreme Humanism Of Megalomania" und "Black Seeds Of Vengeance", danach waren Band und Publikum zufrieden und fr NILE war Feierabend fr den heutigen Tag.


    Setlist: NILE
  • Sacrifice Unto Sebek
  • Defiling The Gates Of Ishtar
  • Kafir!
  • Hittite Dung Incantation
  • Enduring The Eternal Molestation Of Flame
  • Sacrophagus
  • The Inevitable Degradation Of Flesh
  • Supreme Humanism Of Megalomania
  • Black Seeds Of Vengeance

Ich wei nicht mehr genau, wann es begann, aber hier beginnt die zweite Geschichte dieses Abends. Die bisher unauffllige Security trat in Erscheinung. Allen voran ein zwar eher kleiner, dafr umso breiterer Typ mit Stiernacken und einem Tattoo auf dem Hinterkopf. Das konnte man deshalb so gut erkennen, da er nahezu kahlrasiert war. Stndig war er im Graben zu sehen, wie er auf die Absperrung kletterte und suchend ins Publikum blickte. Anscheinend hatte irgendwer einen Plastikbecher innerhalb des Zuschauerraums geworfen. Pltzlich zeigte er auf jemanden und sofort setzten sich er und seine 3 bis 4 Kollegen in Bewegung. Der vermeintliche beltter wurde am Kragen gepackt und vor unseren Augen (ich stand mit anderen Fotografen und Kollegen von Magazinen direkt am Rand der Bhne auf der linken Seite) in Richtung Notausgang gezerrt. Diese Tr wurde aufgerissen und der junge Mann nach drauen befrdert. Tr von innen wieder zu und aus die Maus. Es waren zwar keine sibirischen Temperaturen drauen, aber derjenige wrde wohl seine Schwierigkeiten haben, seine Jacke oder hnliches wiederzubekommen, da er aus der Halle geschmissen wurde und die Garderobe selbstverstndlich in der Halle ist. Etwas verwirrt auf Grund dieser Geschehnisse machten wir noch kleine Spchen, aber das Lachen sollte sich spter in Wut umwandeln.

Morbid Angel Morbid Angel

Whrend der Umbauphase fr MORBID ANGEL erfolgte dann der zweite Rauswurf, der direkt vor unserer Nase passierte. Wobei man in diesem Fall dem Rausgeschmissenen tatschlich und einwandfrei die Schuld geben muss. Bereits beim Auftritt von NILE zndete er sich eine Zigarette an. Und er stand direkt in der ersten Reihe an der Absperrung. Zur Info, es gibt auch einen Raucherbereich innerhalb der Groen Freiheit, dieser liegt ungefhr 10 Schritte von unserem Standort entfernt. Fr diese erste Zigarette wurde er noch einigermaen freundlich ermahnt. Er trat die Kippe auch sofort aus. Nun zndete er sich wieder eine Zigarette an, direkt vor den Security Leuten! Denen entging dies natrlich nicht und auch er wurde ber den Notausgang aus der Halle geleitet.

Als dann MORBID ANGEL die Bhne betraten, befrchtete ich musikalisch so einiges. Hatte ich sie im Jahre 2011 auf dem "WACKEN OPEN AIR" gesehen und fr extrem langweilig befunden, so fackelten sie heute ein derartiges Feuerwerk ab, dass viele im Nachhinein der Meinung waren, dass MORBID ANGEL der eindeutige Gewinner des Abends war. Die Band konnte mit einer extremen Spielfreude punkten und Hits wie "Self Immolation", "Chapel Of Ghouls" oder "Where The Slime Live" knallten ohne Ende. Selbst David Vincent gab den sympathischen Frontmann, wie er es ja manchmal sein kann. Seine ironischen Ansagen und sonstige Kommunikation mit dem Publikum waren richtig gut. Alles htte so schn sein knnen, wenn nicht wieder das Arschloch von der Security in den Mittelpunkt getreten wre. Nach einem oder auch zwei weiteren Rausschmissen durch den Notausgang, die mittlerweile immer rabiater wurden, warf dann wohl wirklich jemand einen leeren Plastikbecher in Richtung Bhne. Morbid Angel Morbid Angel David Vincent reagierte zuerst. Cool und gelassen sagte er ins Mikro : "Sei ein Mann, komm auf die Bhne und mach das direkt vor mir!". Es folgt ein groes Hallo im Publikum, denn diese Auseinandersetzung htte jeder gern gesehen, egal, wer der den Becher geworfen hat. Was nun folgte, verschlug mir die Sprache. Anscheinend setzte sich tatschlich jemand aus dem Publikum in Bewegung und versuchte, in Richtung Bhne zu gehen. Im nchsten Moment rauschten 4 bis 5 Security Mnner ohne Rcksicht auf Verluste an uns vorbei, allen voran oben benannter Stiernacken. Es kam im Zuschauerraum zu einem kleinen Handgemenge, denn offensichtlich wollte der Beschuldigte sich nicht von diesem Konzert verabschieden. Das wilde Gerangel, jetzt mit noch zwei bis drei Besuchern, ging weiter in Richtung Notausgang. Der vermeintliche beltter wurde aus dem Notausgang geschleudert, Stiernacken und ein Kollege hinterher und die Tr wurde mit lautem Krachen ins Schloss gedonnert. Was vor der Tr passierte, entzieht sich meinen Kenntnissen. Man darf aber aus der ganzen Situation heraus wohl annehmen, dass dort nicht ein gemtlicher Plausch abgehalten wurde. Unterdessen setzten MORBID ANGEL ihren Set fort. Ob sie das Geschehen von Anfang bis Ende mitbekommen haben? Schwer zu sagen, dieser besagte Notausgang ist von der Bhne nicht einzusehen. Mittlerweile war ich stinksauer, allerdings auch etwas hilflos, denn was soll man in so einer Situation machen? Mit der Security reden? So aufgebracht wie die Stimmung unter den Testosteron-Versuchs-Mnnchen war, htte das wohl nichts gebracht. Sich beschweren? Vermutlich zwecklos, die Security htte sicherlich genug Grnde aufgezhlt, die Leute aus der Halle zu werfen. Die Polizei rufen? Wo fngt Hausrecht an und hrt es auf? Dafr reichen meine rudimentren juristischen Kenntnisse nicht aus. Der Auftritt von MORBID ANGEL ging weiter, und es war ein verdammt starkes Konzert, nur richtig freuen konnte ich mich darber nicht mehr. Zum Abschluss gab es noch "God Of Emptiness", dann war Schicht im Schacht.


    Setlist: MORBID ANGEL
  • Immortal Rites
  • Fall From Grace
  • Rapture
  • Pain Divine
  • Maze Of Torment
  • Existo Vulgore
  • Nevermore
  • Lord Of All Fevers And Plague
  • Chapel Of Ghouls
  • Dawn of The Angry
  • Where The Slime Live
  • Bil Ur-Sag
  • God Of Emptiness

Es folgte eine lngere Umbaupause auf Grund des groen Bhnenaufbaus von KREATOR. Die Roadies mussten mchtig Gas geben, damit das Konzert zu einer bestimmten Zeit beendet ist, damit eine Stunde spter eine "2 Getrnke zum Preis von 1" Party in der Groen Freiheit erffnet werden konnte. Willkommen in der RocknRoll Stadt Hamburg...... Immer noch sorgten die viele Rausschmisse fr ordentlich Gesprchsstoff, so was hatten wohl die Wenigsten schon einmal erlebt. Da ich immer noch an der linken Seite direkt an der Bhne stand, konnte ich nicht nur den Roadies beim Arbeiten zu sehen, sondern bekam noch etwas Anderes mit. Pltzlich kam ein Mann mit Funkgert in der Hand und Knopf im Ohr auf die Security Leute aus dem Graben zu. Da die Hintergrundmusik nicht allzu laut whrend des Umbaus lief, konnte man Wortfetzen wie "Du hast ihn geschubst?!" und bejahendes Kopfnicken von Stiernacken sehen. Mehr war allerdings nicht zu verstehen, aus der Mimik lie sich aber schlieen, dass einer oder mehrere der Leute, die unfreiwillig die Halle verlassen mussten, dies nicht so einfach hingenommen haben. Man htte fast annehmen knnen, die Anabolika Junkies htten sich jetzt etwas beruhigt.

Kreator Kreator

Ein weier Vorhang verdeckte die gesamten Umbauarbeiten, und als diese dann abgeschlossen waren und es dunkel wurde, lief "Personal Jesus" von Johnny Cash ber die Anlage. Auf dem Vorhang wurden die Alben von KREATOR in chronologischer Reihenfolge abgelichtet, dazu Fotos der Herren Musiker aus der jeweiligen Zeit oder auch Ausschnitte aus Videos oder Live Mitschnitten. Im Anschluss daran fiel der Vorhang und die Band startete mit "Phantom Antichrist" gleich mal voll durch. Es folgten weitere Kracher wie "Enemy Of God" und "Phobia", bevor die Security sich wieder in Gang setzte und den nchsten Typen vor die Tr setzte.

Mille von KREATOR verhunzte eine Ansage vllig und musste selber darber lachen. Die Begrndung schob er allerdings gleich hinterher. Denn das Paket war die Tage vorher in Skandinavien unterwegs, wo er seine Ansagen auf Englisch hielt. Diese versuchte er nun zu bersetzen, was im vorangegangenen Fauxpas endete. Dass kann man verschmerzen, ansonsten feuerte er das Publikum an und war sichtlich erfreut darber, an einem Freitag in Hamburg zu spielen. Mit "Hordes Of Chaos" folgte ein nchster Schdelspalter bevor Stiernacken wieder in Erscheinung trat. Diesmal hatte es ein Zuschauer, wie auch immer, geschafft, auf die Bhne zu klettern und dort ein wenig mit KREATOR abzufeiern. Die Band reagierte ein wenig irritiert, ansonsten schienen Mille und Co. eher amsiert ber den Besucher. Ein Roadie kam aus dem Hintergrund der Stage geeilt, um den lustigen Gesellen wieder von der Bhne zu bitten. Dieser war aber schon in Richtung Graben gegangen, wo ihn Stiernacken und seine Freunde "freundlich" in Empfang nahmen und das alte Spiel ging wieder von vorne los. Der Typ wurde achtkantig aus dem Notausgang gepfeffert. Circa zehn Minuten spter wiederholte sich das Schauspiel mit einem anderen Hauptdarsteller, auch er flog aus der Halle. Ich stellte mir zu diesem Zeitpunkt die Frage, wie die beiden es berhaupt geschafft haben, auf die Bhne zu kommen. Denn in der Groen Freiheit ist die Bhne locker ber 1,50 Meter, und damit zu hoch um dort ungestrt einfach so hinauf zu klettern. Ein Bekannter, der ebenfalls vor Ort war, lieferte mir ein paar Tage spter eine vermeintliche Erklrung. Da smtliche Security Leute total auf Stiernacken und den nchsten "Einsatz" fixiert waren, bekamen sie es gar nicht mit, dass diese beiden Leute ungestrt am rechten Bhnenrand ber die Absperrung kletterten und dann ber einen Seiteneingang auf die Bhne gelangten!

Auch hier stellte ich mir die Frage, ob Mille das mitbekommen hat. Er gilt ja eigentlich als sehr umgnglich und fannah und ich bin mir sicher, das er ein paar Takte zu der Aktion gesagt htte. KREATOR setzten unbeirrt ihren Set fort, das Publikum wurde zu einer "Wall Of Death" animiert und die Leute kamen der Bitte von Mille nach. Mir ging der Auftritt von KREATOR dann ein wenig zu routiniert weiter, die ein oder andere spontane Sache oder nderung der Setlist htte dem Gig ganz gut getan. So wurden die Songs vor einem wirklich beeindruckendem Bhnenaufbau und tollem Sound ohne weitere berraschungen runtergekurbelt. Zum Abschluss gab es dann noch "Flag Of Hate" und "Tormentor", dann war auch die Zugabe abgefrhstckt.


    Setlist: KREATOR
  • Phantom Antchrist
  • Fromm Flood Into Fire
  • Enemy Of God
  • Phobia
  • Hordes Of Chaos
  • Civilization Collapse
  • Voices Of The Dead
  • Extreme Aggression
  • People Of The Lie
  • Death To The World
  • Coma Of Souls/Endless Pain
  • Pleasure To Kill
  • Violent Revolution
  • United In Hate
  • Betrayer
  • Flag Of Hate
  • Tormentor
Kreator Kreator

Es bleibt ein fader Beigeschmack zu einem eigentlich tollen Konzert. Der Preis fr die Tickets stimmte, das Merchandise gab es zu fairen Konditionen (unter anderem ein KREATOR Tour Shirt, dass einen Spruch mit der jeweiligen Stadt in der man spielte beinhaltete) und die Bands gaben Vollgas. Aber die Security der Groen Freiheit hat mir grndlich die Laune verdorben und ich bin am berlegen, ob ich jemals wieder eine Fu in diesen Laden setze. Wie kann man so aggressiv mit seinen GSTEN umgehen? Mir bleibt vor allem schleierhaft, wie man mit einer Krpergre, die knapp ber der von Frodo liegt, in einem Pit sehen will, wer einen Plastikbecher geworfen hat? Selbst dann, wenn man auf die innere Seite der Absperrung klettert? In einer sich bewegenden Menschenmasse zu beurteilen, ob jemand gerade etwas geworfen hat oder seinen Arm in einer ausverkauften Halle beim moshen/pogen/tanzen/whatever bewegt, halte ich fr ziemlich unsicher. Sicherlich ist "Sachen-auf-die Bhne-werfen" einer der bldsinnigsten Ideen, die man beim einem Konzert haben kann, weiblich Fans mit eindeutigen Absichten mal ausgenommen. Und dass man mittlerweile bei Konzerten nicht mehr rauchen darf, sollte allgemein bekannt sein oder man sollte die entsprechenden Schilder/Warnhinweise beim Betreten einer Halle oder Clubs einfach mal lesen. Wenn ein beltter tatschlich eindeutig zu identifizieren ist, muss er mit entsprechenden Sanktionen rechnen. Aber es sollte immer noch mglich sein, dem Tter die Mglichkeit zu geben in aller Ruhe sein sieben Sachen an der Garderobe abzuholen und ihn dann zum Ausgang zu begleiten. Derartiges Fehlverhalten darf kein Freifahrtsschein fr eine Security sein, ihre Aggressionen abzubauen. Ein derartig willkrliches und rigoroses Handeln wie an diesem Abend habe ich noch NIE erlebt! Ich kann der Groen Freiheit nur dringend raten, sich die entsprechenden Herren einmal zur Brust zu nehmen oder ihre Security auszutauschen!





Fueled By Fire Kreator Nile Morbid Angel Kreator Nile Kreator


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