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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing OVERKILL, DESTRUCTION, HEATHEN, AFTER ALL
Ort Kln, Essigfabrik
Datum 04.03.2011
Autor Alexander Meyer
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Um mich als Faschingsmuffel am Karnevalswochenende in die Narrenhochburg Kln zu locken, muss schon einiges geboten werden. After All Unter dem bedeutungsschwangeren Motto "Killfest" wurde ein cooles Package aus vier Bands geschnrt, das mich tatschlich in die Hhle des Lwen zu locken vermag. Ich kann sogar Kollege Dietrich als Geleitschutz rekrutieren, der uns dank seines Navis pnktlich zum Einlass zur Essigfabrik manvriert. Es ist mein erster Besuch dieses Veranstaltungsortes, der mich zunchst wenig beeindruckt, da es sich um einen schmucklosen, alten Zweckbau handelt, bei dem der Putz von der Decke brckelt. Aber gut, wir sind ja schlielich nicht auf einem Architekturseminar, sondern bei einem Thrash Metal-Konzert.

Schon um halb acht stehen AFTER ALL auf der Bhne. Leider ist die Halle erst recht sprlich gefllt, wovon sich die Band jedoch nicht beeindrucken lsst. Mit ihrem gemigten Thrash Metal erinnern After All mich ein wenig an Agent Steel, ohne jedoch deren Klasse zu erreichen. Dazu trgt besonders der Snger bei, dessen Kopfstimme nach John Cyriis klingt. Optisch ist die Band in zwei Fraktionen geteilt: Zweimal Glatze und zweimal Langhaarabteilung. Der langhaarige Gitarrist sieht zunchst aus als habe er sein Gesicht rot angemalt oder zu lange unter der Sonnenbank gelegen. Dann merkt man aber, dass dieser Eindruck nur durch die schlechte Beleuchtung entsteht, die viel zu rotlastig ist. Auerdem ist der Sound richtig schlecht. In Anbetracht dieser widrigen Bedingungen machen die Jungs ihre Sache ganz gut, auch wenn grtenteils Standfuball geboten wird.

Heathen

In der kurzen Umbaupause warte ich sehnlichst auf die Band, wegen der ich hauptschlich heute Abend hier bin: HEATHEN. Ich verehre dieses Bay Area-Urgestein seit ihrem "Pray For Death"-Demo und kann es kaum erwarten die neuen Tracks vom genialen "The Evolution Of Chaos"-Album endlich live zu erleben. Die Essigfabrik ist mittlerweile ordentlich gefllt und bietet einen wrdigen Rahmen fr die fnf Edelthrasher. Die meisten Besucher haben wohl mit einem spteren Beginn gerechnet oder sind wie ich in erster Linie wegen Heathen da. Das knnte man zumindest meinen, wenn man die euphorischen Reaktionen auf den Opener "Dying Season" betrachtet. Wie auf CD folgt "Control By Chaos". Riffmeisetr Lee Altus und sein kongenialer Partner Kragen Lum duellieren sich vom Feinsten. Leider scheint der Soundmensch klar auf Lees Seite zu sein, sodass man Kragens Gitarre kaum hrt und Lee das Duell klar fr sich entscheidet. Snger Dave White beweist, dass man als Snger in einer Thrashband auch richtig gut singen kann und nicht nur rumbrllen muss. Die Rhythmusgruppe agiert tight aber unspektakulr. Auf "Arrows Of Agony" folgt berraschenderweise der Longtrack "No Stone Unturned", dessen Refrain vom Publikum laut mitgesungen wird. Leider ist danach viel zu frh Schluss und die Fans warten vergeblich auf eine Zugabe. Nur eine halbe Stunde Spielzeit und nur die ersten vier Stcke vom aktuellen Album, ohne einen einzigen Klassiker von "Breaking The Silence" oder "Victims Of Deception", mit bescheidenem Sound; das ist schon recht enttuschend. Diese Kritik richtet sich jedoch allein gegen den Veranstalter, Heathen haben ihr Bestes gegeben und beehren uns hoffentlich bald wieder als Headliner.

Setlist: HEATHEN

  • Dying Season
  • Control By Chaos
  • Arrows Of Agony
  • No Stone Unturned

Meine schlechte Laune knnen mir DESTRUCTION anschlieend nicht wirklich vertreiben. Zwar war ich einst ein groer Fan des Wuscheltrios zu "Sentence Of Death"- und "Infernal Overkill"-Zeiten, heutzutage langweilen mich Destruction jedoch eher, weil sie meiner Ansicht nach seit Jahren in ihrer Entwicklung stagnieren und wenig Aufregendes vorzuweisen haben. Destruction Auch live bietet sich ein gewohntes Bild: Mike rifft sich vllig unaufgeregt und unaufregend durch das Set und versteckt sein Gesicht dabei permanent hinter seiner Lockenpracht. Schmier beweist wieder mal, dass er multitaskingfhig ist und fhrt neben Basspiel und Gesang souvern durch den Abend. Dabei wechselt er von einem Totenkopfmikrostnder zum nchsten und bringt dadurch zumindest ein wenig Bewegung in die ansonsten triobedingt statische Performance. Sound (breiig) und Licht (viel zu dunkel) sind NOCH schlechter als bei Heathen. Wenn ich gemein sein wollte, wrde ich sagen, dass dies bei Destruction jedoch nicht SO schlimm ist. Zumindest bei der Songauswahl hatte man allerdings ein glckliches Hndchen. Mit "Curse The Gods", "Bestial Invasion", "Mad Butcher" und Konsorten kann man nun wirklich kaum etwas falsch machen und auch die neuen Song, wie "Hate Is My Fuel" und "Armaggedonizer", sind okay, sodass Destruction nach den abschlieenden "Nailed To The Cross" und "Mad Butcher" und lediglich einer dreiviertel Stunde eine zufriedene Menge zurcklassen.

Setlist: DESTRUCTION

  • Curse The Gods
  • Mad Butcher
  • Armaggedonizer
  • Tears Of Blood
  • Thrash Till Death
  • D.E.V.I.L.U.T.I.O.N.
  • Bestial Invasion
  • Soulcollector
  • Hate Is My Fuel
  • Nailed To The Cross
  • The Butcher Strikes Back

OVERKILL habe ich schon unzhlige Mail live erleben drfen und sie haben mich nie enttuscht. Das sollte am heutigen Abend nicht anders sein. Wie von Geisterhand sind die sound- und lichttechnischen Rahmenbedingungen beim Headliner urpltzlich zumindest akzeptabel. Ein Schuft, wer Bses darber denkt, zumal Overkill es nun wirklich nicht ntig haben ihre Vorbands zu benachteiligen. Nach den ersten drei Songs denke ich schon, dass die New Yorker das gleiche Programm wie im letzten Jahr auffahren wrden, danach wird die Setlist allerdings krftig durchgewrfelt und mit "Bastard Nation", "Hammerhead" und "Deny The Cross" gibt es ein Wiedersehen mit ein paar guten alten Bekannten, die man schon lnger nicht mehr live gehrt hat. Overkill Dementsprechend tobt der Mob in den vorderen Reihen und man muss aufpassen, nicht den ein oder anderen Schlag oder Tritt abzubekommen. Aber hey, waren wir nicht alle mal jung und verrckt?! Leider mssen aufgrund der nderungen in der Setlist ein paar Essentials, wie z.B. "Battle" und Feel The Fire", weichen, aber leider ist auch bei Overkill an diesem Abend die Spielzeit begrenzt, wenn auch Gott sei Dank nicht so sehr wie bei den anderen Bands des Abends. ber die Livequalitten von Overkill noch viele Worte zu verlieren, kme gleich das berhmte Federvieh in die Schuldenhauptstadt Europas zu tragen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht wie gewohnt Snger Bobby alias "Blitz", der seine Anhnger an diesem Abend mit einem krftigen "Alaaf" begrt und damit fr Schmunzeln sorgt. Gott sei Dank, gibt es in dieser schnelllebigen Zeit noch ein paar Konstanten, eine davon ist Overkill!

Setlist: OVERKILL

  • The Green And The Black
  • Rotten To The Core
  • Wrecking Crew
  • Infectious
  • Bring Me The Night
  • Bastard Nation
  • Hammerhead
  • Ironbound
  • Bloodmoney
  • Endless War
  • Hello From The Gutter
  • Give A Little
  • Necroshine
  • Old School
  • Deny The Cross
  • Elimination
  • Fuck U

Ein Abend mit Hhen und Tiefen endet also vershnlich. Aufgrund der teilweise verheerenden Rahmenbedingungen werde ich in Zukunft allerdings eher einen groen Bogen um die Essigfabrik machen. Neben dem Sound- und Lichtdebakel, was man ja noch auf die Tourcrew zurckfhren knnte, finde ich es als Nichtraucher eine Zumutung mich trotz Rauchverbots ausruchern zu lassen. Die Einhaltung eines solchen Verbots obliegt eindeutig dem lokalen Veranstalter. Ich will an dieser Stelle nicht erneut eine Diskussion ber das Rauchen bei Konzerten anzetteln, gebe allen unbelehrbaren Rauchern jedoch zu bedenken, dass sie mit ihrer Rcksichtslosigkeit anderen Metalheads den Abend versauen - fuck you! Ein groes Dankeschn an Byrt fr die Fotos - thank you!





Heathen Destruction Overkill


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