Die 2019 geründete Truppe KERRIGAN aus Freiburg haben mich mit „Wayfarer“ total erwischt, da die Mischung aus Epic und Melodic Metal so eindringlich und packend ist. Dabei war mir die Band völlig unbekannt. Da sie aber so viel Potential und Klasse haben musste ich unbedingt ein Interview machen und die beiden Musiker Jonas Weber (Gesang und Gitarre) und Bruno Jonas (Gitarre) ließen sich nicht lumpen Licht ins Dunkle zu bringen und uns KERRIGAN etwas näher zu bringen.
Wie kam es 2020 zur Gründung eurer Band, das Ganze soll wohl als Studioprojekt als Duo gestartet sein und ihr hattet eigentlich eine andere Band. Was waren eure Beweggründe?
Jonas:Der einfachste und wichtigste Beweggrund war schlichtweg Inspiration. Bruno und ich hatten glücklicherweise zur selben Zeit eine sehr intensive Heavy Metal Phase in der wir uns auch mit kauzigeren Bands wie Wolf (UK), Heavy Load oder Quartz beschäftigten, eine gefühlt unerschöpfliche Quelle an hidden gems. Während einer Probe unserer Funeral Doom Band Lone Wanderer spielten wir in der Pause Heavy Metal Riffs und es hat einfach „klick“ gemacht – die ersten Songwriting Sessions führten dann auch schnell zum Material unserer ersten Demo „Heavy Metal 2020“.
Bruno: Man muss dazu sagen, es war schon etwas unerwartet, auf welcher Wellenlänge wir da rifftechnisch lagen. Ich erinnere mich gerne daran, wie wir „Intruders“ zur Hälfte im Proberaum, zur Hälfte beim Abendessen und „im Kopf“ zuende schrieben. Teilweise ergänzten wir unsere Melodien wie von Zauberhand und am nächsten Abend stand eine erste Demo. Diese unerwartete Chemie war dann auch der ausschlaggebende Punkt, aus der Spielerei eine tatsächliche Band zu machen.

Kerrigan klingt irgendwie irisch und kommt wohl auch aus dem Irischen! Es bedeutet wohl Nachkomme des Dunkelhaarigen, was soll das bedeuten?
Jonas: Klingt auch ganz cool, aber unser Bandname stammt von der Königin der Klingen Sarah Kerrigan aus dem PC-Spiel „Starcraft“. Anfangs war die Wahl noch ein lustiger Schnellschuss, doch mit der Zeit empfanden wir den Namen als rund und passend.
Bruno: Es ist wirklich schwer, heute noch einen ungenutzten Bandnamen zu finden – deshalb sind wir erst gar nicht zu verkrampft an die Sache herangegangen. Wir teilten eine gewisse jugendliche Affinität für das besagte Sci-Fi-Strategiespiel und aus einer Schnapsidee wurde letztendlich ein Name, der hängen blieb. Ich finde es ganz schön, dass wir nicht die siebten „Iron-Hammer“ oder Ähnliches sind. Nur der eigene „Starcraft“-Song blieb bis heute wundersamerweise aus… aber wer weiß!
Musikalisch klingt ihr überhaupt nicht Deutsch für meine Ohren! Kerrigan klingen für mich wie eine Mischung aus NWOBHM, Hard Rock und Epic Metal. Kannst du das verstehen?
Jonas: Das stimmt sicherlich, dass unsere musikalischen Wurzeln nur zu einem geringen Teil in Deutschland liegen. Ich habe jetzt ein paar Mal Vergleiche zu Halloween mitbekommen, aber abgesehen von unserem Fokus auf harmonische Melodieführungen kann ich da nicht mitgehen. Am Ende ist Kerrigan ein Produkt aus unseren alltäglichen Hörgewohnheiten, die sich neben den von dir angesprochenen Genres auch über die „Metalgrenzen“ hinausbewegen, da sprechen wir von Pop, Rock, Wave oder auch Indie.
Bruno: Da gehe ich voll mit. Persönlich höre ich nur sehr selten deutsche Heavy Metal Bands – da hat UK schon mehr zu bieten. Es sind sicher auch ein paar schwedische Einflüsse mit in der ganzen Sache, aber wir lassen uns auch gerne von Musik abseits des Heavy Metals inspirieren und drücken dem Ganzen dann unseren eigenen Stempel auf.
Was ich bei eurer Musik so schätze ist das Fehlen von Hektik in euren Songs. Bei manchen Acts ist vieles recht anstrengend, nervend, egal welche Sparte ich mir anschaue. Ihr scheint in euch zu ruhen und dank Midtempo und Epic Metal Elementen eine beruhigende Wirkung zu haben. Dabei habt ihr auch leichte Uptemposongs und macht jetzt auch keine Entspannungsmusik zum Meditieren, siehst du das ähnlich?
Bruno: Uns ist wichtig, dass ein Song funktioniert. Von vorne bis hinten. Und dass auch über die Länge eines Albums nicht der Eindruck entsteht, den du gut beschrieben hast. Du kannst nicht 45 Minuten Vollgas geben, ohne dass der Hörer irgendwann müde wird. Das gilt auch für Gitarrenshredding oder Falsett-Schreie. Deshalb schleichen sich bei Kerrigan hoffentlich nur solche ekstatischen Momente ein, die das Gesamtbild eines Songs nicht ruinieren. Grundsätzlich sind wir da eher bodenständig und nicht auf Show-Effekte aus. Beim Sound von „Wayfarer“ haben wir auch bewusst eine Produktion gewählt, die harmonisch und warm daherkommt.
Jonas: Deine Wahrnehmung teile ich leider und daher freut es mich umso mehr, dass du bei uns etwas „Ruhe“ findest! Es gibt einen allgemeinen Hang zum Übersteuern, das zeigt sich sowohl im Sound als auch Songwriting neuer Produktionen. Es ist schade, da eigentlich tolle Songs, nach meinem Geschmack, völlig an Wirkung verlieren, wenn gefühlt jeder mögliche Fader am Limit kratzt und meist großartig gespielte Instrumente und Vocals im kumulierten Lärm verschwimmen. Sehr oft fehlt es auch an ausgewogenen Spannungsbögen, die ekstatische Momente überhaupt möglich machen und dem Hörer das Gefühl geben, dass er sich diesen musikalischen Ausbruch über den Verlauf eines Songs „verdient“ hat.
Das Artwork ist einfach und effektiv: ein Reiter mit Umhang und das Gesicht ist nicht erkennbar. Textlich habe ich das Gefühl, dass ihr sehr gerne auf Metalklischees und Achtziger Jahre Titel abfährt wie bei „Blood And Steel“, „The Ice Wytch“ oder „Fighter“. Welche Bands und Filme beeinflussen euch in Sachen Artwork und Texte?
Bruno: Die Frage nach Einflüssen stellt sich immer wieder. Ich denke, dass das für Jonas und mich aber kein bewusster Prozess ist. Unsere Idee ging davon aus, ein Artwork zu haben, das die Grundstimmung des Albums einfängt und dabei ein paar Anspielungen auf die Songs macht. Wir beide haben wohl den Hang zum eher düsteren Bild, aber es ist auch wichtig, dass ein Albumcover nicht zu bunt und wild wirkt. Klar gibt es Cover wie Grim Reapers „See You In Hell“, deren Ähnlichkeit man hier direkt erkennen mag. Das Motiv des Reiters ist nicht neu, es kam aber erst im zweiten Schritt zustande. Ähnlich wie bei „Bloodmoon“ ist nämlich die Rückseite des Albums das „eigentliche“ Artwork. Da wir auch für die Vorderseite ein geeignetes Motiv wollten, haben wir den Reiter als zentrale Figur zeichnen lassen. Am Ende waren wir mit dem Artwork von Adam Burke so zufrieden, dass er auch das Single Cover von „The Ice Witch“ malte. Die Inspiration, mit unterschiedlichen Farben, aber ähnlichen Layouts zu arbeiten bekam ich von Iron Maiden, deren alte Scheiben nebeneinander einfach ein schönes Sammelbild ergeben.
Jonas: Es stimmt, dass unsere Texte sich, zumindest bisher, im thematischen Rahmen der Achtziger bewegen, aber zum Glück ist da recht viel geboten. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, daher verspürten wir bisher nicht den Drang in neue lyrische Gefilde vorzudringen. Ich glaube, dass wir bei Lyrics und Artworkideen von einem genreübergreifenden Gesamtkatalog inspiriert werden, daher ist es schwer da einzelne rauszupicken und sicherlich sind viele Einflüsse auch unbewusst. Während des Schreibens von „Fighter“ kann ich jedoch klar sagen, dass ich mindestens einmal „Rocky“ vor meinem inneren Auge die Treppen hochsprinten sah!
Wo siehst du die Unterschiede zwischen eurem Debüt und der neuen Scheibe?
Jonas: Wir sind nun eine feste Band, haben mit den Liveauftritten auch eine reale Identität und während der letzten Jahre konnten wir viele Erfahrungen auf der Bühne und im Studio sammeln. Das sind Dinge, die uns in jedem Arbeitsprozess zum neuen Album geholfen haben. Während wir bei „Bloodmoon“ noch mit reiner Inspiration ans Werk gingen, sind wir nun viel strukturierter vorgegangen ohne dabei die Begeisterung für die eigentliche Sache zu verlieren.
Bruno: Ich empfinde Wayfarer als reifer, aufgeräumter und besser produziert. Trotzdem sind wir nicht verkopft an die Platte gegangen, sondern wollten direkt an den Vibe von „Bloodmoon“ anknüpfen. Der Entstehungsprozess war identisch, wir haben wieder gemeinsam in Wohnzimmern, Schlafzimmern, Büroräumen und Proberäumen die Platte geschrieben und eingespielt und erst nach dem allerletzten Mastering-Feinschliff aus der Hand gegeben. Deshalb sind wir stolz darauf, dass „Wayfarer“ durch und durch in Handarbeit entstanden ist.
Ihr habt schon auf dem KIT Rising gespielt, das finde ich toll, auf diese „Retrofestivals“ gehören unbedingt auch junge, neue Bands hin, was gibt es denn sonst noch von der Livefront zu berichten?
Bruno: Die Szene lebt von Veranstaltungen wie dem KITR, aber auch kleineren Konzertreihen. Egal ob es das lokale „Black Forest Fest“ oder größere Open Air Festivals wie das „Der Detze Rockt“ sind, wir sehen immer wieder vertraute Gesichter die uns zu unseren Shows begleiten. Das macht natürlich Spaß und schweißt zusammen. Persönlich bin ich sehr gespannt, wo die Reise mit „Wayfarer“ hingeht. Wir haben bereits vereinzelte Shows bestätigt, doch ich erwarte ähnlich wie bei „Bloodmoon“, dass man diese neue Phase von Kerrigan erst nach dem Release so richtig auf den Bühnen erleben wird.
Jonas: Das Schöne an der Szene ist, dass sie jungen Bands auch immer wieder eine Chance gibt sich zu beweisen, denn nur so kann es Nachwuchs geben. Wir durften als Neulinge schon tolle Liveerfahrungen sammeln und trafen dabei immer wieder auf Menschen, die sich voll und ganz der Musik verschrieben haben. Leute, die Events in der Freizeit planen oder durch ganz Deutschland tingeln, um die Bands zu supporten, das motiviert mich ungemein.