Die Ruhrpott Musiker HARKON kommen sechs Jahre nach ihrer Debüt EP mit dem Album „Love And Vore“ um die Ecke und überzeugen mit klischeefreier, eigenständiger Musik in der Schnittmenge Heavy Metal und Prog Rock. Wir schnappten uns den von The Very End sicherlich einigen bekannten Frontmann Björn Gooses und quetschten ihn etwas aus über Musik und Band.
Hi Björn, wie seid ihr auf den Namen Harkon gekommen? Ich muss da immer an „Dune“ oder „Skyrim“ denken!
Hi Thorsten! Harkon ist ein Eigenname ohne konkrete oder tiefere Bedeutung. Uns gefiel einfach der Klang sowie die Tatsache, dass dieser Name die Band stilistisch nicht sofort verortbar macht. Die „Dune“-Assoziation ist dabei aber völlig ok.
Euer erstes Lebenszeichen war die 2019er EP „Ruins Of Gold“. Warum dauerte euer Debütalbum so lange und warum seid ihr „nur“ mit einer EP gestartet?
Eigentlich wollten wir mit nem Doppelalbum, einer Welttournee und der Verfilmung unserer Autobiografie starten. Nach reiflicher Überlegung schien es uns dann doch aber etwas zu gewagt und wir beließen es bei einer EP. Ja, es hat ein Weilchen gedauert, bis das Album danach rauskam! Aber davon abgesehen, dass drei von vier Bandmitgliedern als Soloselbständige tätig sind und für Bandaktivitäten leider nicht immer so viel Zeit bleibt, wie man es sich vielleicht wünschen würde, Corona uns ausgebremst hat, was gemeinsames Songwriting im Proberaum angeht und es bei einem Newcomer halt auch gerne mal relativ lange dauern kann, bis mit dem fertigen Album ein Label gefunden wird, was dann im Anschluss ja auch erstmal einen vernünftigen Release-Vorlauf braucht, relativiert dass diesenZeitraum schon ganz ordentlich, denke ich.

Euer Debütalbum „Love And Vore“ ist für mich ein Album, was Heavy Metal oder auch Hard Rock ist, aber im Grunde in keine der vielen Genreschubladen passt und frei von Klischees ist musikalisch wie textlich. War das ein völlig bewusster Schritt von euch, oder hat sich das so ergeben? Mit der Zeit glaube ich sogar Prog Metal Gitarreneinflüsse zu hören!
Erstmal danke für das Kompliment! Jedenfalls ist diese Nicht-Kategorisierbarkeit für mich eines. Es unterstreicht ja unsere Eigenständigkeit. Das hat sich aber einfach organisch entwickelt und war kein übergeordneter Masterplan. Und ja, ich denke auch, dass unsere Musik bis zu einem gewissen Grad progressiv ist. Prog Metal bedeutet ja nicht zwingend, sich derbe einen abzufrickeln, sondern auch einfach mal neue Wege zu beschreiten. Und das ist aus Musikersicht natürlich sehr verlockend und am Ende des Tages auch befriedigend – zumindest, wenn der Plan dann aufgeht und ein guter Song dabei rumkommt.
Die Texte sind auch gespickt mit Wortspielen, wirken auf mich sehr persönlich und jenseits von diversen Klischees, ich wiederhole mich, aber auch recht interpretierbar, oder wie siehst du das? Viele neuere Texte, besonders im Hard Rock und Death / Black sind meiner Meinung nach zum Fremdschämen.
Auch ich wiederhole mich und bedanke mich nochmals für die Blumen! Mir als Sänger und Texter liegen die Lyrics natürlich sehr am Herzen. Und Du hast völlig recht, dass diese bei mir immer recht persönlich ausfallen, auch wenn ich bei Harkon nicht ausschließlich aus der Ich-Perspektive schreibe. Die von Dir erwähnten Klischees hängen mir auch zum Hals raus und bewegen emotional auch nix bei mir. Für eine leidenschaftliche Gesangsperformance braucht es daher – zumindest für mich – natürlich auch einen ebenso nahegehenden Text. Diese Wortspielereien habe ich Vergleich zu älteren Lyrics aus meiner Feder bei Harkon zwar deutlich runtergeschraubt, aber so ganz kann ich offenbar die Finger nicht davonlassen. Die Gratwanderung zwischen sagen wir mal Autobiografischem und einer gewissen Offenheit ist mir in der Tat auch wichtig. Denn wenn die Hörer*innen die Texte wiederum interpretieren und sich so ein Stück weit selber darin wiederfinden können, finde ich das großartig!
2025 habe ich musikalisch ziemlich viel Plastik hören müssen in Sachen Metal, oder auch ansehen in Sachen KI Artworks. Eure recht natürlich klingende Produktion und das von dir gestaltete Artwork sind da voll der Gegenentwurf zu. Fällt das den Hörern auf, kommt das an? Oder ist das heutzutage nur Nerds wie mir wichtig?
Selbst, wenn die KI-Seuche und Plastiksounds von der Stange auch in unserer Stromgitarren-Bubble Einzug halten, glaube ich schon, dass der Großteil einer Szene, die sich zumeist Authentizität und Integrität auf die Fahne schreibt, durchaus Wert darauflegt, dass ein Album als Gesamtkunstwerk eben noch „menschgemacht“ ist. Wenn – verkürzt formuliert – Maschinen und Algorithmen Kunst übernehmen, die ja in jedweder Form eine der ursprünglichsten Formen menschlichen Ausdrucks ist, verlieren wir einen bedeutenden Teil unserer Menschlichkeit. Leider ist ein unbefangenes Entdecken neuer Bands im Zuge dessen ein zweischneidiges Schwert, und ein wachsames Auge und Ohr scheint mir heutzutage nötig zu sein, bevor man einer Neuentdeckung sein Herz schenkt.
Eure letzte EP ist ja wie gesagt schon was her, daher war ich auch recht überrascht wie gut die singen kannst, ohne Thrash Shouts oder Growls. War das schon immer so, oder hat da sich erst in den letzten Jahren ergeben?
Über meine ersten Gehversuche hinsichtlich melodischen Gesangs Ende der 1990er, Anfang der 2000er decken wir mal lieber den Mantel des Schweigens, aber spätestens seit dem THE VERY END Debutalbum „Vs. Life“ von 2008 an dem Harkon-Gitarrist Volker ja auch maßgeblich beteiligt war) muss ich mich damit glaube ich nicht mehr verstecken. Da das ja nun auch schon fluffige 17 Jahre her ist, kann man glaube ich nicht sagen, dass sich das erst in den letzten Jahren ergeben hat. Du hast also vielleicht noch ein paar gute Alben zu entdecken (lacht).
Zu deinen drei Kollegen in Harkon ist mir nichts bekannt! Der Bassist Volker war wohl mal bei deiner Band The Very End. Für mich sind die Herren aber sonst unbeschriebene Blätter im Musikzirkus. Oder haben ich was übersehen?
Ja, da hast Du tatsächlich Einiges übersehen. Volker hat die beiden The Very End Alben „Vs. Life“ und „Mercy & Misery“ mitgeprägt und auch auf dem Nachfolger „Turn Off The World“ finden sich noch Riffs von ihm. Aber auch davor war bereits lange zeit aktiv, z.B. bei Flaming Anger. Basser Marcel Früher auch viel im Prog unterwegs bei z.B. Forces At Work und Drummer Lars sind zudem die Rhythmustruppe der Adrian Weiss Band, während Lars darüber hinaus auch noch bei z.B, Tyranthrope, Signs Of Wear und These Are The Days spielt.
Die sind ja echt gut beschäftigt! Wie groß sind eure Ambitionen mit Harkon und wie viel Zeit steckt ihr rein?
Ach, was heißt Ambitionen, wir hoffen, dass möglichst viele Menschen „Love And Vore“ entdecken, denn es lohnt sich einfach! Wir müssen und wollen definitiv mehr live spielen, das ist klar! Dieses Gigflaute geht uns schwer auf den Sack, also wenn das hier ein*e Booker*in oder Veranstalter*in liest – schreibt uns gerne einfach mal an! Ansonsten nehmen wir’s, wie es kommt. Wir sind happy mit unserem kleinen feinen Team, von Doc Gator Records als Label über Metal Message als Promo-Partner bis hin zu Rambado Recordings und Koehne Mastering für die Aufnahmen und hoffen, irgendwann 2026 das Songwriting für Album Nummer zwei abzuschließen. Aber bis dahin ist es noch ein gutes Stück des Weges. Wir sind weder allzu fixe Songwriter, noch haben wir die Kapazitäten, uns ständig im Proberaum zu verschanzen. Aber wenn wir die Zeit finden und als kleines Kreativkollektiv zusammenfinden, genießen wir die Freundschaft und gemeinsame Kreativität einfach – und das ist für uns mit Abstand das Wichtigste!
Ich hoffe die Truppe mal live zu erleben! Checkt die Band unbedingt mal an, ist mal was anderes als der übliche Einheitsbrei in Sachen Metal.