Wer sich Anfang der 2000er Jahre in Discotheken oder ähnlichen Spelunken rumgetrieben hat, in denen Rock, Alternative und/oder Metal gespielt wurde, der ist an Bands wie GODSMACK, P.O.D. oder DROWNING POOL nicht vorbei gekommen. Ob man das nun mochte oder nicht, kein Freitag/Samstag Abend ohne „Bodies“, „Alive“ oder „I Stand Alone“, und die Tanzflache war voll.
Ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich ein paar Jahre später alle drei Bands aus den Augen verloren habe. Sicherlich bekam ich noch die ein oder andere News am Rande über Einzelheiten in den jeweiligen Kapellen mit, aber das waren alles nur Momentaufnahmen. Und neue Musik oder Veröffentlichungen gingen auch völlig an mir vorbei.
Umso erstaunter bin ich, als ich das Konzertplakat mit allen drei Bands sehe. Eine schöne Möglichkeit die Truppen direkt auch live zu bewundern, da ich in der Vergangenheit keine Gelegenheit dazu hatte. In dem Zuge beginne ich mit Recherchen zu GODSMACK, P.O.D. und DROWNING POOL. Erstaunt stelle ich fest, das alle Bands nicht nur immer noch aktiv sind, sondern auch von Zeit zu Zeit neue Musik veröffentlichen.
Komplett ausverkauft ist die Nummer heute nicht, den Ticketpreis von EUR 80,- finde ich für drei Bands dieses Kalibers ganz in Ordnung.
Die Inselpark Arena in Hamburg, im Stadtteil Wilhelmsburg gelegen, füllt sich nur langsam heute. Obwohl die Anlage noch recht neu ist (ursprünglich gebaut für die Internationale Gartenschau 2013, umgebaut zur Multifunktions-(Sport)Halle im Jahre 2014), hat sie den großen Makel, dass es nur wenige Getränkestände gibt, und sich an diesen endlosen Schlagen bilden. Nicht selten kann man die komplette Umbaupause zwischen zwei Bands wartend in einer Reihe von Menschen für ein Bier oder eine Cola verbringen. So stehen noch einige Zuschauer draußen oder decken sich mit Getränken ein, während pünktlich um 19.00 Uhr DROWNING POOL den Abend eröffnen.
Dass die Band ihrem Image als „One Hit Wonder“ versucht entgegenzutreten ist ehrenwert, allerdings merkt man den gespielten Songs an dass es lediglich bei dem Versuch bleibt. Die drei Eigenkompositionen „Sinner“, „Feel Like I Do“ und „Step Up“ werden zum Start gespielt, allerdings gibt es außer Höflichkeitsapplaus keine Reaktionen. Als vierten Song gibt es bereits eine Cover Version, „Rebel Yell“ von BILLY IDOL muss dafür herhalten, was natürlich hier jeder kennt und mitsingt.
Es folgt „Tear Away“, eine Ballade, zu der Sänger Ryan McCombs allerdings die (geringe) Menge noch animieren muss die Handylichter oder Feuerzeuge anzumachen. Das wirkt alles recht lustlos und einstudiert.
Der letzte Song ist dann natürlich „Bodies“, bei dem es dann im Publikum rund geht, und natürlich wird der Track unnötig in die Länge gezogen. Ich will hier gar keine große politische Debatte lostreten, aber seitdem die Band immer wieder vor Soldaten in Guantanamo Bay auftrat ist bei mir der Sympathie Zug abgefahren.
Davon abgesehen ist der Auftritt wirklich mau, und es verwundert mich nicht dass DROWNING POOL musikalisch seit Jahren kein Ausrufezeichen setzen konnten.
Nach einer zackigen Umbaupause von 15 Minuten kommen dann P.O.D. auf die Bühne. Die Hitdichte ist jetzt um einiges höher, und um das zu unterstreichen beginnt das Quartett aus San Diego direkt mit „Boom“ und „Satellite“. Die Stimmung im Publikum ist jetzt wesentlich besser, die Arena ist gefüllt, und Sänger Paul Sandoval sammelt Pluspunkte indem er mit „Moin Hamburg“ die Zuschauer ordnungsgemäß begrüßt.
Aber auch die energiegeladene Show vom P.O.D. Frontmann kann nicht verhindern, das nach den ersten beiden Gassenhauern erstmal wieder Ruhe einkehrt. „Murdered Love“ und das fulminante „Drop“ kennen nur Hardcore Fans, dazu folgt mit „I Got That“ eine sehr ruhige Nummer, was die Stimmung endgültig kippen lässt. Zu allem Überfluss kommt dann mit „I Won’t Bow Down“ eine (nahezu) reine Hip Hop Nummer, die für Verwunderung im Publikum sorgt.
Aber es kommt noch schlimmer. Um das Stimmungsbarometer wieder rumzureißen versucht Paul Sandoval die Menge mit dem Fussball Klassiker „Ole, Ole, Ole, Ole, P.O.D., P.O.D.“ zu animieren. Das klappt aber auch nur so mittel, und der Fremdschamfaktor schnellt in die Höhe.
Schnell wieder einen guten Song spielen, denken sich P.O.D. und hauen „Youth Of The Nation“ raus. Die Rechnung geht auf, das Publikum hängt an den Lippen vom Frontmann und darf den Refrain laut mitsingen. Die Band ist jetzt wenigstens so clever und hält den Enthusiasmusfaktor mit „Southtown“ und „Afraid To Die“ hoch, bevor mit „Alive“ der Überhit den Abend für P.O.D. beendet.
Das kalifornische Quartett liefert heute ordentlich ab, verlässt sich aber sehr stark darauf dass die über 20 Jahre alten Granaten zünden. Den Leerlauf zwischen durch können Sie aber auch nicht verhindern
Wie heutzutage so üblich wird die Bühne für den Headliner Umbau verhüllt. Um das vorweg zu nehmen: der Grund dafür erschließt sich mir nicht wirklich, gibt es doch keine gigantischen Bühnenaufbauten oder sonstigen Tinnef der das rechtfertigt. Sei es drum, gut 30 Minuten später wird der Lautstärkeregler nach oben gefahren und der Vorhang verschwindet. Eine sehr große Video Leinwand hinter der Bühne zeigt einen DJ der allerlei Klassiker anspielt bzw. auflegt. Als das Publikum dann ordentlich angeheizt ist gibt es einen Schnitt, und plötzlich sehen wir GODSMACK wie sie sich live aus dem Backstage Bereich auf den Weg zur Bühne machen. Coole Idee, denn das treibt die Leute nochmal ordentlich an.
Kurz darauf entern Sully Erna und seine Mitstreiter die Bühne und legen mit „Surrender“ und „You And I“ direkt los. Die Zuschauer sind begeistert, und auch die Video Leinwand läuft weiter so dass man auch von ganz hinten dem Geschehen auf der Bühne folgen kann.
Apropos Mistreiter: hier musste Mister Erna etwas improvisieren, denn Shannon Larkin und Tony Rombola fehlen auf dieser Tour und werden mit Will Hunt am Schlagzeug von EVANESCENCE und Sam Koltun an der Gitarre von der Kapelle DOROTHY ersetzt.
Die Show von GODSMACK wirkt trotzt der beiden Ersatzmitglieder sehr durchgeplant und professionell, und ich denke dafür sind GODSMACK auch viel zu lange im Geschäft. Zufälle oder spontane Sachen sind eine absolute Ausnahme, damit muss man als Fan einfach leben.
Während das Konzert so vor sich hin plätschert fällt mir an der Setlist auf, dass es ein bunt gemischter Haufen ist. Meine Erwartung wäre eher die gewesen, dass der Schwerpunkt der Lieder auf dem letzten Album „Lighting Up The Sky“ liegt. Aber bis auf die beiden ersten Nummern war es das, kein weiterer Song ertönt von dieser Scheibe.
Auf der Video Leinwand werden ab und an auch Grafiken oder Effekte eingespielt, speziell bei „Voodoo“ ist das schon ein echtes Erlebnis. Nach dem Song bekommt dann Sully Erna die Chance seine Schlagzeugkünste unter Beweis zu stellen, liefert er sich mit Will Hunt eine Art Drum Battle und die beiden spielen jede Menge Evergreens wie „Back In Black“ oder „Enter Sandman“ an. Eine schöne Auflockerung.
Das nachfolgende „Whatever“ beendet dann den offiziellen Teil, und mithilfe der Video Leinwand und eines Roadies wird dann hinter Bühne festgelegt, dass es drei Zugaben gibt. Von denen bleibt „Under Your Scars“ als Gänsehautmoment hängen, denn der GODSMACK Frontmann leitet das Ganze mit sehr feinfühligen Worten ein während ein Klavier auf die Bühne gebracht wird und auf der Leinwand Kontaktnummern von Hilfsorganisationen stehen. Während des Songs erinnert er Menschen die nicht mehr unter uns weilen, z.B. Amy Winehouse oder Chester Bennington. Hier habe ich tatsächlich das Gefühl, dass GODSMACK uns eine Botschaft mit auf den Weg geben wollen, und der Pathos nicht nur des Show Willens gemacht wird. Auch bei dem ein oder anderen Zuschauer kann man eine Träne im Auge sehen.
Aber so wird das Konzert natürlich nicht beendet, mit „Bulletproof“ und (selbstverständlich) „I Stand Alone“ werden die Massen dann nach Hause geschickt.
Ein gutes Konzert geht damit zu Ende. GODSMACK sind zurecht der Headliner, P.O.D. haben sich selber das Leben schwer gemacht und DROWNING POOL hätte man sich auch schenken können.
Auf dem Weg nach draußen wundere ich mich das am Merchandise Stand gähnende Leere herrscht. Ein kurzer Blick auf die Preise ist dann der Grund für diesen Zustand: die einfachen T-Shirts kosten EUR 45,-, ein Kapuzenpullover EUR 90,-.
Ich kann das schon verstehen dass Bands mittlerweile auf diesen Einnahmen angewiesen sind, das ist auch völlig in Ordnung. Wenn man die Preise aber derart hoch ansetzt muss man sich nicht wundern wenn man einen großen Teil der Textilien am Ende der Tour wieder mit nach Hause nimmt.
























































