Keine Ahnung, warum die Kanadier NICKELBACK immer im Netz so „gedisst“ werden! Dabei macht das Quartett um Sänger und Gitarrist Chad Kroeger im Grunde nur modernen, sehr kommerziellen Hard Rock – quasi die BON JOVI des Millenniums. Viele Jahre dominierten sie meiner Meinung nach die Radiosender. Die seit 1995 fast in Originalbesetzung aktiven Musiker habe ich persönlich allerdings seit Jahren aus den Ohren und Augen verloren. Jetzt wurde ich aber mit dem schön aufgemachten 11. Album „Everything Under The Sun“ bemustert und habe mir NICKELBACK wirklich intensiv angehört. Der erste Track ist dann eine richtige Überraschung: „Rattle The Cage“ kommt mit Stampfrhythmus, abgehackten Riffs und rauer Grundstimmung daher, ist aber immer noch sehr eingängig. So könnte es bleiben! Das Ganze hat einen leichten FIVE FINGER DEATH PUNCH-Flair. Danach geht es mit „Bones For The Crows“ rockig und knackig, aber schon softer weiter. Das ist schon mal nicht schlecht, denke ich mir! Das war es aber auch, denn an dritter Stelle kommt die verträumte Pop-Rock-Nummer „I Already Know“, worauf die Halbballade „Leave Me Behind“ folgt. So geht es dann auch gnadenlos weiter mit den nächsten (!) Balladen „If I Don’t Go“ und „Make Me Love You“. Die üblichen Radiosender und diverse MILFs über 35 freuen sich tierisch. Mit dem sehr kommerziellen Rocker „Chasing Famous“ wird es dann noch mal dezent laut, aber anschließend kommt knallhart ein waschechter Poptrack: „Simple Song“ heißt der Titel, der wirklich passt. Mit viel Midtempo, Akustikgitarren und Schmalz der Sorte Country-Rock plätschert das Ganze soft dahin. Das wird mit den restlichen Tracks auch nicht besser. Das ganze Material kann man gut hören. Es stört nicht und ist quasi gute Hintergrundbeschallung beim Kochen, was ich selbst ausprobiert habe. Faustformel hierbei: Je weiter hinten auf der Scheibe, umso poppiger wird das Ganze!
Eine solche Anbiederung an den Mainstream hätte ich von den Kanadiern nicht erwartet. Zu „How You Remind Me“-Zeiten war das ja fast schon „hart“ gegen dieses lauwarme 2026er-Album hier. Dass sie anders können, zeigt der erste Song der Scheibe. Dieser repräsentiert das Album aber überhaupt nicht!