Prog Rock aus Deutschland war hauptsächlich in den 60ern und 70ern auch international erfolgreich. Gruppen wie CAN, AMON DÜÜL, ELOY, FRUMPY oder JANE fanden hohen Zuspruch bei den Fans anspruchsvoller Klänge abseits des Mainstreams. Auch NEKTAR gehörten dazu und machten viele Jahre lang fleißig weiter, wobei sich die Truppe im Laufe der Jahre mehr in Richtung Classic Hardrock mit Orgel entwickelte, bis 2016 Frontmann Roye Albrighton verstarb. Der ehemalige Keyboarder Klaus Henatsch wollte mit seiner Band NEW NEKTAR eigentlich das musikalische Erbe verwalten, scheiterte jedoch an namensrechtlichen Auseinandersetzungen und musste das Projekt schließlich einstampfen. So gründete er vor zwei Jahren einfach seine eigene Band RATKEN, deren Debüt „Our House“ jetzt vorliegt. Dabei liest sich das Line-Up mit u.a. Bassist Holger Trull (ex-LAKE) oder Drummer Toni Danner (u.a. AEREA) wie eine deutsche Prog-Supergroup.
Bei all dieser Fachkompetenz wundert es mich nicht im Geringsten, dass „Our House“ ein Füllhorn an zwar komplexen, jedoch niemals zu komplizierten und frickeligen Songstrukturen bietet. Traditioneller, klassischer Prog-Rock, der geschickt mal ein Auge auf Classic Hardrock wirft wird geboten und mit Sänger Danny Lattrick (u.a. ROCK MEETS SOUL) steht eine echte Granate am Mikro. Songs wie „The Seed“ (siehe Video), „Farewell To You“ oder „King Of The Deep“ stehen nur als Beispiele für das gesamte Album. Da heißt es sich zurücklehnen, zuhören und sich an neun Longtracks, die zwischen sechseinhalb und fast elf Minuten die Ohrmuscheln verwöhnen zu ergötzen! Dass dabei, neben eigenen neuen Songs auch Kompositionen darunter sind, die noch von Roye Albrighton und im Falle von „Silence“ gemeinsam mit Jutta Weinhold verfasst wurden, ist umso schöner. Die Umsetzung ist jedenfalls mehr als gelungen.