EUROPE – COME THIS MADNESS

Artist

Europe

Albumtitel

Come This Madness

Genre

Hard Rock

Wenn der Name EUROPE fällt, dauert es meist nicht lange, bis in Gedanken die ersten Keyboardtöne von „The Final Countdown“ ertönen. Auch bei mir war das eine sehr lange Zeit so. Auf Anraten meines Kumpels Schmidti (Grüße gehen raus!) habe ich mich dann doch mal etwas genauer mit der Materie EUROPE beschäftigt und siehe da, die schwedische Band hat deutlich mehr zu bieten als ihren wohl unvermeidlichen 80er-Hit. Gerade das Zweitwerk „Wings Of Tomorrow“ hat gezeigt, dass EUROPE durchaus in der Lage waren, melodischen Hard Rock mit ordentlich Schmackes zu spielen. Und auch nach ihrer Reunion haben Joey Tempest und Co. mit den letzten Alben bewiesen, dass man sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen möchte. Entsprechend neugierig darf man also auf „Come This Madness“ sein.

Allerdings macht es einem das nunmehr 12. Studioalbum nicht unbedingt leicht. Dabei fängt das Ganze mit der Erstauskopplung „One On One“ durchaus vielversprechend an. Rockig, groovig und mit einer gewissen Erdigkeit versehen, erinnert der Song angenehm daran, dass EUROPE eben auch anders können. Auch „The Cult Of Ignorance“ und „The Devil´s Back“ haben ihre Momente und sorgen zumindest zeitweise dafür, dass der Lautstärkeregler nicht ausschließlich als Dekoration dient. Überhaupt ist handwerklich natürlich alles im grünen Bereich. Joey Tempest singt nach wie vor auf hohem Niveau, John Norum liefert einige feine Gitarrenmomente ab und auch der Rest der Band muss sich wahrlich nicht verstecken. Das Problem liegt also keineswegs am Können der Beteiligten.

Leider scheint EUROPE dieses Können auf „Come This Madness“ nicht immer in den Dienst eines wirklich zwingenden Songs stellen zu wollen. Stattdessen verliert sich die Band erstaunlich häufig in ausgedehnten instrumentalen Passagen nebst Keyboardmissbrauch, Stimmungen und musikalischen Schleifen. Das kann bei dem geneigten Hörer atmosphärisch und durchaus anspruchsvoll sein, führt bei mir aber auch regelmäßig zum Blick auf die Uhr und dem Drang auf die Skiptaste zu drücken.

Gerade im Mittelteil wird deutlich, dass EUROPE diesmal weniger auf klassische Rockhymnen und mehr auf Atmosphäre, Dynamik und musikalische Ausgestaltung setzen. Das ist grundsätzlich legitim und zeigt durchaus den Anspruch der Musiker. Nur fehlt es einigen Stücken schlicht an dem zwingenden entscheidenden Moment, der sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzt. Wo andere EUROPE-Alben, wie „The War Of Kings“, immer wieder mit starken Melodien oder knackigen Riffs um die Ecke kamen, bleibt „Come This Madness“ über weite Strecken etwas zu sehr im musikalischen Niemandsland.

„Come This Madness“ ist deshalb keineswegs ein schlechtes Album. Dafür sind die Musiker einfach zu gut, die Produktion zu ordentlich und einige Songs zu gelungen. Es ist vielmehr ein Album, bei dem ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass EUROPE manchmal etwas zu sehr zeigen möchten, was alles möglich ist, anstatt einfach öfter das zu tun, was sie nachweislich besonders gut können.

Unterm Strich bleibt somit ein durchaus respektables Spätwerk mit einigen guten Rockmomenten, aber auch reichlich musikalischem Leerlauf. EUROPE müssen sich glücklicherweise nicht mehr über „The Final Countdown“ definieren. Vielleicht sollten sie sich aber gelegentlich daran erinnern, dass ein guter Song nicht zwangsläufig schlechter wird, nur weil man ihn nach drei Minuten auch einfach mal zu Ende spielt.

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Infos

Release

25.09.2026

Laufzeit

41:19 Minuten

Label

Silver Lining Music 

Internet

Fazit
EUROPE können es noch – sie müssten es auf „Come This Madness“ nur etwas häufiger auch zeigen!
9
von 15
Solide
Autor
.
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