Man muss sich mal vor Augen halten, dass es sich bei Berlin nicht nur um unsere Hauptstadt handelt, sondern um eine ziemlich große Ansammlung von Menschen obendrein. In Sachen lauter Gitarrenmusik müsste man demzufolge eigentlich quantitativ vorne mit dabei sein. Ist man aber nicht. Auch dit is Berlin. Die Klärung der Frage, ob nunmehr SPACE CHASER mit ihrem Viertling „Razorblade Bay“ den Karren zumindest qualitativ aus dem Dreck ziehen können, soll Ziel dieser Betrachtung sein.
Die klare Antwort heißt: jein. Zum einen sind SPACE CHASER vielleicht tatsächlich eine Thrash-Band von vielen, die solide ihren Weg gehen. Da kann auch die Reduktion zum Quartett (Leo Schlacht kümmert sich nun neben der Rhythmus-Gitarre auch um den Gesang) den Dampfzug nicht bremsen – man schreddert einfach fröhlich weiter durch die Gefilde. Das übrigens auch begünstigt durch die durchaus souveräne Performance des Gesangsdebütanten. Was aber viel wichtiger ist: „Razorblade Bay“ trieft förmlich vor Herzblut und einer sympathischen Ignoranz jedweder modischer Verwirrung gegenüber. Keine überlaute Produktion (übrigens als Co-Produzent am Start: Andy Brings, zu seiner Zeit bei SODOM mitverantwortlich für die ein oder andere Granate), kein Schnickschnack, einfach eine gute halbe Stunde Spaß an der vertonten Gewaltausübung. Vielleicht ist dann gerade das Berlin. Old school, aber nicht retro. Stur, aber nicht verbockt. Mit Herz anstatt Kalkül. Erkenntnis: Berlin ist vielleicht nach wie vor nicht unbedingt das Metal-Mekka, aber wenn sich eine Band von dort auf euren Plattenteller verirrt, dann ist es eine mit Herzblut. Da erinnern mich SPACE CHASER beispielsweise stark an die ebenfalls dort beheimateten INDIAN NIGHTMARE.