KREATOR. Was soll man da noch sagen, oder sogar schreiben? Schließlich haben die Altenessener über die Jahre eine Form der Omnipräsenz erreicht, die einen nur noch Staunen lässt. Egal, ob zwischen Buchdeckeln, oder auf der Kinoleinwand, ob im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, oder im Ox Fanzine, ob Mille allein in der Küche mit Bild, oder gemeinsam mit Basser Frédéric und den Kollegen von der Printpresse beim Platten shoppen im Coretex in Kreuzberg – hat es alles schon gegeben. Und da haben wir noch gar nicht von „Pleasure To Kill“ und der Serie „Dark“ gesprochen. Kann die eigentliche Kunst da noch Schritt halten? Kommt das Ruhrpott-Quartett überhaupt noch zum Musizieren? Aber hallo!
Nach runden vier Jahrzehnten legen KREATOR schließlich mit „Krushers Of The World“ Opus Nummer 16 vor. Und was für eins! Und das zu einem Karrierezeitpunkt, wo andere Bands von Label und Management nur noch wie ein lahmer Gaul über die Weide getrieben werden. Ob KREATOR heute wie damals noch Thrash Metal machen, sei mal dahingestellt. Ich will meinen, dass dem so ist. Es gibt aber auch gute Argumente dagegen, wie ein Mehr an Melodie, noch stärkere klassische Heavy Metal Einflüsse sowie ein, durch Mille auch offen bekannter, Hang zu eingängigeren Refrains. Insgesamt kommt unterm Strich immer wieder KREATOR bei rum, weshalb vermutlich auch bei einer Blindverkostung 99% der Probanden nach drei Takten eines beliebigen Songs richtig tippen würden. Allerspätestens beim Klang von Milles Stimme. Schon der extrem gelungene Einstieg in „Krushers Of The World“ gemahnt einen heuer übrigens daran, dass man sich einmal wieder „Hordes Of Chaos“ geben müsste. Für mich noch immer der Meilenstein der jüngeren KREATOR-Historie. Weiter geht es anschließend mit einer höchstunterhaltsamen dreiviertel Stunde. „Tränenpalast“ und „Deathscream“ zeigen nicht nur KREATOR in überzeugender Form, sondern auch Gast-Vokalistin Britta Görtz (HIRAES). Während letzterer schon fast Death Metal ist, erinnert der Chorus von „Blood Of Our Blood“ an ursprünglichen Heavy Metal, wohingegen der Titeltrack ein feinster KREATOR-Stampfer alter Schule ist. Kurzum: Ich könnte hier noch ewig weiterschreiben. Ihr aber sollt nicht lesen, sondern hören. Also auf jetzt.