Letztlich ist ja alles irgendwie eine Frage der Legitimation. Darf der das? Darf eine Black Metal Band heute noch so klingen, dass einem die (un-)seeligen 90er Jahre in den Ohren klingeln – und das auf erfreulichste Art und Weise? In Falle von CHRIST AGONY auf jeden Fall. Schließlich waren Mastermind Cezar und seine wechselnden Mitstreiter bereits vor drei Jahrzehnten aktiv und können inzwischen auf eine doch recht lange Liste an Releases zurückblicken.
Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass das Päuschen bis hin zu „Anthems“ immerhin neun lange Jahre dauerte. Eine Phase, die Cezar nutzte, um ruhiger zu treten und sich zu fokussieren. Eine Platte, nur um der Platte Willen, kam nach eigenen Bekunden nicht in Frage. Das Resultat gibt dem Kopf der polnischen Düster-Walze recht. Sechs pechschwarz dräuende Songs sind es dann letztlich geworden. Nichts mit Highspeed, nichts mit Gerumpel. Black Metal auf die doomig-epische Art und Weise, die einen in voller Breite gefangen nimmt. Die Reifezeit merkt man „Anthems“ übrigens auf die feinste Art an. Die Songs sind fein austariert und jeder wiederum hinreichend eigenständig, dass einem die Trademarks im Ohr hängen bleiben. Das Warten hat sich gelohnt. Wer sich davon ein Bild machen möchte, kann sich mal in Ruhe die fast acht Minuten von „Rites Of The Black Sun“ geben. Schneller und düsterer kann eine Zeitreise von 3o Jahren eigentlich nicht vonstattengehen. Das Warten hat sich gelohnt und zumindest bleibt die Hoffnung, dass es nicht wieder neun Jahre bis zur nächsten Platte dauert.