VOGELFREY werden im Allgemeinen als Mittelalter-Rock bzw.-Metal Band beschrieben. Ich bin jetzt zwar kein Die Hard-Fan, kenne aber viele Lieder der Hamburger und habe Musik im Stile von IN EXTREMO oder anderen bekannten Genre-Bands mit akustischen Instrumenten wie Geigen, Cello oder Dudelsack zu den harten, elektrischen Gitarren erwartet. Ok, natürlich auch Metal, war ja bisher auch oft so! Aber es kommt ganz anders als erwartet…
Tja, was wollen mir die Künstler mit diesem Album sagen? Bei den ersten drei Songs, bei denen es sich um den Titeltrack, „Nein Mann“ (siehe Video) sowie „Alle Sagen Das“ handelt, ist von akustischen Elementen so gut wie nichts zu hören. Das bleibt übrigens auch im weiteren Verlauf so. Stattdessen dominieren Beats wie beim Ballermann auf Mallorca sowie weitere elektronische Sounds. Klar, melodisch schon eingängig, aber wem wollen sich VOGELFREY hier anbiedern? Etwa den RAMMSTEIN-Jüngern?? Ja, zugegeben, mit viel Alk im Schädel könnte ich das Album bestimmt ertragen. Industrial Sounds bzw. NDH dann bei „Trollwut“, „Gott Mensch“ oder „Nacht Über Leben“, bei denen ich die (wenigen) Geigenklänge eher als störend bzw. sogar unpassend empfinde. Da retten auch die einigermaßen sozialkritischen Texte nicht viel. Puh, mit Mittelalter-Metal hat das meiner Meinung nach nicht mehr viel zu tun. Beim zumeist englischsprachigen „How Much Is The Fish“ wird dann sogar im Death Metal-Style gegrowlt und der alte BOTS-Klassiker „Was Wollen Wir Trinken?“ einfach integriert…ehrlich jetzt?? Da kommt mir das Instrumental „Mittelalter Dance Metal“ schon fast anspruchsvoll vor, wären da nicht die computeranimierten „Kraftwerk“-mäßigen Vocals, die aber nur den Refrain trällern…Vielleicht bin ich aber nur nicht der richtige Mensch für die 7. Platte der Norddeutschen, denn auf solche Klänge war ich einfach nicht vorbereitet. Ich streiche jetzt Mittelalter und ersetze es durch NDH/Industrial, fertig. Stilbruch? Nö, nicht ganz, man sollte einen derartig krassen Stilwechsel eventuell nur vorher kommunizieren. Die abschließende Ballade „Dunkelheit“ mit wirklich gutem Text kommt mir dann wie eine Entschuldigung an die alten Fans vor. Über das Cover-Artwork möchte ich dann auch lieber den Mantel des Schweigens legen!