10 Jahre nach seinem ersten Soloalbum hat HELLOWEEN- und GAMMA-RAY-Musiker KAI HANSEN ein zweites am Start, das nun nicht mehr unter dem HANSEN & FRIENDS-Banner steht, aber quasi die gleiche Besetzung hat! Ignorieren wir aber mal das kreischend-bunte KI-Cover und den ultraplakativen Titel dezent und kommen zum Wesentlichen: Die Band besteht aus dem Produzententeam Gitarrist Eike Freese (Ex-DARK AGE), Bassist Alexander Dietz (HEAVEN SHALL BURN) und Schlagzeuger Dan Wilding (CARCASS). Die verschiedenen Gastsänger des ersten Albums sind nicht mehr an Bord, hier regiert KAI HANSENS Stimme – und der Mann hat eine sehr charakteristische und markante Röhre. Alle Lieder klingen nicht nach HELLOWEEN oder GAMMA RAY, und das finde ich super! HANSEN macht sein eigenes Ding, was aufgrund seiner Stimme total nach ihm klingt, logisch. Der Mann klingt halt völlig eigenständig. Auch die Musik ist breit aufgestellt, teilweise wurden die Lieder auch mit oder von seinen Bandmitgliedern geschrieben.
Der Opener „Feeding The Beast“ ist anfangs recht melancholisch, gewinnt dann an Fahrt und wird zu einem starken Heavy-Metal-Midtempokracher. Das treibende, rockige „Welcome To Life“ versprüht einen gewissen Siebziger-Flair, „Don’t Care“ startet mit modernen Beats und Keys. Das Ding ist definitiv eines der abgedrehten Lieder von HANSEN, irgendwie total irrwitzig. Der Titel ist irgendwie Programm.„Wait And See“ beginnt wie eine Gothic-Rock-Nummer mit Keyboardsounds, die einen John Carpenter freudig machen würden. Das Lied schleppt sich dann fast doomig dahin, worauf es fast schon Industrial Rock wird und das Gaspedal ab und an wieder mehr getreten wird. Der Titelsong ist mit acht Minuten die längste Nummer des Albums und eine fantastische QUEEN-Hommage mit viel Piano, fetten Chören und „Bohemian Rhapsody“-Vibes. Wenn überhaupt, ist das dezent nahe an GAMMA RAY. Das schön hingerotzte „I Don’t Give A Fuck“ zeigt dann auch textlich, was HANSEN für eine Einstellung hat, und lässt den Exil-Hamburger recht sympathisch wirken. So könnte ich was zu jedem Lied schreiben, da diese halt recht abwechslungsreich sind und vor Ideen sprühen. HANSEN hat hier keine Mauern, er macht Metal ohne Grenzen. Das ist nichts für Puristen und Verfechter des Metal-Reinheitsgebotes. Auch ich habe mir bei den ersten Durchläufen echt Gedanken gemacht, was ich da höre. HANSEN und Gang machen das, worauf sie Bock haben, und wenn „End Of The Road“ wie eine gute Nummer von BEAST IN BLACK klingt, dann ist das halt so – und das nehme ich KAI HANSEN auch ab.
Wer also viele Metalstile in einer Scheibe mit HANSENS Gesang abkann, ist hier richtig. Das Teil macht tierisch Spaß, wenn man sich darauf einlassen kann, und ist, wie gesagt, meilenweit von HANSENS anderen Bands entfernt.