Bei den Nordlichtern NIGHT LASER merke ich sofort, dass sie hinter ihrer Musik stehen und mit Herzblut bei der Sache sind. Mit dem Wechsel zu STEAMHAMMER und dem dort erschienenen Album „Call Me What You Want“ 2024 machte die Band dann einen gewaltigen Schritt nach vorne – für mich ein echter Quantensprung in ihrer bisherigen Diskographie. Mit dem neuen Werk „Rats In The Cradle“ will das Quartett um die Gebrüder Hankers seine Bekanntheit nun weiter ausbauen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, schließlich werden NIGHT LASER im Herbst 2026 erneut gemeinsam mit AXEL RUDI PELL in vollen Hallen unterwegs sein. Das durchaus gut gemachte Artwork und auch der Titel des Albums wirken auf mich zunächst etwas befremdlich. Hinter dem Titel steckt allerdings ein deutlich ernsterer Hintergrund: Thematisiert wird ein japanischer Kriegsverbrecher, der für seine widerlichen Taten bekannt wurde.
Noch viel mehr überrascht mich allerdings, wie breit NIGHT LASER musikalisch inzwischen aufgestellt sind. Hier wurde offensichtlich nichts dem Zufall überlassen. Die Produktion lag in den erfahrenen Händen des Hamburger Produzenten Eike Freese, während sein Kollege Dirk Schlächter von GAMMA RAY die Vorproduktion übernahm. Dazu gesellen sich einige namhafte Gäste, darunter GAMMA-RAY-Keyboarder Corvin Bahn, FREEDOM-CALL-Gitarrist Lars Rettkowitz sowie AXEL-RUDI-PELL-Sänger Johnny Gioeli. Auch wenn Frontmann Benno Hankers dem Amerikaner stimmlich unterlegen ist, macht er seine Sache ganz gut, wobei hier immer noch Luft nach oben ist. Ob Power Metal wie bei „Defenders“, deutliche Thrash-Metal-Vibes in „Get Out“ oder die bluesrockigen Anleihen im gut siebenminütigen Power-Balladen-Epos „Heart Of The Desert Rose“, NIGHT LASER zeigen eindrucksvoll, wie vielseitig sie mittlerweile unterwegs sind. Trotz dieser stilistischen Bandbreite klingt das Album zu keiner Zeit wie ein zusammengewürfelter Sampler, was ich echt schätze.Stattdessen zieht sich ein roter Faden durch „Rats In The Cradle“, der für ordentlich Abwechslung sorgt, ohne dass die Band ihre Wurzeln aus den Augen verliert. Denn die Glam-Rock-Vergangenheit schimmert immer wieder durch und bleibt ein wichtiger Bestandteil des eigenen Sounds.
NIGHT LASER definieren den Begriff Crossover auf ihre ganz eigene Art neu und trauen sich erfreulicherweise endlich wieder etwas. Während andere Bands oftmals lieber auf Nummer sicher gehen, um bloß niemanden vor den Kopf zu stoßen, gehen die Hamburger bewusst Risiken ein. Genau das macht „Rats In The Cradle“ so interessant und zeigt, dass NIGHT LASER längst mehr können, als nur auf bewährten Pfaden zu wandeln. Das ist echt eine Überraschung und schließt gut an das Vorgängeralbum an!