Frisch aus den Vereinigten Staaten flattert die dritte Ausgabe von STATIC ABYSS direkt auf den Seziertisch. Mit drei Jahren Anlaufzeit und der Neuverpflichtung von NECROT Schlagzeuger Chad Gailey ist das erfahrene Dreigespann frisch, fromm und frei ans Werk gegangen. Dabei ging es für die Aufnahmen der neuen elf Tracks für „The Dying Hunt“ in die „Earhammer Studios“ in deren heimischen Gefilden in Oakland (Kalifornien). Gitarrist Greg Wilkinson übernahm neben den Aufnahmen auch den Mix und das Mastering.
Grafisch transportiert das Trio erneut ihre düsteren Botschaften aus der dystopischen Parallelwelt auf das Plattencover. Wird das Bandlogo weggelassen, hat diese fesselnde Endzeitstimmung genauso Potenzial, als Goa-Output durchzugehen. Die Farbe der Hoffnung scheint bei der Band auf große Gegenliebe zu stoßen. Während bei dem Vorgänger „Aborted From Reality“ tief aus dem grünen Farbtopf genascht wurde, nimmt der natürliche Anteil diesmal eine zentrale Position ein. In Hinblick auf das anstehende knapp vierzigminütige Chaos der einzige positive Ansatz, welcher in Zusammenhang mit den drei Amis zu nennen ist. Aber der Reihe nach.
Während viele andere Alben der Metallandschaft auf einen harmonischen Einstieg setzen, tritt STATIC ABYSS mit „Skull Blasted“ die Tür direkt und kompromisslos ein. Wutentbrannte hundertvierzehn Sekunden, die wie eine wilde Bestie über einen herfällt und dabei gnadenlos die Kehle zerfetzt. Eine gefühlte Ewigkeit, wenn der Überlebensinstinkt das Zepter übernommen hat. Ein straighter Auftakt nach Maß, welcher bei genauerem Hinhören einen Raum für Tempowechsel und das Hervorheben verschiedener Elemente offenbart. Etwas geordneter steigt „Lobotomized At Last“ nachfolgend ins Geschehen ein. Das Herzstück nistet sich dabei mit einer großen Anzahl durchgeknallter Riffsalven ein.
Mit dem vorab veröffentlichten Appetithappen und gleichzeitigem Titeltack dieser Veröffentlichung trifft die Fangemeinde auf das eingängigste Stück. „The Dying Hunt“ legt inhaltlich eine sozialkritische Schablone auf die Menschheit und offenbart eine ruinöse Welt, deren Bevölkerung vor dem endgültigen Kollaps steht. Im Angesicht der aktuellen Epoche und der unzähligen Brandherde herrscht ein postapokalyptischer Aufstand. Gesellschaftliche Außenseiter holen zum vernichtenden Gegenschlag aus. Das Trio ummantelt diese lebensfeindliche Stimmung mit einem intensiven Schwall aus erdrückendem Doom Metal. Nach dem „Wall of Delusion“ als kurzes Zwischenspiel seine Daseinsberechtigung durch ihre typisch aggressive Rohheit verdient hat, knöpft sich STATIC ABYSS in „Once A Corpse (Always A Corpse)“ die gewissenlosen Scharlatane unter dem Deckmantel der Religion vor. Dabei passt eine pure Verachtung, welche mehr als für eine qualvolle Unbequemlichkeit sorgt. In der Umsetzung wird in knapp drei Minuten der Fokus neben einer rasenden Gitarrenarbeit hier auf die Zerstörung der religiösen Verlogenheit intensiv hingearbeitet.
Zur Halbzeit kommt „Bleeding In The Fog“ zum Zug. Ein überaus eindringlicher Track, welcher in einer sehr giftigen Art eine tonnenschwere Last produziert, die einen gnadenlos in die verschlingende Tiefe zieht.
Werden die elf Kompositionen einzeln betrachtet, entwickelt jeder Song seine ganz eigene Stärke. Auch der zweite Teil von der sterbenden Jagd etabliert den so typischen STATIC ABYSS Sound mit einem mittlerweile hohen Wiedererkennungswert. Aus dem sehr starken Repertoire heben sich hier „Wall of Delusion“ sowie „Defleshed and Forlorn“ mit einer schönen Prise Punk-Attitüden und das bösartige „Volcanic Womb“ hervor.
Jedes schöne Stück Musikgeschichte kommt irgendwann zu ihrem unausweichlichen Ende. Passend dazu spricht der Rausschmeißer „Darkness At The End Of The Light“ sprichwörtlich Bände. Eine herrlich schwerfällige Komposition, welche es eindrucksvoll schafft, die vielzitierte Endzeitstimmung komprimiert in der letzten Ruhestätte zu transferieren. Dabei gleitet die erzeugte und beherrschende Wucht auf bizarre Art ins Jenseits.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die drei Experten aus dem Zentrum des Extrem Metal über jeden Zweifel erhaben sind, nicht genug Herzblut in ihre jeweiligen Projekte zu stecken. Das beste Beispiel für diese These findet sich in „The Dying Hunt“ wieder. In diesen rund siebenunddreißig Minuten ist sehr viel hochwertige musikalische Masse mit Basics aus dem AUTOPSYLager verarbeitet worden. Dabei ist festzuhalten, dass STATIC ABYSS sich ihren eigenen Charakter erarbeitet haben und mit dem dritten Teil den besten Beweis liefern.