DYSGNOSTIC – END WHISPERS

Artist

Dysgnostic

Albumtitel

End Whispers

Genre

Technical Death Metal

Ich adressiere vorab den Elefanten im Raum – ich werde in den folgenden Zeilen sicherlich sehr häufig ULCERATE nennen. Und das kommt auch nicht von ungefähr! Sichtlich haben die Jungs von DYSGNOSTIC schon einmal eine ULCERATE Scheibe gehört – und die Zitate sind auf dem vorliegenden Longplayer allgegenwärtig. Ich habe in letzter Zeit so viele Bands gehört, die mich extrem langweilen, gerade weil sie genau das „würden gern nach ULCERATE klingen“ bemühen und dabei nichts als ein fader Abklatsch sind. Und wie verhält es sich mit den o.g. Zitaten bei DYSGNOSTIC? Macht sie das zu einer Kopie dieser Band? Absolut nicht! Vielmehr streuen sie immer wieder einmal das ein, was ULCERATE zu einer derart beliebten Band gemacht hat, behaupten sich hierbei jedoch stark mit einer eigenen Note und zeigen ihren eigenen Stil, der das Album in meinen Augen erheblich stärker macht als den letzten Output oben genannter Neuseeländer!

Was in den knapp 40 Minuten nach dem eher angedeuteten Intro in Form ein paar melancholischer Gitarren folgt, treibt mir ein Grinsen auf das Gesicht, was bis zum Schreiben dieser Zeilen noch anhält. So viel vorab: dieses Album ist wirklich ein großartiges Beispiel musikalischer Virtuosität in einem derzeit heiß umkämpften Segment extremen Death Metals.

Nach dem Intro läutet ein Drumwirbel den Start der eigentlichen Achterbahnfahrt ein. Und Achterbahnfahrt ist hier auch ein gutes Bild – das Openingriff von „The Last Refrain“ beinhaltet eine derart wild-tosende Energie und Wahnsinn, wie er auch gern mal bei Bands deutlich anderer Genres auftreten würde. Die Drums geben hier auch von vornherein die Richtung vor, die zu erwarten ist – auch wenn immer wieder getragene Parts übernehmen und das Album angenehm auflockern, so herrscht hier das durchgetretene Gaspedal vor und die Snare tanzt sich von einem Blastbeat zum anderen.

„Into Salvation´s Night“ zeigt dann direkt neue Facetten auf. Mir gefällt bereits sehr am Anfang das kleine CRYPTOPSY-eske Augenzwinkern, mitten in den brutal schnellen 4/4 Blast einen ternären Skank einzubauen, über den man beim Hören direkt stolpert. Was dann bei 2:00 passiert, ist einfach nur groß und zeigt die Stärke dieser Band. Langsam, fast fragil baut sich ein getragener Part auf, der dann weit auf macht und mit Flächen unterstützt live ein großer Part werden dürfte, bevor er zu epischen doppelläufigen Gitarrensoli überleitet. Wirkt das cheesy, aufgesetzt oder dazu bestimmt, einfach mal zu zeigen, was man kann? Nicht im Geringsten. Das ist einfach nur ein richtig, richtig geiler Part, der dieses Album von einem sehr guten Album auf den Status eines genialen Albums hebt. Im Anschluss gibt es eine sehr kurze Verschnaufpause, bevor der Song in einen sechs Achtel Blast über geht und zum Schluss das Startmotiv noch einmal aufgreift, um hiermit geschickt zu enden und direkt in den folgenden „The Black Sun“ über zu leiten. Hier präsentieren DYSGNOSTIC noch eine weitere Facette ihrer Musik – denn dieser Song wäre in weiten Teilen auch auf einem atmosphärischen Black Metal Konzert gut aufgehoben. Auch das wirkt nie künstlich, sondern fügt sich sehr harmonisch in das musikalische Gesamtwerk ein. Und wenn dann ab 2:27 die Main Gitarre mit ihrem aufsteigenden Motiv geschickt von der zweiten Gitarre mit einem absteigenden Motiv gekontert wird, welches auch noch durch einen Fluttereffekt auf der letzten Note verstärkt wird (ich kann nicht ganz raus hören, ob es ein Tremolo-Flutter oder ein geschickt gesetzter Effekt ist), hält auch hier wieder ein absolut begrüßenswerter Wahnsinn Einzug.

Ich könnte ewig so weiterschreiben, möchte jedoch die Länge dieses Reviews nicht völlig sprengen. Daher springe ich nun weiter zu einigen absolut wichtig zu nennenden Punkten (ohne dabei die anderen Songs auch nur einen Deut zu schmälern).

Zu nennen sei hier insbesondere noch der Song „Ignis Fatuus“ (lat. für das Entzünden eines Darmwindes – Entschuldigung, dieses Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen). In diesem Song wird mein persönliches Hassinstrument eingesetzt – der Fretless Bass! Warum Hassinstrument? Weil es nahezu immer in Kombination mit technischerem Death Metal zu ziellosem Gefuddel führt, welches einzig dem Ego des Bassisten nutzt und sonst niemandem. Hier allerdings wird der Bass zu einem angenehm tragenden Solo über offene, leicht jazzige Akkorde gesetzt, was einfach nur sehr stimmig ist und dem Song eine interessante neue Note verleiht. Der Übergang in den anschließenden Blast lässt mich immer wieder stolpern. Irgendwie ist dies die erste Stelle des Albums, die kurz angesetzt klingt. Dabei dürften sich beide Parts mit rund 170 BPM und Vierer-Zählweise eigentlich harmonischer aneinanderlegen, als sie es tun. Ich beziehe mich hier aber auch nur auf den Übergang selbst. Der Part und vor allem das darauf liegende Solo lassen dieses kurze Hakeln im Kopf schnell wieder verschwinden.

Zu guter Letzt möchte ich noch den finalen Track „Glimpses of a lost horizon“ nennen. Hier werden noch einmal weitere Überraschungen präsentiert. Und so folgt hier etwa in der Mitte des Songs ein extrem dichter Part voller Raserei, welcher schließlich durch rhythmisch gesetzte Gitarren abgelöst wird, über die zunächst ein eher melodisch gehaltenes und später mehr in jazzige Skalen wanderndes Saxophonsolo (ja – richtig gelesen) liegt. Das Intromotiv des Songs wird anschließend erneut aufgegriffen und kurz vorgestellt, dann in nahezu Black Metal Manier kalt und klirrend zelebriert, bevor ein letzter Part den Song abschließt. Die Intromelodie ist nunmehr so im Kopf verankert, dass man sie direkt wieder hören möchte – und wie der Zufall es will, ist dies genau die melancholische Gitarre, welche auch das Album eröffnete!

Was für ein geiles Album! Und ja – man hört immer wieder in einzelnen Parts ULCERATE und auch GORGUTS raus. Aber nie wirkt das Album wie ein Nachspielen dieser Bands. Man merkt dem Album an jeder Stelle immer wieder neue Facetten an, die zeigen, dass diese Band sehr genau verstanden hat, wie Songwriting funktioniert und wie man wahnsinnig interessante Nuancen und Überraschungen einbringen kann, ohne beim Hören des Gesamtwerks jemals an Atmosphäre vermissen zu lassen. Hut ab!

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Infos

Release

10.07.2026

Laufzeit

41:25 Minuten

Label

Transcending Obscurity Records

Fazit
Wer vertrackten Disso Death mit einer gehörigen Portion Atmosphäre mag, sollte eine sehr gute Ausrede haben, dieses Album noch nicht gehört zu haben!
14
von 15
Geniestreich
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