CARBON TOMB – PASSAGE TO A NEUTRON STAR

Artist

Carbon Tomb

Albumtitel

Passage To A Neutron Star

Genre

Death Metal

Ich mag ja dissonanten Death Metal. Und da sich Transcending Obscurity so langsam als treffsichere Quelle für genau diesen Musikstil entwickelt, habe ich bei den offenen Rezensionen dieses Mal direkt blind zugegriffen. CARBON TOMB werden es bei mir gerade nicht leicht haben – ein sehr starkes Album der Landsleute von DYSGNOSTIC klingt noch in meinen Ohren nach, während ich mir das Album anhöre. Und siehe da – mit Richardt haben beide Bands auch eine personelle Überschneidung. Metal Archives beschreibt den Stil von CARBON TOMB zudem als Deathcore – da hoffe ich doch sehr auf eine falsche Listung.

Nun aber mit frischen Ohren reingehört. Und die Bezeichnung „Deathcore“ entpuppt sich zum Glück als Etikettenschwindel. Was hier zu hören ist, würde ich als dissonanten Death Metal mit einer guten Portion Black Metal Einflüssen und einem leicht atmosphärischen Einschlag beschreiben.

Nach einem kurzen Gitarrenintro (ja – so beginnt auch die DYSGNOSTIC Scheibe) geht es dann auch schon mit „Chanting Spells I“ los. Ab hier sind dann auch die Überschneidungen mit den Landsmännern vorbei, denn auch wenn auf „Passage to a neutron star“ ebenfalls gern Blasts präsentiert werden, entpuppt sich das Album im direkten Vergleich als grooviger und melodischer. Der Sound ist etwas roher gehalten und die Songs sind mit deutlich größerem Black Metal Anteil verwoben.

Der Gesang hebt sich positiv von vielen aktuellen Bands ab – er klingt so gar nicht modern, sondern bietet immer wieder ekstatische und heisere Ausflüge in andere Gefilde, die den sonst tief gehaltenen Growls eine willkommene Abwechslung spendieren und die morbidere Seite der Songs gut unterstreichen. Auch hat man versucht, dem Gesang eine andere Note zu geben, indem an kurzen Passagen Flangereffekte angewendet wurden. Das gipfelt bei „The dog hunter“ bei dem Wort „Humanity“ bei etwa 2:50 (und später im Song auch noch einmal) in einer kurz unfreiwillig komischen Stelle, wenn der Gesang allein steht und dann leicht gepresst abkippt und offenbart, dass der Sänger schon gern noch etwas länger den Ton gehalten hätte. Gleichzeitig zeigt der Punkt, dies so stehen zu lassen auch einen charmanten Hang zur Schrulligkeit und ist insgesamt einfach passend und nicht etwa albern. Ich würde aber vermuten, dass die Vocals hier nicht von einem vorrangigen Sänger eingesungen wurden – hier könnte noch etwas mehr Kraft und Ausdruck folgen. Direkt im nächsten Part wird der Gesang mit einer Stimme in bester Steeve-Hurdle-Manier gedoppelt – das klingt einfach sehr geil und bildet wiederum eine Stärke der Vocalperformances auf diesem Album.

Auch beim folgenden „Of god´s neglect“ gibt es ein paar positive Überraschungen. Der Song bietet deutlich mehr Black Metallische Atmosphäre und dominiert auch eher im getragenen Tempo. Es schleicht sich eine Melodie über den „Refrain“-Part ein, welche auf den ersten Blick wie eine sehr hohe Frauenstimme klingt – es könnte sich aber auch um einen vst-Sound handeln. Die Melodie ist dabei nicht absolut vordergründig, sondern gibt dem eigentlichen Part ein interessantes zusätzliches Layer. Spätere Wiederholungen dieses Parts zementieren den Wiedererkennungswert.

Mit „Gogoffmagog“ bietet sich neben erneuter Raserei zu Beginn auch ein Anwärter auf den merkwürdigsten Titel des Jahres. Sind damit vielleicht die beiden biblischen Völker Gog und Magog gemeint? Der Song geht auf jeden Fall vielversprechend los. Leider zeigt er dann aber auch später die (noch) Schwäche der Band – es gibt wahnsinnig viel Potenzial und richtig gute Ansätze – aber irgendwie verlieren sich die Songs nach und nach doch in gleichen Pattern, in denen die Riffs wahlweise über Blast oder getragene Passagen in schier endlosen Melodieflächen in die Länge gezogen werden. Das ist alles nicht schlecht, aber es fällt dann doch etwas schwer, die Songs sauber auseinander zu halten.

Unterm Strich ist es ein sauberes Album, welches durchaus Spaß macht zu hören. Ich denke aber, bei kommenden Outputs – wenn sich CARBON TOMB mehr auf ihre Stärken besinnen – dürfte da noch ein gutes Stück Luft nach oben sein.

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Infos

Release

17.07.2026

Laufzeit

34:22 Minuten

Label

Transcending Obscurity Records

Fazit
Ein solides Album voller dissonanter Passagen und Atmosphäre, dem man getrost eine Chance geben sollte.
10
von 15
Interessant
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