Mein Fußballkollege Marcel kommt beim Training auf mich zu. „Hey, Du hast da doch Dein Metal Magazin, ich habe hier eine Bekannte, die bringen bald eine Scheibe raus, kannst Du die nicht bei Euch besprechen?“
Klar kann ich das, wobei ich der anfragenden Person auch direkt mitteile, dass bei der endgültigen Besprechung persönliche Bekanntschaften oder ähnliches keine Rolle spielen.
Nun sitze ich hier und lausche den Klängen von CALYSS. Eine noch recht frische Band aus Hamburg, die sich dem Post Metal, Sludge und Doom verschrieben hat. Im Pressetext finde ich die Information, dass die Bandmitglieder aus dem Punk und Hardcore Bereich kommen, was dann doch schon eher etwas erstaunt, denn damit hat die Musik von CALYSS herzlich wenig zu tun.
Nach den ersten Takten des Openers „Loveless / Lethargy“ kommt mir relativ schnell AMENRA in den Sinn, wenn ich einen Vergleich bemühen müsste.
CALYSS bauen auf ein ähnliches Songkonstrukt. Harmonische und melodische Passagen wechseln sich mit brachialen Einschlägen ab, ohne dass dabei die Atmosphäre des Stückes flöten geht. In diesen ruhigen Minuten erinnert dass sogar manchmal an GOD IS AN ASTRONAUT.
Die Länge der Stücke, fast alle gehen mindestens sechs Minuten (ausgenommen das kurze Zwischenspiel „Caliban“), ist dabei natürlich recht zuträglich. Der Einstiegssong „Loveless / Lethargy“ mit seinen mehr als 11 Minuten gibt den Weg für den Rest der Scheibe gnadenlos vor.
Alles gut? Nicht ganz. Auf diesem Album mit dem Titel „Vessel Of Theseus“ ist das Geschrei von Sänger Phil leider zu eintönig. Zu den recht dunklen und angsteinflößenden Klängen passen die Vocals definitiv sehr gut, auf Dauer gesehen ist mir dies aber zu anstrengend. Etwaige Variationen, wie zum Beispiel ruhige Sprechphasen passend zu harmonischen Klängen, oder auch mal tiefes Growlen hätten meiner Meinung nach „Vessel Of Theseus“ gutgetan.
Die Produktion der Scheibe kann sich durchaus hören lassen. CALYSS finden einen guten Mix aus brachialem und druckvollem Sound, ohne dass dies dabei zu klinisch klingt. Die Songs kommen ehrlich und immer noch recht roh aus den Boxen.