CRIMSON GLORY. Der Name steht für technisch anspruchsvollen, etwas verspielten US- Metal. Mit nur zwei Alben (“Crimson Glory”, 1986 und “Transcendence”, 1988) haben sie es gemeinsam mit QUEENSRYCHE, DREAM THEATER und frühen FATES WARNING an die Spitze dieses Genres geschafft. 27 Jahre nach “Astronomica” sind die US-Amerikaner aus dem Sonnenstaat Florida zurück.
Mit an Bord sind Gitarrist Ben Jackson, Bassist Jeff Lords und Schlagzeuger Dana Burnell, die alle drei auf den genannten Klassikern gespielt haben. Gitarrist Jon Drenning stieg bereits 2013 aus und wurde durch Mark Borgmeyer ersetzt. Original-Sänger Midnight, der durch seine sofort wiederzuerkennende Stimme im Underground Legendenstatus hat, jedoch bereits 2009 verstarb, wird beerbt von Travis Wills.
Der Gesang ist bei CRIMSON GLORY der Knackpunkt: Der Original-Sänger Midnight hat sich durch sein unverwechselbares und eigenständiges Organ längst einen Platz unter den besten US-Metal Vokalisten gesichert. Jeder, der versucht, ihn zu imitieren, hat schon verloren. Der Neue macht seine Sache aber gut: Er hat seinen eigenen Stil, kann die hohen Töne souverän singen, hat eine unfassbare Bandbreite und erinnert hier und da bewusst an Midnight, weil der einfach die DNA des CRIMSON GLORY- Sounds ausmacht. Er hat allerdings nicht den Wiedererkennungswert eines Midnight.
Musikalisch finde ich es enorm beeindruckend, wie es der Band gelingt, progressiv zu klingen ohne den Flow in den Songs zu verlieren und ohne dass es der Hörer merkt. Allerdings benötigt die Platte einige Durchläufe, bis sie zündet. Anfangs will nicht so recht etwas hängenbleiben, das ändert sich aber mit der Zeit, zumindest war es bei mir so. Insbesondere “Undelible Ashes”, der Titeltrack und “Beyond The Unknown” können da Ausrufezeichen setzen.
“Chasing The Hydra” ist ein überraschend starkes Album geworden, das zwar nicht an die ersten beiden Klassiker-Alben anknüpfen kann, der den Sound der Band aber gekonnt in die Gegenwart überträgt. CRIMSON GLORY haben nur das Problem, dass sie die Messlatte mit ihren ersten beiden Alben extrem hoch gehängt haben. Jede neue Band würde sich die Finger lecken nach “Chasing The Hydra”. Es ist ein gutes Album, das zwar modern produziert jedoch nicht steril klingt. Das am Ende aber eben doch ein paar zu wenige Höhepunkte aufweisen kann.