Von UNZUCHT habe ich noch nie was gehört! Ich kenne höchstens den Begriff Inzucht, was ja nichts Gutes ist. Wikipedia hilft mir aber weiter: „Bis in das letzte Drittel des 20. Jahrhunderts wurden alle geschlechtlichen Handlungen, die nicht zwischen miteinander verheirateten Personen stattfanden als Unzucht bezeichnet.“ Die Band aus Hannover gibt es jetzt schon seit 2009 und hat bisher sechs Alben mit dem Sänger Daniel Schulz aufgenommen, dieser ist aber zu OOMPH! gewechselt, weshalb nun ein gewisser Tim Hindorff neuer Sänger ist seit 2024. Da ich beide Musiker gesanglich nicht kenne, gehe ich an das siebte Album „Neon Dom“ ganz unvoreingenommen heran. Weil die letzte Scheibe auch schon sechs Jahre her ist, sind bestimmt einige Fans gespannt. Auch wenn ich das Artwork sehr klischeehaft empfinde, holt mich die Musik umso mehr ab!
Die Mischung aus NDH, Deutsch Rock und etwas Gothic-Rock liest sich auf Papier nicht originell, als Musik ist es aber in diesem Fall hier ganz toll umgesetzt worden, wobei auch die Produktion passt. Im Gegensatz zu anderen Acts gibt es keine elektronischen Beats, hier wird gerockt, was aber mehr als eine Floskel ist! Frontmann Tim passt für meine Ohren wie Arsch auf Eimer zur Band und hat diverse Facetten zu bieten. Das Genre was UNZUCHT bedienen ist ja auch mehr als ausgelutscht was ich diesem Album überhaupt nicht anhöre. Neben flotte Tracks, können UNZUCHT auch herrliche Pathosballaden der Sorte „Nie mehr zurück“ oder „Nachtschatten 2“. Zum Glück ohne Fremdschämfaktor und ein Refrain wie „Feuerregen“ bekam ich lange nicht aus meinem Kopf. Bei „1000 Scherben“ musste ich zeitweise, nicht nur wegen des Titels an Eisbrecher denken, doch UNZUCHT bekommen immer gut die Kurve und ziehen ihr Ding durch. Eine Topscheibe!