Von HEAVENWOOD habe ich lange nichts mehr gehört! Zehn Jahre nach dem ersten Teil schließen die Portugiesen von HEAVENWOOD ihren ambitionierten Zyklus „The Tarot of the Bohemians“ mit dem zweiten Kapitel nun ab. Hinter dem Bandnamen steht inzwischen im Wesentlichen nur noch Sänger, Multiinstrumentalist und Hauptsongwriter Ricardo Dias dos Santos, der sowohl im Studio als auch auf der Bühne von Sessionmusikern unterstützt wird. Mitte der 1990er-Jahre gehörten HEAVENWOOD zu den prägenden Vertretern der damals äußerst erfolgreichen Gothic-Metal-Welle, die zahlreiche Nachahmer hervorbrachte. Während das Genre heute deutlich weniger präsent ist und viele moderne Bands eher dem Symphonic Metal zuzuordnen sind, bewegt sich HEAVENWOOD inzwischen stärker im Fahrwasser des Doom Death Metal.
Im Vergleich zum Vorgänger wirkt dieses Album deutlich mitreißender und dynamischer. Zwar dominieren Growls das Geschehen, gelegentlich aufgelockert durch klaren Gastgesang, doch vor allem die druckvollen Schlagzeugparts, die markanten Riffs und das für dieses Genre überraschend hohe Tempo sorgen für Spannung. Im Gegensatz zu vielen Doom-Death-Veröffentlichungen, die sich oft in überlangen Kompositionen verlieren, setzen HEAVENWOOD auf Abwechslung und kompakte Songstrukturen. Die Stücke bewegen sich meist zwischen drei und sechs Minuten und überzeugen mit starken Melodien, die sowohl Eingängigkeit als auch Charakter besitzen.
Unter dem Strich ist HEAVENWOOD ein bemerkenswert gelungenes Album gelungen. Da die Band seit mehr als 25 Jahren nur in großen zeitlichen Abständen neues Material veröffentlicht, sind die Erwartungen naturgemäß hoch. Umso erfreulicher ist es, dass die Qualität hier auf ganzer Linie stimmt. Mit einem derart starken Werk hätte ich im Vorfeld jedenfalls nicht gerechnet.