Tag 2 und es war so heiß wie am Feiertag, so dass ich erst gegen 16 Uhr das Gelände erreichte und daher die Lokalmatadore STONE MOUNTAIN MANORZ verpasst habe.
GODSNAKE
Auf die Hamburger Melodic-Thrasher GODSNAKE habe ich mich im Vorfeld total gefreut! Seit dem Debüt „Poison Thorn“ von 2020 mag ich die Band, mit „Inhale The Noise“ erschien dieses Jahr das bereits dritte Album und die Qualitätskurve steigt steil nach oben. Das Album wurde noch als Quartett eingespielt, da der Gitarrist Pepe Pierez sich auf seine andere Band ANCIENT CURSE konzentrieren will, so dass in Andernach mit neuem Gitarristen die Bude mächtig gerockt wurde. Unglaublich wie gut bei der 2. Combo des Tages der Publikumszuspruch war. GODSNAKE nutzten das Ganze und lieferten einen starken Set mit jede Menge Hits der bisherigen Alben ab, wobei Frontmann Torger Neuhaus gekonnt Melodie und Härte verband und durch seine ungewöhnliche Bühnenshow sich von anderen Acts abhob. Jener stand gerne am Mikrofonständer und gestikulierte viel mit den Händen, schloss oft die Augen und sang inbrünstig seine Texte. Manch anderer Sänger wirbelt da eher über die Bühne, vergisst die Stimme und ist eher showorientiert. Dieses „Standsingen“ gefällt mir normalerweise nicht, hier passte es, wobei die Bühne ja auch nicht so riesig ist und hier auch fünf Musiker standen. Diese waren auch sichtlich bewegt wie viel Enthusiasmus ihnen das Publikum entgegen brachte. Gerade Schlagzeuger Sidney konnte von seinem erhobenen Platz neben all der Muskelarbeit sich ein Grinsen oft nicht verkneifen. GODSNAKE werden sicherlich bald auf vielen Festivals auf besseren Positionen spielen und haben hier eine sehr gute Visitenkarte abgeliefert!
FRANK BLACKFIRE
Bei SODOM ist ja wegen Tom Angelrippers “ Konzerturlaub auf unbestimmte Zeit“ gerade nichts los, weshalb sich FRANK BLACKFIRE zwei Mitmusiker schnappte und zwar Bassist John ABC Smith (RAVENSTINE) und Schlagzeuger Gerrit Künkel (ASH RETURN). BLACKFIRE war in der Phase von „Expurse Of Sodomy“ bis „Agent Orange“ bei SODOM., dann bei KREATOR von „Coma Of Souls“ bis „Cause For Conflict“. Seit 2018 ist er auch wieder bei SODOM aktiv und hat mit der Band die letzten beiden Studioalben aufgenommen. Jetzt ist er wohl mit seinem 2. Soloalbum zugange und lieferte in Andernach eine Mischung aus SODOM und KREATOR Tracks, wobei er die Doppelfunktion des Sängers und Gitarristen hatte, was er recht gut meisterte. Klar, so eine coole Stimme wie Onkel Tom oder Mille hat der 60 Jahre alte Gitarrist nicht, aber mit seiner gut aufgelegte und spielerisch tighten Truppe machte er keine schlechte Figur, wobei er für mich immer etwas schlecht gelaunt aussah, aber vielleicht ist das halt sein Gesichtsausdruck oder nur meine Empfindung. Neben zwei eigenen Liedern die nicht gut ankamen, brachte er die Hits aus seiner Zeit bei SODOM / KREATOR wie „Agent Orange“, „People Of The Lie“, „Remember The Fallen“ und natürlich „Bombenhagel, welche im Falle der SODOM Tracks gut beim Publikum ankamen die sich merklich auf Betriebstemperatur brachten. BLACKFIRE hatte wie früher SODOM auch das Problem einer fehlenden zweiten Gitarre, aber dank Smith und dem Schlagzeuger fiel das nicht immer so ins Gewicht. Ich hoffe die kommende Studioscheibe wird gut, denn ein talentierter Gitarrist und Szeneoriginal ist BLACKFIRE sicherlich.
SANCTUARY
Ich war von den frühen 2000ern an großer NEVERMORE und WARREL DANE (RIP) Fan bis heute und bin daher auch auf die Vorgängerband SANCTUARY gestoßen, wobei ich nur deren 1990er Album „Into The Mirror Black“ wirklich mochte. Das Debüt gefiel mir wegen des hohen Gesanges nicht. Nach dem Tod von Dane 2017 und zwei Studioalben seit 2010 kam es auf einmal, dass Originalgitarrist Kenny Ruthledge mit dem Cousin von RONNIE JAMES DIO (!) und WITHERFALL Sänger Joseph Michael SANCTUARY weiterführte und seitdem zwar keine Alben, noch nicht mal ein Livealbum, jedoch einige Konzerte gespielt hat. Immerhin ist der Originaldrummer Dave Budbill auch noch an Bord. Michael im Hemd und Samtjackett hat bestimmt geschwitzt wie in der Sauna, konnte aber den Sound von SANCTUARY und Dane würdig transportieren, war ein Blickfang auf der Bühne und wie der Rest der Truppe total sympathisch und nicht so abgehoben wie manche Möchtegernrockstars aus den USA. Lediglich Sonnenbrillenträger und Tourgitarrist Will Wallner wirkte mächtig verstrahlt oder ich haben den Humor nicht verstanden. Musikalisch konzentrierte sich die Band auf die Frühwerke in Form von „Refuge Denied“ und „Into The Mirror Black“, wofür sie mächtig abgefeiert wurden. Ich bin wirklich froh die Band endlich mal live erlebt zu haben und auch wenn hier wenig vom Original noch übrig ist und einige Positionen schon mehrfach getauscht wurden war das ein echt klasse Gig mit einem Megasänger.
RONNIE ROMERO
Von einem Megasänger zum anderen! Der Chilene RONNIE ROMERO startete in Europa mit der spanischen Combo LORDS OF BLACK sehr amtlich und hat sich über viele Projekte und Bands wie MSG, CORELEONI, THE FERRYMEN und vor allen Dingen RAINBOW, in die Herzen vieler Metal und Hard Rock Bands gespielt. Mittlerweile war ROMERO schlau genug sich auf eigene Beine zu stellen und hat zwei Coveralben und zwei respektable Soloalben unter eigenem Namen veröffentlicht. Zusammen mit seiner festen Soloband gab er in der Vergangenheit schon zahlreiche Konzerte. Manchmal auch mit FIREWIND Boss GUS G. Ich persönlich habe den Chilenen immer verpasst und freute mich sehr, dass dieser endlich mal in Andernach auftritt! Der freundliche Sänger den ich Backstage traf und ganz nett und locker Fotos mit mir machte war nicht nur sympathisch, sondern intonierte auch Lieder seines aktuellen Soloalbums „Backbone“ so inbrünstig wie RAINBOW Göttergaben der Sorte „Kill The King“ oder „Stargazer“ und bewiess auch, dass ein DIO-Song wie „Stand Up And Shout“ mit etwas mehr Biss gespielt live 2026 immer noch knallt. Ohne Aufsteller und Backdrop sah die Bühne beim Quartett etwas verlassen aus, aber die Magie der Musik konnte das Ganze locker auffangen. Da der Bassist verhindert war, sprang MSG und Ex-Blind Guardian Musiker Barend Courbois ein wie ROMERO auf der Bühne mitteilte und der Vollprofi wirkte als wäre er immer schon in der Band gewesen. Als Rausschmeißer des grandiosen Gigs brachte RONNIE ROMERO zu meiner und sicherlich aller Überraschung einen Track von seinen Coveralben, „Turbo Lover“ von JUDAS PRIEST. Dieser Partysong beendet das Konzert mit Topstimmung.
APRIL ART
Was jetzt kam war der pure Wahnsinn! APRIL ART waren mir gar nicht so ein Begriff, für mich war das so eine Art GUANO APES / DIE HAPPY / EXILIA Truppe, also Crossover. Rock mit Frauengesang. Im Grunde stimmt das Ganze schon, doch die Gießener die bisher drei Alben am Start haben und nun das vierte wohl vorbereiten sind im Grunde ein Update dieser Acts, moderner, härter, frischer Metalcore mit Frauengesang und rockigen Refrains und machten live mächtig Stimmung. Das lag sicherlich auch viel an Frontfrau Lisa-Marie Waltz. Die agiert fantastisch mit dem Publikum, springt wie ein Flummi, hat eine raue Röhre die begeistert und versprüht so viel positive Energie. Die drei Herren an den Instrumenten, Chris Brunnel (Gitarre), Julian Schuetze (Bass) und Schlagzeuger Ben Juelg geben auch mächtig Gas, sind gut in Bewegung und der Sound ist fett. Natürlich gibt es auch hier Backing Tracks, da diverse elektronische Einspieler und Sounds am Start sind. Aber das ist normal und nicht schlimm. Keyboarder haben viele nicht mehr auf der Bühne und das ist halt so. Die kurzen Lieder waren fast alle Ohrwürmer und hitverdächtig wie „Break Out“, „Rising High“, „Burn“ oder „Rodeo“. Das Konzert verging wie im Flug und im Publikum gab es sogar einen Moshpit bei dem später sogar ein Rollstuhlfahrer mitmischte und riesigen Spaß hatte, wobei die wilde Meute anscheinend immer schön aufpasste das nix passierte. Schön zu sehen das es Inklusion auf Konzerten gibt. Mich haben APRIL ART auf jeden Fall mächtig beeindruckt und waren mein Headliner des Tages!
SOEN
Alrte Männer waren müde und deshalb haben wir von SOEN nichts mitbekommen und sind nach Hause. Ich kannte die Truppe bis dato auch nicht, vielleicht eine Bildungslücke. Freunde erzählten das der Sound und der Gesang nicht ganz auf der Höhe war, aber die Trupp das Festival zu einem guten Abschluss brachte.
Fazit: zwei Tage mit vielen Bands aus dem Aus-und Inland, sowie diverse Stile des Rocks und Metals. Ob das Ganze 2027 noch einmal stattfindet kann ich nicht sagen. Bisher habe ich nichts gehört, die Resonanzen auf dieses Festival waren aber überall positiv, auch wenn es dieses Jahr keine Festivalshirts gab. Aber die Bands wollen doch auch leben und da war das Geld doch gut angelegt!





































































