Mit ihrem zehnten Studioalbum „X“ melden sich die schwedischen Melodic-Metaller von NARNIA eindrucksvoll zurück. Der Titel der Platte passt dabei perfekt zum Jubiläum und gleichzeitig zur musikalischen Weiterentwicklung der Band. Während die frühen Werke oft noch stark im melodischen Hard Rock verwurzelt waren und stellenweise etwas zu zahm wirkten, setzt die Truppe mittlerweile konsequent auf eine deutlich härtere und kraftvollere Ausrichtung – eine Entwicklung, die auch auf „X“ erfolgreich fortgeführt wird. Angeführt von Sänger Christian Liljegren, dessen markante Stimme sofort Wiedererkennungswert besitzt, sowie Gitarrist Carl Johan Grimmark, liefern NARNIA modernen Melodic Metal mit klarer Handschrift ab. Die Schweden verlassen sich dabei nicht einfach auf alte Erfolgsrezepte, sondern entwickeln ihren typischen Stil hörbar weiter. Heraus kommen Songs voller eingängiger Melodien, hymnischer Refrains und starker Gitarrenarbeit, die sich schnell im Ohr festsetzen. Die Idee mit der Uhr als Cover ist nicht neu, macht aber immer wieder was her.
Thematisch bleibt die Band ihrer christlichen Ausrichtung selbstverständlich treu. Gerade textlich wird dabei stellenweise ordentlich Pathos aufgefahren. Songtitel wie „Heaven’s Calling“ oder „Walk On Water“ machen sofort deutlich, wohin die Reise geht. Das mag für manche Hörer grenzwertig kitschig wirken, gehört bei einer offen christlichen Metalband aber letztlich genauso zum Gesamtbild wie düstere Satansthematik zum Black Metal. Musikalisch überzeugt das Werk dagegen auf ganzer Linie. Druckvolle Gitarrenriffs treffen auf kristallklare Refrains und mächtige Chöre, die den Songs viel Größe und Atmosphäre verleihen. Auch die Produktion weiß zu gefallen: Der Sound wirkt fett, transparent und jederzeit druckvoll. Besonders im Midtempo und leicht angehobenen Uptempo fühlen sich die Skandinavier hörbar wohl und präsentieren ihre Songs mit viel Routine und Spielfreude.
Zum Abschluss der Platte gibt es mit „The Man From Nazareth Part 2“ noch ein längeres, eher getragenes Stück, das nach einem kurzen Intro für einen ruhigen und nachdenklichen Ausklang sorgt. Dennoch hinterlässt das Album insgesamt einen sehr geschlossenen und starken Eindruck.