Die Spanier WICKED LEATHER aus Barcelona sind 2023 mit einer klaren Vision angetreten: den Geist des Trad Metal mit rauer Kraft, dunkler Atmosphäre und okkulten Themen zu beleben. Soweit der Promozettel des Labels. Der Eindruck nach mehrmaligem Hören des Albums ist dann aber doch ein wenig ernüchternd. Der nasale Gesang von Frontfrau Yamila Martins klingt wie Mickey Mouse auf Speed nach einer Dosis Helium. Die Riffs hat man schon tausendmal gehört, es bleibt wenig bis nichts hängen; lediglich die Soli sind gut gespielt. Von der rauen Kraft ist nicht viel zu spüren. Es klingt alles ganz gefällig, aber rau sind höchstens die genannten Vocals. Eine dunkle Atmosphäre ist ebenfalls nicht wahrnehmbar – das bekommt eine Band wie SAVAGE MASTER besser hin. Die okkulten Themen beschränken sich somit auf die Texte, die mir allerdings nicht vorliegen. Songtitel wie „Black Goat Rising“, „Midnight Creature“ oder der Titeltrack lassen jedoch vermuten, dass man sich eher mit düsterer Lyrik beschäftigt.
Ein paar Tracks ragen dann aber doch aus dem Durchschnitt der übrigen Songs heraus. Da wäre zunächst das von den Gitarren her an MERCYFUL FATE erinnernde „She Is The Storm“, zu dem die Band auch ein Video abgedreht hat. Der Uptempo-Track geht gut ins Ohr. Auch das schnelle „Black Goat Rising“ kann instrumental vor allem in Sachen Gitarrenarbeit punkten, die im Mittelteil geschwindigkeitstechnisch angenehm anzieht, wird jedoch durch die Vocal-Performance geschwächt.
Demgegenüber stehen Songs wie das von der 2024er Single „Echoes Of The Storm“ bekannte „Night Hunter“, bei dem man aus dem Nichts den Songfluss unterbricht und einen unpassenden Akustik-Part integriert. Auch der Abschlusstrack „Masquerade Of Shadows“ ist nichtssagend und bringt den/die Hörer/in eher dazu, die Scheibe vorzeitig zu beenden, wenngleich auch hier der Uptempo-Teil das Beste am Song ist. Ein bisschen rätselhaft ist die Standard-Gitarrenarbeit des Duos Michel Regueiro / Daniel Zolyniak. Die beiden feuern zwar in jedem Song wirklich gute Soli ab, aber die Riffs sind dermaßen ausgelutscht, dass die Songs an sich langweilig wirken. In Kombination mit dem öden bis anstrengenden Gesang von Yami Martins ergibt das leider ein enttäuschendes und spannungsloses Debütalbum. Stark sind die Katalonier immer dann, wenn sie das Tempo anziehen und mehr Druck aufbauen. Nach einigen Durchläufen gewöhnt man sich dann auch ein wenig besser an den Sound. Doch wie man mitreißenden Heavy-/Speed-Metal schreibt, könnte sich das Quintett bei ihren Stadtnachbarn SAVAGED abschauen. Eine weitere Zielgruppe wären Fans von LADY BEAST oder TOWER.