Die tunesische Rockband MYRATH stehen bei mir schon lange auf der Liste der Lieblings-Mucker ganz weit oben. Das liegt vor allen Dingen an diesem einzigartigen Mix aus orientalischen Einflüssen, Folk und Prog, spannenden und nicht alltäglichen Kompositionen sowie einem sehr modernen Anstrich. Das letzte Studioalbum „Karma“ kam 2024 und letztes Jahr erschien mit „Reflections“ noch eine Best-Of-Compilation. „Wilderness Of Mirrors“ ist nun auch schon das mittlerweile achte Album des Quintetts um Ausnahme-Sänger Zaher Zorgati. Einige Spezis vergleichen MYRATH ja mit den ebenfalls erfolgreichen ORPHANED LAND aus Israel, was grundsätzlich auch okay ist, aber ich empfinde MYRATH als noch kommerzieller bzw. massentauglicher , was absolut nicht negativ gemeint ist!
Sehr stimmungsvoll startet die Reise in Richtung Afrika mit „The Funeral“, das gut ins Musical „König Der Löwen“ passen würde. Doch schon das gleich folgende „Until The End“ mit einer großartigen Gast-Sängerin Elize Ryd von der Band AMARANTHE (siehe Video) lässt die Gedanken in den Fernen Osten und dortigen Wüsten-Oasen wandern. Das ist übrigens ein Grund für meine Begeisterung für diese Band, denn die Musik von MYRATH lässt Bilder im Kopf entstehen. Und obwohl das Konzept sich von Song zu Song zu wiederholen scheint, ist die Scheibe zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das liegt vielleicht daran, dass alle Mitglieder diesmal an den Stücken mitgeschrieben haben. Aber es sind auch immer sogenannte „Kleinigkeiten“, die „Wilderness Of Mirrors“ so unglaublich spannend klingen lassen, wie etwa ein Kinderchor zu Beginn von „Les Enfants Du Soleil“ (französisch für „Die Kinder der Sonne“). Klar, die Idee ist nicht neu, verfehlt aber diese fast hypnotische Wirkung nicht. Wie schnell sich eine Stimmung in einem Song dann ändern kann beweist etwa „Still The Dawn Will Come“, das mit düsteren Riffs beginnt, bevor Akustik-Gitarren die melodischen Strophen begleiten und es dann im Refrain wieder rifflastig, sehr heavy und düster zur Sache geht. So abwechslungsreich habe ich MYRATH bisher noch nicht erlebt, was sich selbstverständlich auf meine Bewertung auswirken muss. Dass sich mit „The Clown“ noch ein astreiner AOR-Song mit ruhigerem Mittelteil auf der Scheibe befindet, der auch gut zu AVANTASIA passen würde, bestätigt meine vorherigen Worte! Ich weiß, auf diese Band muss man sich einlassen, wer das aber tut, wird reich belohnt! Allein die Power-Ballade „Soul Of My Soul“ MUSS man gehört haben, da gibt es wirklich keine zwei Meinungen!