„Nede i grottene slukner snart flammen. Tent av oppdageren, slukket av gud!“ Obschon TULUS schon seit 1991 bestehen, haben sie mit „Evil 1999“ in eben jenem Jahr nicht nur den Anwärter für den kreuzdämlichsten Titel, sondern auch ein echtes Hitalbum vorgelegt. 2000 löste sich die Band dann konsequenterweise auf und die Mitglieder gründeten KHOLD. Als diese dann 2006 einem Hiatus entgegen sahen, wurde folgerichtig TULUS wieder neu belebt und diese ruderten mit ihren folgenden vier Alben ausgesprochen behände unter dem Radar.
Es hallt aber noch bis heute der hypnotische Refrain des 1999er Songs „Salme“ (siehe oben) nach, da dieser einen echten Kultfaktor für sich beanspruchen kann. So war es auch wenig überraschend, dass 2022 nach der großen Corona-Zwangspause die ausgesprochen gut gefüllten Hallen des Osloer Inferno Festivals beim TULUS Auftritt jede Spielpause nutzten, um lautstark „Salme!“ zu fordern, bis dies letztlich von Blodstrup (Sänger und Gitarrist) mit einem „We are way too old to be able to play that song!“ kommentiert wurde.
Nun scheinen TULUS eine Band der konsequenten Handlungen zu sein – da liegt es nahe, dass das neue Album mit einem Song namens „Salme 2“ startet. Und was soll man sagen – man hat aus dem Baukasten alles irgendwie versucht reinzunehmen, was den Namensgeber ausgemacht hat – bestätigt aber im Grunde die Aussage von 2022 und zeigt eindrucksvoll, dass sie es wirklich nicht mehr können. Das klingt alles irgendwie mehr nach einem zu oft aufgegossenen Tee denn nach echter Substitution. Auch der folgende Tital „Skabb“ klingt wie ein sehr starkes Recycling des 1999er „Kviteheim“. Das ist alles nicht so richtig schlecht, aber man hat es eben von eben dieser Band schonmal und da besser und mehr auf den Punkt gehört – hier wirkt es sehr nach konstruiertem „sowas kriegen wir doch nochmal hin“.
Der Song „Tulus“ startet mit einem „The Evil One“ Gedächtnisriff und eröffnet dann eine etwas rockigere Spielweise, die dem Songmaterial gar nicht so schlecht zu Gesicht steht, während man mit „Kistedmed“ wieder mehr in die alten Uptempogefilde zurück wandert. Die ersten Eindrücke ziehen sich durch den Rest des Albums weiter. So bringt dann „Vanvidd“ endgültig den Rock’n‘Roll mit in die Scheibe, der bei „Hedengangen“ auch dankbar weiter aufgegriffen wird. Zu dieser Soundkollage gesellen sich nun bei „Fossegrimens Vakt“ nach einem Akustikgitarrenintro auch sehr melodische Passagen, die wieder sehr rockig abgewechselt werden. Auch wieder kein schlechter Song, aber so ganz kratzt er dann auch nicht das Jucken, welches ich verspüre, wenn ich zu dieser Band greife. Und dieses Gefühl werde ich bei der gesamten Scheibe einfach nicht los – was auch die beiden abschließenden Songs nicht mehr ändern. Eine illustre Mischung aus Black Metal mit verschiedensten anderen Genres hatte TULUS auch schon vorher gern mit an Board – aber da wirkte es organisch und passte bei aller Schrulligkeit zusammen und ließ auch trotzdem einen deutlichen Drang zu roher Raserei erkennen. Wenn sich hier ausgetretene Rock- und Stonerpfade dazu gesellen, wirkt es irgendwie nach fehlenden Ideen – und die Parts selbst sind auch eher aneinander gestückelt und fließen nicht so chaotisch und doch passend ineinander. Das gesamte Album wirkt einfach eher nach Reißbrett. Und das ist sehr schade, denn an sich wären viele der Ideen echt eine gute Basis für deutlich mehr Hörspaß gewesen. Und die Black’n‘Roll Ausrichtung? Da gibt es halt auch schon Bands/Alben, die hier schon eine deutlichere Marke hinterlassen haben.
Abschließend kann ich dem Album eigentlich nur attestieren, dass es nicht schlecht ist und bestimmt Anhänger findet – auch wenn es nur der wiederholte Aufguss mit dem selben „TULUS“-Teebeutel ist.