GUTVOID – LIMINAL SHRINES

Artist

Gutvoid

Albumtitel

Liminal Shrines

Genre

Death Metal

Atmosphärischer Death Metal mit Prog-Einschlag aus Kanada? Und dann als lyrisches Thema Science Fiction und Lovecraftian Horror – dazu dann noch ein Bandfoto, auf dem zwei der vier Jungs aussehen wie frisch aus dem Brutal Death Pit und die anderen beiden wie frisch von einer Runde DnD? Darf ich vorstellen: GUTVOID.

Das vorliegende Album „Liminal Shrines“ bietet sechs Songs bei einer Spielzeit von rund 49min – und genau genommen sind es eigentlich nur fünf Songs, denn der instrumentale Opener „Ruinous Gateways“ ist eher als Intro zu verstehen. Er bietet daher auch „nur“ rund 2:44 Spielzeit, während die anderen Songs in Längen jenseits der sieben Minuten und teilweise auch eher über zehn Minuten baden. Dazu dann noch das ganze Album als Konzeptalbum aufgebaut – in diesem Fall sogar so, dass ein zweites Folgealbum mit dem weitergeführten Konzept in den kommenden Monaten erscheinen soll. Das alles klingt gerade so, als hätte da jemand einen kleinen Blumenstrauß des „wird Ingo gefallen“ gebunden, denn vieles davon findet sich bei meiner eigenen Musik auch gern mal so oder so ähnlich wieder. Umso gespannter bin ich, ob GUTVOID hier musikalisch genauso zu überzeugen wissen und es am Ende heißt „hoffentlich kommt bald der zweite Teil“.

„Ruinous Gateways“ eröffnet den Reigen als schleppender Mid-Tempo Instrumental, der als straightes Intro in die Scheibe dient und die entsprechende Stimmung aufbaut. Der Track kommt sehr oldschoolig daher und verbreitet auch eine ausgedehnte „Seasons In The Abyss“ Atmosphäre.

Danach geht das Album eigentlich erst richtig los. „Spell Reliquary“ beginnt mit einer doomigen Doublebass-Walze und hält sich – von einigen Uptempo-Ausbrüchen abgesehen – wieder eher im Midtempo auf. Bisher sind die in der Bandinfo angedeuteten „Progrock-Einflüsse“ doch recht verhalten. Was man hier zu hören bekommt, ist sehr fein ausgearbeiteter Oldschool Death Metal, der irgendwo zwischen DEAD CONGREGATION und alten Schwedenbands (vor allem bei den Melodien) wabert. Der Sound unterstützt dies sehr gut und lässt sich als erdig, natürlich und sehr geschmacksicher abgemischt beschreiben. Im späteren Verlauf des Songs kommen dann auch etwas proggigere Passagen dazu, die hier allerdings nicht als Selbstzweck eingestreut sind, sondern den langen Songs eine angenehme Abwechslung verpassen und die getragenen melodischen Passagen und walzenhaften Doublebass-Strecken durch den entstehenden Kontrast hervorheben.

Mit drei Tom-Einzählern startet dann auch in direkt höherem Einstiegstempo „Smothering Sea“. Der Song steigt deutlich rascher in technisch vertracktere Parts ein. Wer jetzt modernen Tech Death erwartet, ist fehl am Platz. So erinnern die Riffs hier doch eher an PESTILENCE und sogar ein wenig an DEMILICH – mit einer Prise ALKALOID. Das ist schon eine geile Mischung und verbreitet Spaß, da man sich durch die Spielfreude direkt anstecken lässt.

Mehr oldschool als der Skank-Einstieg bei „Umbriel´s Door“ geht kaum. Direkt im zweiten Riff wird das Rezept der vorhergehenden Songs dann auch direkt bestätigt und legitimiert. Auch hier gibt es wieder die typischen Riffs mit offenen Saiten als Pedalton und schließlich auch wieder eine bittersüße Melodie, die sich melancholisch über die getragenen Riffs legt.

Mit „Lead Me Beyond The Sleeping I“ wird dann schließlich im Einstieg dem doomigeren Teil des Death Metal gefröhnt. Doch auch hier wechselt sich das Soundbild mit Uptempoparts, walzender Doublebass und langsamen Passagen, die durch die geschickt platzierten ungeraden Taktarten auflockern. Auch die Leadgitarren hier sind wieder ausgesprochen geschmackvoll gesetzt. Und während andere Bands die sieben-Minuten-Marke kaum erreichen oder hier einen Song dann spätestens beenden, setzt bei „Lead Me Beyond The Sleeping I“ jetzt noch eine getragene Frauenstimme eine neue Schicht über die Soundmelange und deutet an, dass der Song noch lange nicht zuende ist (der Song geht noch rund weitere fünf Minuten).

Mir gefällt besonders daran, dass auf dieser Scheibe nichts Selbstzweck ist, sondern sich natürlich ineinander fügt. Spielerisch lässt sich allen Beteiligten ein hohes Maß an Fertigkeit attestieren. Man hat jedoch zu keiner Sekunde das Gefühl, dass der Anspruch ist, dies unbedingt allen unter die Nase zu reiben. So sind alle kleinen technischen Raffinessen geschickt und songdienlich mit dem Gesamtwerk verwoben und dürften dem selbst musizierenden Hörer ein Schmunzeln bereiten, während sie beim Hören ohne entsprechenden Background nicht als störend aufgenommen werden, sondern das Gesamtbild einfach angenehm auflockern. Das ist schon ein sehr cooles Gespür für geile Songs, die auch gern in ausgedehnten Spielzeiten baden dürfen, ohne zu nerven.

Den Abschluss des Albums bildet „Chasm Of Displaced Souls“, der stampfend und mit einem Riff, dass nicht wenig an die göttlichen GORGUTS zu „From Wisdom To Hate“ Zeiten erinnert eröffnet. GUTVOID nehmen im weiteren Verlauf noch einmal alle Zutaten zusammen und zeigen, dass es bei ihnen kein Einzelfall ist, Songs mit zwölf Minuten Länge zu schreiben, denen man gern aufmerksam bis zum Schluss folgt. Und wenn GUTVOID dann bei ca. 6:10 noch ein manisches Riff dazu hämmern, welches auch auf der „Colored Sands“ ohne Abstriche hätte stattfinden können, haben sie wirklich alles richtig gemacht.

Insgesamt ein interessantes Detail ist, dass die Songs auf der Scheibe so aufgebaut sind, dass die späteren Songs immer ein wenig vertrackter sind als ihre Vorgänger. Auch das ist eine geschickte Wahl, die beim Hören zunächst einstimmt und dann langsam aber stetig weiter Grenzen austestet. So ist man stets abgeholt und bemerkt dieses Detail allenfalls in der Retrospektive.

Zusammenfasend kann ich sagen: ich bin überrascht und habe nicht zu 100% das gehört, was ich beim Lesen des Beilegers erwartet hätte – dies aber in keinster Weise negativ gemeint! Wer oldschool Death Metal mag und durch geschickt eingesetzte Progpassagen nicht direkt den Puristen raus hängen lassen muss, findet hier ein wirklich stimmiges Album, welches sich mit Genuss auch noch weitere Male zu Gemüte führen lässt. Ich werde die Band auf jeden Fall gern mehr im Auge behalten und bin schon auf den Nachfolger gespannt, der als zweite Hälfte dieses Albums angeteasert wird.

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Infos

Release

20.03.2026

Laufzeit

49:05 Minuten

Label

Profound Lore

Fazit
Wer oldschool Death Metal mag und durch geschickt eingesetzte Progpassagen nicht direkt den Puristen raus hängen lassen muss, findet hier ein wirklich stimmiges Album, welches sich mit Genuss auch noch weitere Male zu Gemüte führen lässt.
13
von 15
Hervorragend
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