Für die Musik des Bochumer Gitarristen, Komponisten und Bandleaders Axel Rudi Pell braucht man weder Lexikon noch Navigationsgerät. Denn das, was vermutlich auf nahezu alle erfolgreichen Musiker zutrifft, gilt auch für Pell: seine Songs tragen eine für ihn typische, jederzeit charakteristische Handschrift, ein Hybrid aus kraftvollen Gitarrenriffs und eingängigen Melodien sowie dem Fundament einer bravourös agierenden Band um den amerikanischen Sänger Johnny Gioeli.
So dann auch beim neuesten Werk „Ghost Town“, welches mit dem instrumentalen Intro „The Regicide“ ruhig beginnt, um dann mit „Guillotine Walk“ ordnungsgemäß loszurocken. Klar erfindet sich Mr. Pell auf seinem mittlerweile 23. Studio-Album nicht neu, Kritiker werden wieder schreiben „nix Neues aus Bochum“, allerdings liefert der im Juni 1960 in Bochum geborene Musiker auch 2026 verlässlich ab. Und es gibt neben wieder einmal grandiosen Songs dieses Mal auch ein Duett mit keinem geringerem als Udo Dirkschneider („Breaking Seals“). Subjektiv betrachtet ein gutes Vorhaben, allerdings harmonieren die grandiose Stimme von Johnny Gioeli und das Reibeisen Dirkschneiders nur so semi miteinander. Hier wären andere Sänger (z.B. Klaus Meine, Michael Kiske oder Robin McAuley) eventuell passender gewesen, aber am Ende ist es wie immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Subjektive Highlights auf dem neuen Werk sind die Midtempo-Nummer „The Enemy Within“, „Sanity“, die Ballade „Towards The Shore” und dem abschließenden „Higher Call“. Produziert hat Axel Rudi Pell die elf Songs von „Ghost Town“ höchstpersönlich. Für die Aufnahmen in den Blind Guardian Studios in Grefrath stand ihm Tommy Geiger (BLIND GUARDIAN, HELLOWEEN), der das Album auch gemischt hat, tatkräftig als Engineer zur Seite.