Huiuiui! Ein wilder Stilmix mit stattlicher Spielzeit und doppelten, soll heißen, zweistimmigen Gitarren, legen OCTOTANKER aus Wrocław (Warschau) mit „Voidhopper“ ein beachtliches Debüt vor. Naja, so ganz stimmt das nicht, denn die Band firmierte vorher unter dem Namen PRAD und hat zwischen 2016 und 2021 eine EP, eine Split und zwei Alben veröffentlicht, und das zweite und letzte Album hieß – jetzt wird‘s echt verrückt – „Octotanker“. Ob‘s in diesem Zusammenhang zu einer Umbesetzung kam oder ob die Tschechen sich durch den alten Namen kreativ limitiert fühlten war nicht zu ermitteln und führt möglicherweise zu weit in die Historie des Quintetts. Fest steht: „Voidhopper“ klingt nach einer eingespielten Band. Einerseits. Denn dieses Album vereint eine bunte Mischung gitarrenlastiger Musikstile: von Grunge über Space-Rock bis Psychedelia, Doom und Post-Punk ist alles dabei. Die neun Songs kommen mehrheitlich gemächlich daher, wirken wie aus einem Guss und verströmen trotz sehr präsenter Gitarren eine behagliche Retro-Kifferatmosphäre.
Der Gesang von Marcin Gałkowski ist druckvoll und klar und zieht neben den Gitarren von Rafał Bielski und Wojciech Szelwicki die Aufmerksamkeit auf sich, während Tomasz Krymski und Piotr Krawczyk (Bass und Schlagzeug) das rhythmische Fundament liefern.
OCTOTANKER sind ein eingespieltes Team und dürften live sehr souverän daherkommen; auf Platte wirken sie für mich zu oft zu unstrukturiert. Auf „Voidhopper“ versuchen sie, zu viele Richtungen zu einer einzelnen zu kombinieren anstatt sich auf das zu konzentrieren, was sie gut können: soliden 1970er-Rock zu spielen und diesen, wenn‘s denn sein soll, in eine andere Richtung zu entwickeln. Das erfordert Gespür und Geduld, und mir kommt‘s vor, als gebräche es OCTOTANKER genau daran. „Voidhopper“ ist handwerklich sauber, songschreiberisch durchwachsen.