DIE DORKS – Mehr Feingefühl, weniger Parolen – Interview Teil 1

Band

DIE DORKS

Interview vom

20.01.2026

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Die Dorks sind zurück – und Unberechenbar ist kein vorsichtiges Abtasten, sondern ein bewusst gesetzter Schritt nach vorn. Das Album wirkt fokussierter, homogener und entschlossener als alles zuvor. Punk, Metal und Crossover greifen präzise ineinander, die Produktion ist wuchtig, ohne zu überladen. Härte wird dosiert eingesetzt, Songwriting und Dynamik sitzen punktgenau.Thematisch bleiben DIE DORKS unbequem, gesellschaftskritisch und klar in der Haltung – heute jedoch mit feinerer Klinge. Keine plakativen Parolen, sondern Aussagen, die wirken und nachhallen. Für dieses Interview haben wir mit Lizal, der Sängerin von DIE DORKS, gesprochen. Noch vor dem eigentlichen Gespräch erzählte sie uns offen, dass Bassist Marc die Band inzwischen verlassen hat – obwohl er auf dem aktuellen Album Unberechenbar noch zu hören ist. Im Interview spricht Lizal über den Reifeprozess hinter „Unberechenbar“, das Arbeiten in der aktuellen Trio-Konstellation, Respekt im Musikbusiness und darüber, warum dieses Album weniger Suche, dafür mehr Haltung ist.Weil sich Lizal viel Zeit genommen hat und die angesprochenen Themen bewusst Raum brauchten, habe ich mich entschieden, das Gespräch in zwei Teile aufzuteilen – ohne Kürzungen und ohne inhaltliche Glättung. Gerade kleinere Bands verdienen eine solche Aufmerksamkeit und eine Plattform, auf der sie ihre Gedanken vollständig und unverfälscht teilen können.

Vielen Dank an LIZAL für die Offenheit, die Zeit und das Vertrauen.

My Revelations:
Hi Lizal, was mir direkt aufgefallen ist: Die Platte ist unheimlich homogen. Vorher hattet ihr aus meiner Sicht immer wieder kleinere Brüche, auch durch die Wechsel innerhalb der Songs.
Ich finde außerdem, dass das Songwriting deutlich besser und zielgerichteter geworden ist, gerade was die Prints und Details angeht. Die Produktion ist richtig fett, auch da sehe ich eine klare Steigerung. Die “ Geschäftsmodel Hass “  und  “ Die Maschine von Morgen “  gingen zwar schon in die richtige Richtung, aber insgesamt habe ich das Gefühl, dass ihr jetzt wirklich als Band zusammengefunden habt.Umso überraschter war ich gerade , dass Marc nun ausgestiegen ist.

Lizal von Die Dorks:

Also, das war immer schon ein gutes Arbeiten, das muss ich wirklich sagen. Musikalisch war das mit Marc immer top. Er ist ein sehr guter Musiker, und so wird er uns auch in Erinnerung bleiben. Er hat sich eingebracht und hatte immer einen richtig starken, eigenen Spielstil – das war alles absolut cool. Ich glaube, ein wesentlicher Punkt war jetzt, dass Ike und Alex noch mit uns gearbeitet haben, weil sie sehr genau auf die Stücke geschaut haben. Ich habe die Songs geschrieben – also die Kompositionen und die Texte – und die beiden haben dann gemeinsam mit uns überlegt: Wie kann man noch mehr aus einem Song herausholen? Wo kann man das Arrangement steigern, vielleicht am Groove oder am Aufbau etwas verändern, hier und da einen Refrain nochmal zurückholen. Solche Dinge, diese Feinheiten. Das war wirklich ein ganz tolles Arbeiten, auch weil beide klar gesagt haben: Wir wollen DIE DORKS nicht verbiegen. DIE DORKS sollen nach wie vor wie die Dorks klingen, man soll sofort hören, dass ihr das seid. Und gleichzeitig ging es darum, die Songs zugänglicher zu machen – gerade über die Refrains. Man muss ja beim Songwriting immer auch im Blick haben, dass es ein Publikum gibt, das mitsingen will. Ich denke, genau das ist uns diesmal ein gutes Stück besser gelungen.

My Revelations:

Definitiv. „Lieber in der Hölle herrschen“ ist auf jeden Fall einer der Songs, der mir sofort eingefallen ist – ich glaube, relativ am Anfang der Platte, vielleicht sogar der vierte Track. Ich kenne die Reihenfolge noch nicht auswendig, aber da ist auf jeden Fall einiges dabei.Textlich hört man euch weiterhin sehr klar raus, gerade eure bekannte Sozialkritik. In meiner Review habe ich aber geschrieben, dass es sich für mich nach einer feineren Klinge anfühlt. Früher war das oft sehr direkt, fast schon – ein bisschen flapsig gesagt – so ein klassischer Altrödel-Punk. Jetzt wirkt das Ganze zugänglicher, ohne an Haltung zu verlieren.

Lizal von Die Dorks: Ein bisschen mehr Feingefühl, ja – das war tatsächlich auch meine Intention. Man entwickelt sich selbst weiter, beobachtet die Welt und sieht, wie sich vieles verändert. Ich finde, man kann diese Themen heute subtiler angehen, den Leuten Raum lassen, selbst zu interpretieren, was ein Text für sie bedeutet, anstatt mit einem erhobenen moralischen Zeigefinger zu arbeiten. Gerade wenn man sich anschaut, wie sich politische Extreme in alle Richtungen immer weiter zuspitzen, halte ich das für wichtig. Was ich persönlich schwierig finde, ist dieses permanente Aufeinanderzeigen mit dem Finger – auch innerhalb linker Strömungen oder in der Punk-Szene. Da wird schnell über Vergangenes geurteilt, statt den Blick nach vorn zu richten. Für mich ist das nicht zielführend, wenn es darum geht, ein gesellschaftliches Miteinander zu fördern. Im Gegenteil: So entsteht eher weitere Verhärtung und noch mehr Radikalisierung, anstatt echte Auseinandersetzung zu ermöglichen.

My Revelations:
Die Mitte geht immer weiter verloren, also der normale Diskurs ist fast stellenweise gar nicht mehr drin.

Lizal von Die Dorks: Viele Menschen scheinen heute kaum noch in der Lage zu sein, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und miteinander zu diskutieren – unabhängig davon, was jemand gewählt hat. Ich selbst würde niemals irgendeinen radikalen Mist wählen, darüber müssen wir nicht reden. Aber trotzdem finde ich es wichtig, sich hinzusetzen, zuzuhören und zu versuchen zu verstehen, warum jemand bestimmte Ansichten hat und woher sie kommen. Meiner Meinung nach bringt das deutlich mehr, als Menschen pauschal auszugrenzen oder in Schubladen zu stecken. Ausgrenzung führt zu nichts – sie verhärtet am Ende nur die Fronten.

My Revelations: Ja, da bin ich ganz bei dir. Man könnte fast sagen – auch wenn das Wort in unserem Alter vielleicht ein bisschen gemein klingt –, die Musik ist erwachsener geworden. Aber zumindest von der musikalischen Ausrichtung her passt das für mich ganz gut. Dieses klassische „Wir jagen die Bullen über die Plätze“-Ding, so in alter 70er- oder 80er-Manier, gibt es ja immer noch. Aber irgendwann sagt man sich auch: Ich bin jetzt 48 , das war eine Zeit, die ihren Platz hatte – und die ist einfach vorbei.

Lizal von Die Dorks: vDamals, mit Bands wie Toxoplasma – du kommst ja aus der Nähe von Koblenz, hast du gesagt – waren diese Bands Kult.Als sie aufkamen, hat das provoziert, das hat man gehört, das hatte eine Wirkung. Aber heute kaufe ich es vielen einfach nicht mehr ab, wenn sie irgendwelchen Quatsch singen – irgendwas mit Pflastersteinen und blablabla. Das wirkt auf mich albern: Ihr geht doch alle arbeiten, ihr führt ganz normale Leben, und singt dann davon, dass ihr die härtesten Hunde seid. Das kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen.

My Revelations: Nee, nee, tatsächlich nicht.  Seit der „Schweineherbst“ von SLIME  ist das irgendwie rum.

Lizal von Die Dorks: Das war ja auch eine Kultplatte.

My Revelations:
Definitiv. Es ist immer noch ein Meilenstein, und manchmal denke ich, der Sänger hätte damals seine Worte wahr machen sollen.
Er hat gesagt, er habe eigentlich alles gesagt und höre deshalb auf – und auf dieser Platte ist, wenn man ehrlich ist, tatsächlich auch alles gesagt.

Lizal von Die Dorks:
 Richtig, ganz richtig, da bin ich ganz bei dir.Damit ist alles gesagt und dann ist dieser Drops auch gelutscht.

My Revelations:
Wie kam die Zusammenarbeit mit Alex und Eiko zusammen?

Lizal von Die Dorks:

Das war ganz witzig.

Ich recherchiere ja immer viel über Kontakte, Agenturen und Booker und bin dabei auf Enno Heimann aufmerksam geworden.
Er ist der Manager von KERPHOLZ und hatte auch ein Skype-Gespräch mit mir. Dabei sagte er, wir seien eine interessante Band. So haben wir uns ein bisschen kennengelernt und auch ein, zwei Konzerte zusammen gespielt. Er war dann so nett und hat mir einen Kontakt vermittelt, weil er meinte: Ich finde euch gut, aber ihr braucht zwei coole Leute für die Produktion. Ich könnte mir vorstellen, dass Eiko und Alex die Richtigen für euch wären. Am selben Tag habe ich Eiko bei Facebook angeschrieben und gesagt, dass ich gerade mit Enno telefoniert habe und er ihn als tollen Produzenten empfohlen hat. Ich hatte mir auch schon angehört, was er alles gemacht hat, und gefragt, ob er Lust hätte, mit uns unser nächstes Album zu machen. Eineinhalb Stunden später hatten wir schon einen Videocall. Das war richtig gut. Er hat sich das Geschäftsmodell Hass angehört, hatte sofort Bock darauf und fand die Band spannend.
Danach waren wir in Kontakt, er fragte Alex, ob er auch Lust hätte mitzumachen, wir tauschten uns über Songideen aus – und sind dann relativ schnell von den Demos direkt ins Arbeiten gekommen.

My Revelations: Wie lange habt ihr insgesamt von der Entstehung bis zum Ende gebraucht? Waren es etwa zwei Jahre?

Lizal von Die Dorks:

Das war so: Anfang letzten Jahres, im Januar, hatte ich den ersten Kontakt mit Enno.
Im April ging es dann richtig los mit der Arbeit an den Demos.
Im Dezember haben wir schließlich mit dem Schlagzeug-Recording in Hamburg begonnen.

(Interview geführt im Dezember 2025 – Anmerkung der Redaktion)

My Revelations:
Das heißt, ihr habt tatsächlich auch in Hamburg aufgenommen?

Lizal von Die Dorks:

Nicht alles. Wir waren in den Chameleons Studio: Dort haben Bons am Schlagzeug und Marc am Bass aufgenommen. Die beiden haben ihre Parts bei Eike recordet. Für mich war Alex zuständig. Mit ihm habe ich die Gitarren und die Vocals in Thüringen aufgenommen – bei ihm zu Hause, im Studio, in dem auch HEAVEN SHALL BURN aufnehmen.

My Revelations:
Die Gitarre ist deutlich fetter, die Soli sind knackiger. Auch gesanglich sind das Welten. Die aggressive Seite sitzt punktgenau – das hat mich stellenweise an Holy Moses erinnert.Weißt du, was ich meine? Ich finde, die Band hat sich musikalisch – auch im Songwriting – klar weiterentwickelt und einen Schritt nach vorne gemacht. Ich glaube aber auch, dass ihr nicht immer zeigen konntet, was ihr instrumental wirklich draufhabt, weil die Produktion nicht immer optimal war. Wenn die Voraussetzungen nicht stimmen, kann man eben auch nicht alles aus sich herausholen.

Lizal von Die Dorks:

Ja, ich denke, das ist einfach so.Lukas hat bei den letzten Alben auch wirklich super Arbeit geleistet, da möchte ich gar nichts schmälern. Er ist nach wie vor unser Freund.Aber die beiden haben uns anders gepusht. Sie haben alles noch einmal genau durchgehört und immer wieder gesagt: Okay, das geht noch besser, das machen wir nochmal. Ich kann natürlich vor allem von mir sprechen. Bei Marc war ich nicht dabei, und bei Bons nur teilweise, weil Eike hauptsächlich mit ihm gearbeitet hat. Aber ich kann sagen, wie Alex mit mir gearbeitet hat: Er hat mich von Anfang bis zum Ende wirklich gefordert. Wenn etwas geschludert war, hieß es klar: Nein, das machen wir nochmal – das geht besser. Und es ging besser.
Auch gesanglich finde ich, wenn ich das mit den alten Aufnahmen vergleiche, sind das Welten.

My Revelations:
Da wäre ich noch drauf gekommen.Du hast ja vorher auch nicht schlecht gesungen, aber hier ist es wirklich auf den Punkt.
Auch wie die Chöre eingesetzt sind – stellenweise zweistimmig im Hintergrund, sich langsam einfädelnd – funktioniert das richtig gut. Und vor allem deine aggressive Stimme, diese aggressive Seite von dir: Da habe ich schon auf der vorletzten Platte geschrieben, dass ich mir davon eigentlich viel mehr wünschen würde – hören würde, in dem Fall.Hier ist das genau getroffen. Das hat mich stellenweise sogar ein bisschen an HOLY MOSES erinnert.

Lizal von Die Dorks:

Okay.Alex und ich konnten wirklich gut miteinander arbeiten, das war super. Er hat mir Dinge herausgekitzelt und immer wieder gesagt: Nee, probier das nochmal. Dabei habe ich Töne getroffen, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass ich sie kann. Ich bin halt ein Kopfmensch, und manchmal steht man sich selbst im Weg. Aber die Zusammenarbeit war einfach gut. Es hat alles geflossen angefühlt: ausprobieren, Zeit haben, keinen Druck. Das war wirklich ein wunderbares Arbeiten – fantastisch, kann ich nicht anders sagen.

My Revelations:
Hast du irgendwann mal Gesangsunterricht gehabt?

Lizal von Die Dorks:

Ja, ja. Ich habe schon als Kind gesungen, sogar Schlager gemacht, und hatte da natürlich auch ein bisschen Erfahrung.Was ich aber immer noch lernen muss, ist der Umgang mit den Höhen. Ich beobachte mich da selbst und merke, dass ich manchmal zu viel Druck gebe. Das ist einfach ein Lernprozess. Alex hat mich da wirklich stark gepusht, dafür bin ich ihm extrem dankbar. Dass ich mit ihm produzieren konnte, bedeutet mir viel, und ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Ich freue mich jetzt auch sehr auf die Zusammenarbeit mit unserem neuen Bassisten Francesco. Er ist selbst Studio-Produzent, war in der Metal-Band DARK SKY aktiv und arbeitet als Songwriter unter anderem für UNIVERSAL und WARNER.Außerdem hat er bereits mit EPICA, NIGHTWISH und anderen Bands gearbeitet.

Wenn so jemand im Proberaum steht und sagt: Mit euch kann man arbeiten, da habe ich Bock drauf, dann freut einen das natürlich.
Ich bin mir sicher, dass wir mit Francesco als hervorragendem Musiker gemeinsam noch einmal eine Schippe drauflegen können.

Teaser · DIE DORKS – Teil 2 Warum wir trotzdem weitermachen

DIE DORKS stehen an einem Punkt, an dem vieles zusammenkommt:die bewusste Entscheidung fürs Trio, das Ringen um den eigenen Sound, neue Wege im Studio – und die Realität einer Szene, die oft berechenbarer wirkt als die Musik selbst.

In Teil 2 sprechen wir darüber,
wie sich Bandarbeit verändert, wenn weniger Stimmen am Tisch sitzen,
warum Live-Umsetzungen heute immer wieder neu gedacht werden müssen
und wie es sich anfühlt, zwischen Punk, Metal und Erwartungshaltungen den eigenen Platz zu behaupten.

Es geht um Energie, Frust und Durchhaltevermögen –
und um die Frage, warum manche Bands aufgeben
und andere trotz allem weitermachen.

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Autor
"Wenn man einmal dem Metal verfallen ist, ändert man seine Gesinnung nicht einfach von heute auf morgen." ( Parramore McCarty, Warrior)
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